HOME

Stern Logo Oktoberfest

Zimmersuche zum Oktoberfest in München: Wie Vermieter um Wiesn-Besucher buhlen

Münchner Hotels verlangen von ihren Gästen während des Oktoberfestes Höchstpreise. Vermittlungsportale von Privatunterkünften wittern ein gutes Geschäft.

Von Malte Arnsperger

Mario macht keine großen Anstalten seine Absichten zu verstecken. Mario bietet im Internet sein Zimmer für Oktoberfest-Besucherinnen an und schreibt in fehlerhaftem Deutsch: "hallo ich bin der mario und 39. seh locke nett natürlich und aufgeschlossen. biete für eine ebenfalls nette aufgeschlossene frau oder auch 2 freundinnen mitwohnmöglichkeit in meiner 43 qm wohnung in münchen während des oktoberfestes." Mario, der gerne das Oktoberfest mit zwei "aufgeschlossenen" Frauen auf 43 Quadratmetern verbringen will, ist nur einer von Hunderten Münchnern, die während des weltgrößten Volksfestes ihre Privatwohnung vermieten wollen.

Das Oktoberfest lockt jedes Jahr Millionen Vergnügungssüchtiger in die bayrische Hauptstadt. Das Gros der knapp sieben Millionen Gäste kommt aus München und Umgebung und fährt nach Achterbahnfahrt oder Bierzeltbesuch zurück nach Hause. Doch rund 800.000 Leute brauchen eine Übernachtungsmöglichkeit. Viele der Touristen sind bereit, die saftigen Oktoberfest-Aufschläge von 50 Prozent oder mehr in den Hotels zu bezahlen. Unter 130 Euro pro Nacht geht vor dem Anstich eigentlich nichts mehr, die Wochenenden sind auch bei Gasthöfen und Hostels fast ausgebucht.

Ein lukrativer Markt

Seit einigen Jahren bieten deshalb immer mehr Münchner den Wiesn-Gästen, oder auch dem Fest-Personal, eine private Übernachtungsmöglichkeit an. Auf Internetseiten wie airbnb.de, wimdu.de und ebay.de finden sich zahlreiche Anzeigen. Manche räumen für die Oktoberfestzeit ihre komplette Wohnung frei, andere vermieten auch nur ihre Couch.

Fünf betrunkene Australier kommen mir nicht ins Haus, die kotzen doch nur alles voll

Oder die Matratze auf dem Boden. So wie Rebekka. Die 31-jährige Medienschaffende will ihren richtigen Namen nicht veröffentlicht wissen. Denn sie hat ihrem Vermieter nichts davon gesagt, dass sie einen Raum in ihrer Vier-Zimmer-Wohnung für die Oktoberfestzeit untervermieten will. Sie macht das zum ersten Mal, möchte sich ein paar Euro dazuverdienen. Ihr Apartment im fünften Stock scheint ideal dafür zu sein, liegt es doch nur ein paar Gehminuten von der Wiesn entfernt. 700 Euro pro Person verlangt Rebekka für die zweieinhalb Wochen. Dafür stellen sie und ihr Freund Tobias den Gästen ihr Esszimmer zur Verfügung und legen ihnen auf das knarzende Parkett eine Matratze bereit. Das muss reichen, meint Rebekka. "Denn im Hotel zu schlafen ist doch viel teurer."

Kaum Konkurrenz für Hotels

Der deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) gibt sich entspannt angesichts der privaten Konkurrenz. Es sei lediglich eine "Abrundung des Angebotes nach unten", meint Frank-Ulrich John vom Dehoga-Bayern. "Es ist eine Ergänzung, aber keine Konkurrenz, denn die Hotels sind während der Wiesn-Zeit sowieso ausgebucht." Aber so ganz egal ist den Hoteliers das Treiben außerhalb jeglicher Gewerberichtlinien doch nicht. Die privaten Anbieter müssten sich schon auch an Auflagen und die Steuergesetzgebung halten, warnt John. Und man höre immer wieder von enttäuschten Gästen: "Wäre ich doch lieber ins Hotel gegangen." Konrad Mayer ist Dehoga-Kreischef und betreibt ein Hotel in München. Er brummt: "Ich bin not amused von dieser Entwicklung. Es ist eine Konkurrenz, die vielfach an der Steuer vorbei agiert und den Gästen oft nicht den besten Eindruck von München vermittelt."

Und tatsächlich wirken einige der Offerten stark überteuert. So vermietet ein Mann ein Zimmer in seiner Durchschnitts-Wohnung für satte 200 Euro pro Nacht, ein anderer Anbieter verlangt für die Wiesn-Wochen in seinem Ein-Zimmer-Appartment 1800 Euro. Aber es gibt auch Vermieter, die offensichtlich nicht auf Abzocke aus sind. Thomas will 20 Euro pro Nase für sein Bett und schreibt: "Dann würde ich auf dem Gästebett schlafen."

Vermittlungsportale sehen ihre Chance

"Der Preis ist Sache der Vermieter", sagt Christoph Oster. Er ist Chef des Internet-Portals Wimdu, auf dem Privatleute von Tokio über Rio bis München ihre Zimmer und Wohnungen anbieten können. Die Seite, die erst im Frühjahr online ging, verzeichne "extreme" Zuwächse, je näher das Oktoberfest rücke, sagt Oster. "Wir mussten uns sogar um weitere Anbieter in München kümmern, um die große Nachfrage befriedigen zu können." Zweifel an der Seriosität des Geschäfts will Oster erst gar nicht aufkommen lassen. Man beschäftige über 400 Mitarbeiter weltweit, um die Wohnungen zu besichtigen, "Es gibt momentan rund 25.000 Einträge. Es wird mit dem wachsenden Angebot natürlich immer schwieriger, aber wir bemühen uns, die meisten Wohnungen auch wirklich anzuschauen."

Wer daran zweifelt, dem versichert Oster, ein Vermieter bekomme sein Geld nicht ausgezahlt, wenn sich ein Gast über die Unterkunft beschwert, weil etwa falsche Angaben im Internet gemacht wurden. Und er weist die Anbieter daraufhin, dass sie sich bei ihrem eigenen Vermieter das Einverständnis für die Untervermietung einholen und die Einnahmen auch bei der Steuererklärung berücksichtigen sollten.

Wird Mario einsam bleiben?

Der Mieterverein meint: alles halb so wild. Streng genommen sei der Vermieter bei einer Untervermietung zwar zu informieren, aber bei bis zu sechs Wochen könne man ja auch sagen: Das sind ja nur Freunde von mir. Eine spezielle Versicherung sei auch nicht notwendig. Bei Schäden hafte aber immer der Hauptmieter. Bei Wimdu will man deshalb für die Anbieter künftig einen Versicherungsschutz - ähnlich einer Hausratversicherung - bereitstellen.

Vermieterin Rebekka hat keine Angst vor ihren Gästen. Schließlich richtet sich ihre Anzeige vor allem an Bedienungen. "Die arbeiten viel, kommen kurz zum Schlafen her und gehen dann wieder." Auf richtige Oktoberfest-Touristen hat sie keine Lust: "Fünf betrunkene Australier kommen mir nicht ins Haus, die kotzen doch nur alles voll." Bisher hält sich die Nachfrage aber noch in Grenzen. Nur vier Interessenten haben sich bei Rebekka gemeldet. Die bleibt gelassen: "Dann kommt eben keiner, billiger mache ich es nicht."

Mario aber klingt ziemlich geknickt, als er am Telefon erzählt. "Bei mir hat sich noch niemand gemeldet." Dabei hat er doch ein so tolles Angebot für "aufgeschlossene Mädels". Er schreibt im Internet: "miete sind nur 250 Euro insgesamt." Und: "freu mich auf nette antworten."

Sie suchen ein Hotel in München, Berlin oder Barcelona?
Die stern.de-Redaktion gibt Übernachtungs-Tipps für Städtereiseziele wie München, Berlin oder Barcelona.

  • Malte Arnsperger