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Druck in der Schauspiel-Branche Nora Tschirner gesteht Versicherungsbetrug wegen Depression

Nora Tschirner
Nora Tschirner hat ein Interview über ihre Depressionen gegeben
© Jens Krick/ / Picture Alliance
Vor zehn Jahren litt Nora Tschirner an einer schweren Depression. Es sei eine gesunde Reaktion auf ein krankes System gewesen, sagt sie heute. Und erzählt, welche Folgen die Krankheit für sie hatte.

Die Schauspielerin Nora Tschirner leidet seit sie 18 Jahre alt ist immer wieder unter Depressionen. Eine besonders schwere Episode hatte sie vor etwa zehn Jahren, damals begab sie sich auch in eine Klinik. Im vergangenen Jahr machte sie ihre Krankheit öffentlich, nun hat die 39-Jährige in einem Interview mit dem "SZ Magazin" erzählt, warum sie so lange darüber schwieg.

Tschirner hatte Angst, aufgrund der Depression keine Schauspielaufträge mehr zu bekommen. "Vor Dreharbeiten muss man als Hauptdarsteller zum Versicherungsarzt, und die Versicherung entscheidet, ob sie dich versichert oder nicht. Man entbindet Ärzte und Versicherungen dafür von ihrer Schweigepflicht – was krass ist, weil der Arbeitgeber eigentlich kein Recht hat, von Krankheiten vorab zu erfahren. Und wenn ich angebe, dass ich in den vergangenen fünf Jahren psychische Erkrankungen gehabt habe, kommt die nächste Frage: Ist deswegen irgendwann ein Drehtag ausgefallen? Egal ob die Antwort ja oder nein lautet, die Produktion wird sich daraufhin gut überlegen, ob sie es sich leisten will, dich zu besetzen. So werden psychische Erkrankungen in der Branche faktisch ausgeschlossen und ein Tabu aufrechterhalten," schildert sie.

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"Ich habe kategorisch gelogen"

Die Regelung führte dazu, dass Tschirner zur Versicherungsbetrügerin wurde, denn sie verschwieg ihre Krankheit einfach. "Ganz klar: Ich war Versicherungsbetrüger. Ich habe in diesen Fragebögen kategorisch gelogen, weil ich sonst keinen Job mehr bekommen hätte. Es gab nie Ausfälle wegen mir. Es wurde sehr viel Geld mit mir verdient. Ich habe auch viel Geld verdient. Aber wahre Angaben hatte ich nie gemacht. Das wie ich jetzt öffentlich zu machen, kann sich natürlich nicht jeder leisten", so Tschirner. Die Schauspielerin hofft, mit ihrer Offenheit anderen betroffenen Mut zu machen. "Ich weiß noch genau, wie allein ich mit meiner Depression war, und wie sehr es mir geholfen hätte, wenn sie nicht so ein Tabu gewesen wäre", sagt sie.

Heute gehe es ihr so gut wie nie. "Meine Depression war eine gesunde Reaktion auf ein krankes System", erklärt sie. Seither achte sie besser auf sich, und begrenze Dreharbeiten und Interviews.

Haben Sie Fragen zu Depressionen? Suchen Sie Anlaufstellen in Ihrer Nähe? Wenden Sie sich an das Info-Telefon der Deutschen Depressionshilfe unter der Telefonnummer: 0800 / 33 44 533.

sst

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