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Prinzessin Diana: "Ich war so verzweifelt"

Eifersuchtsdramen, Bulimie und Selbstmordversuche: Der US-Fernsehsender NBC hat geheimes Tonbandmaterial ausgestrahlt, das Lady Di von einer ungewohnten Seite zeigt.

Sie klingt gehetzt, atemlos, wie begierig darauf, endlich ihre Seite des königlichen Albtraums zu erzählen, der ihr Leben war: Prinzessin Dianas geheime Tonbandaufnahmen wurden in der Nacht zum Freitag (Ortszeit) zum ersten Mal auf dem US-Sender NBC ausgestrahlt. Der Inhalt ist nicht neu, den hat ihr britischer Biograf Andrew Morton bereits 1992 in dem Bestseller "Diana, ihre wahre Geschichte" veröffentlicht. Aber fast sieben Jahre nach ihrem tödlichen Autounfall in Paris aus dem Munde der zutiefst unglücklichen Lady Di von quälender Eifersucht, Bulimie und Selbstmordversuchen zu hören, ist erneut schockierend.

"Ich habe versucht, mir die Handgelenke mit Rasierklingen aufzuschneiden", hört man Diana in fast sachlichem Ton sagen. "Ich war einfach so verzweifelt." Ständige Selbstmordgedanken und krankhafte Bulimie, die sie selbst während ihrer ersten Schwangerschaft mit Prinz William nicht in den Griff bekam, waren vergebliche Versuche, die Aufmerksamkeit ihres Ehemanns zu erlangen. Denn der hatte sich schon bald nach der Eheschließung wieder seiner früheren Geliebten Camilla Parker-Bowles zugewandt.

Das Herz aus dem Leibe geweint

"Ich habe mir aus Einsamkeit das Herz aus dem Leibe geweint", schildert Diana ihre Situation. Nach einem Streit warf sie sich sogar einmal eine Palast-Treppe herunter, "im vollen Bewusstsein, dass ich schwanger war". Auf ihn machte das jedoch ihrer Aussage nach keinen Eindruck. "Ich wurde abgefertigt, einfach abgefertigt", sagt sie bitter.

Andrew Morton erzählt in der zweiteiligen Sendung "Princess Diana - The Secret Tapes" auch, wie schwierig der Zugang zur königlichen Familie Anfang der 90er Jahre war. Wegen der Brisanz der Themen konnte es sich Diana nicht leisten, offen mit Morton zusammenzuarbeiten. "Es wäre wie im Märchen gewesen, mit Diana reden zu können. Die Queen regierte seit 50 Jahren und hatte noch nie ein Interview gegeben", sagt der Biograf in der Sendung.

Wie eine Gefangene

James Colthurst, ein Freund Dianas, fungierte deshalb als unverdächtiger Mittelsmann: Er schmuggelte Mortons Fragen und ein kleines Aufnahmegerät in den Kensington Palast und schnitt auf rund fünf Stunden Tonbandmaterial ihre Gespräche mit. Für Diana schien es wie eine Erlösung zu sein: "Sie hat manchmal noch nicht mal Pause gemacht, um Luft zu holen, es war, als ob man einer Gefangenen zuhörte", erinnert sich Morton. Für die Öffentlichkeit spielte Diana die glückliche Ehefrau und Mutter, im Geheimen hatten sie sich aus Trotz gegen Charles’ Untreue einen Geliebten genommen. Darüber gibt sie jedoch auf den "geheimen Tonbändern" keine Auskunft.

Wie erwartet, gab es einen Riesenskandal als das Buch "Diana, ihre wahre Geschichte" veröffentlicht wurde, das auf der Grundlage der Tonbandaufnahmen entstanden war. Für Diana aber war es der ultimative Befreiungsschlag aus dem goldenen Käfig. Noch im selben Jahr gaben Diana und Charles ihre Trennung bekannt, 1996 ließen sie sich scheiden.

Gerüchte, Diana habe bewusst an dem Buch mitgearbeitet, waren bereits zur Zeit der Veröffentlichung aufgekommen. Der Buckingham- Palast hatte dies jedoch dementiert. Erst nach dem tragischen Tod der Prinzessin gab Morton die Quelle seiner Informationen preis und brachte eine revidierte Neuauflage der Biografie mit dem Titel "Diana, ihre wahre Geschichte in ihren eigenen Worten" heraus.

Carla S. Reissman, DPA / DPA