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Royale Hochzeit in Großbritannien: Prinz Harry und Meghan Markle - ein Paar für die Welt

Glück strahlen sie aus, Glamour sowieso. Prinz Harry und Meghan Markle vermählen Krone und Hollywood. Ihre Hochzeit wird zum Lichtblick in chaotischen Zeiten.

Von Steffi Kammerer und Michael Streck

Prinz Harry und Meghan Markle – ein Paar für die ganze Welt

Das Paar verlässt im März 2018 den Pub "The Crown" in Belfast. Für alle ersichtlich: Sie können nicht voneinander lassen

Es rüstet sich das putzige Städtchen Windsor, 40 Kilometer von London, für eine friedliche Invasion. Gerade noch die traditionelle Pferdeshow, nun Mittelpunkt der Welt. So schnell geht das. Trucks sind angerückt mit Satelliten auf dem Dach, Zelte werden errichtet. 5000 akkreditierte Reporter berichten, mehr als von jedem Gipfel und den Olympischen Spielen. Die Hoteliers verdienen sich dumm und dämlich, weil sie für ihre Zimmer mit Aussicht aufs historische Gemäuer mörderische Preise verlangen, Zigtausend Pfund, und die TV-Sender diese Mörderpreise auch zahlen – der Rummel vor der Hochzeit von Harry und Meghan ist ähnlich groß wie vor sieben Jahren, als Bruder William seine Kate ehelichte. Obschon in Wahrheit eine Vermählung zweiter Klasse. Harry, nicht vergessen, ist Nummer sechs der Thronfolge, unteres Ende der Nahrungskette gewissermaßen. Und doch will möglichst jeder was von diesem Kuchen. Nicht von dem natürlich, den die beiden anschneiden (Zitrone und Holunder), und der nach dem Urteil verlässlicher Kollegen verblüffend fade schmecken soll.

"God save the Queen"

Jenseits davon ist genug für alle da. Selbst die Kondome nun unverschämt teuer, zehn Pfund für ein bisschen Gummi der Marke "Crown Jewels" mit den beiden auf der Packung, eingepreist wenigstens die Verheißung auf eine "royale Union von Vergnügen und Stil" und untermalt mit "God save the Queen", sobald man öffnet.

Es wird wirklich Zeit für den Showdown.

Eingeläutet im November, als "Prince Henry of Wales", so sein offizieller Titel, und Meghan Markle ihre Verlobung verkündeten und der Prinz bei dieser Gelegenheit zuckersüß schwurbelte, dass sich "die Sterne eigens ausgerichtet" hätten. Die Nation, ach was, die ganze Welt ist seither hingerissen von diesem Paar, er 33, sie drei Jahre älter. Er der bis dahin berühmteste Junggeselle des Planeten, sie bis dahin eher Insidern bekannt als Darstellerin in der höherklassigen Seifenoper "Suits". Der Prinz, das nur am Rande, kannte die Serie nicht mal, als sie sich erstmals begegneten bei einem Blind Date, Sommer 2016. Der Rest ist Geschichte. Harry meets Meghan, verliebt, verlobt, und nun verheiratet. Ein perfect match. Der alte Fotograf Arthur Edwards, der seit mehr als 40 Jahren für die "Sun" die Königlichen knipst und in dieser Spanne durch sämtliche emotionalen und libidinösen Höhen und Tiefen watete, ist von der Authentizität überzeugt. Deshalb schon, weil die beiden ständig aneinander herumfummelten und auf ihn so wirkten, als "könnten sie nicht schnell genug aufs Zimmer kommen".

Meghan als Anwaltsassistentin in der TV-Serie "Suits"

Meghan als Anwaltsassistentin in der TV-Serie "Suits"

Es hat offenbar so sollen sein und ist ja auch so: Beide stammen aus dysfunktionalen Familien mit Scheidungshintergrund. Beide schleppen Schrammen aus der Vergangenheit mit durchs Leben. Beide verfügen über ein außerordentliches Charisma und ein gigantisches Netzwerk – er von Haus aus, sie hausgemacht. Und beide haben blaues Blut. Einer von Meghans Vorfahren soll der legendäre Schottenkönig Robert the Bruce sein, der im Jahre 1314 die englische Armee besiegte und im Norden der Insel bis heute Heldenstatus genießt.

Mehr als 700 Jahre oder 25 Generationen später schließt die Nachfahrin eines schottischen Heroen väterlicherseits und eines Südstaatensklaven mütterlicherseits mit einem rothaarigen englischen Prinzen den Bund fürs Leben. Das Skript fast zu kitschig für Hollywood, wie der britische Autor Andrew Morton sagt, der soeben die Biografie "Meghan" veröffentlicht hat. Die Amerikanerin, da ist er sicher, werde mit ihrer schieren Präsenz das Bild der Monarchie verändern, als Symbol für eine offene und multikulturelle Gesellschaft, "insbesondere jetzt, da sich Großbritannien mit dem Brexit in einen Zustand selbst verursachter Agonie manövriert hat". Die Hochzeit komme zum bestmöglichen Zeitpunkt.

Ein Jahr vor dem offiziellen Abschied aus der EU durchlebt die Nation wirtschaftliche Stagnation und politisches Chaos. Das Gesundheitssystem moribund, die Verbrechensrate nimmt dramatisch zu. Und keiner weiß, wie das Land nach dem Brexit ausschauen wird. "Die königliche Familie", sagt der renommierte Historiker und Monarchie-Experte David Starkey aus Cambridge, "ist die einigende Kraft. Und zwar auch aus einem historischen Zufall heraus: Die Parteien sind in einem entsetzlichen Zustand, durch die Nation läuft ein Riss." Als Klebstoff nationaler Identität fungierten in heikler Lage die Königlichen, nie populärer als heute. Die ganze Welt blicke auf Windsor, denn dies sei auch eine Hochzeit für die ganze Welt, "die erste wirklich globalisierte Hochzeit in globalisierter Zeit".

Mehr Firma als Familie

Neben allem Glanz und Gloria sind die Royals ja tatsächlich das: mehr Firma als Familie, eine globale Marke, deren Wert die Vermögensberatung Brand Finance auf über 67 Milliarden Pfund taxiert. Die Hochzeit spüle circa eine Milliarde Pfund in die britische Wirtschaft, von denen die Mode-Ikone Meghan allein 150 Millionen generiert. "Die Windsors sind ein Unternehmen, perfekt gemanagt wie in der freien Wirtschaft", sagt Pauline Maclaran, Professorin an der Royal Holloway University und Autorin eines klugen Buches über den Buckingham Palast als Global Player. "Sie haben fast etwas Märchenhaftes, etwas Mythologisches, das sich zumindest im westlichen Unterbewusstsein festgesetzt hat." Mit Meghan dürfte sich dieser Faktor nochmals erhöhen. Sie gilt nach dem Urteil der "New York Times" jetzt schon als eine der größten Influencer weltweit.

Meghan also, geboren als Rachel Meghan Markle im Sommer 1981 in Los Angeles, sechs Tage nach der vermeintlichen Märchenhochzeit von Charles und Diana im fernen London. Ein California-Girl durch und durch, das seine Lebenseinstellung einst so bündelte: "Die meisten Dinge lassen sich mit Yoga, dem Strand oder ein paar Avocados heilen."

In ihrer frühen Kindheit lebte sie in einem sehr weißen Vorort von L. A., und später würde sie darüber schreiben, wie ihre afroamerikanische Mutter Doria Ragland typischen Alltagsrassismus erfuhr und oft gefragt wurde, ob sie das Kindermädchen der hellhäutigen Meghan sei. Hautfarbe und Identität sind seither Themen ihres Lebens. In der Schule sollte sie einmal ihre ethnische Herkunft bestimmen. Kein Kästchen, das auf sie zutraf, zwischen Schwarz und Weiß gab es nichts. Sie machte nirgendwo ein Kreuz. Als sie später ihrem Vater davon erzählte, sagte der: "Nächstes Mal zeichnest du einfach dein eigenes Kästchen."

Als Schwägerinnen eint Meghan und Catherine, dass sie nicht aus adeligen Familien kommen

Als Schwägerinnen eint Meghan und Catherine, dass sie nicht aus adeligen Familien kommen

Meghan war zwei, als sich die Eltern trennten, als sie sechs war, ließen sie sich scheiden. Sie zog mit der Mutter um, die Wochenenden verbrachte sie bei ihrem Vater Thomas, einem Kameramann, der jahrelang die Serie "Eine schrecklich nette Familie" filmte und die Lichtsetzung bei einer Oscar-Verleihung verantwortete.

Oft im Schlepptau: Meghan. Er förderte sie, so gut es ging und soweit er sich das erlauben konnte. Samstags fuhr er sie früh zum Ballett- und Stepptanzunterricht, wenn an ihrer Schule ein Theaterstück oder ein Musical aufgeführt wurde, leuchtete er die Bühne aus. Vor zwei Jahren meldete er private Insolvenz an und wohnt heute abgeschieden in Mexiko, gleich hinter der amerikanischen Grenze, das Leben hier ist günstiger als in Kalifornien. Meghan, durch "Suits" längst wohlhabend, half ihrem Vater anscheinend finanziell nicht aus der Klemme. Seinen künftigen Schwiegersohn hatte Thomas Markle bis kurz vor der Hochzeit bloß am Telefon kennengelernt. Neulich machten Fotos die Runde, wie er Geschichten über Harry und Meghan im Internet las. Doch die Paparazzi hatte er bestellt, ein kleiner Skandal. Und ob er seine Tochter nun tatsächlich, wie vom Palast zuvor verkündet, zum Altar führen wird, wurde plötzlich sehr unwahrscheinlich. Vom Vater hat Meghan den Hang zur Inszenierung.

Mädchen mit Sommersprossen und Zahnlücke

Meghans Mutter Doria ist Yogalehrerin und Sozialarbeiterin, trägt Dreadlocks und einen Nasenring. Genau wie Diana ihre Söhne William und Harry früh zu den Ärmsten mitnahm, tat sie das mit Meghan. Reiste mit ihr in die Slums von Jamaika, da war sie etwa zehn, und schärfte damit ihr politisches Interesse. Mit elf, ein Mädchen mit Sommersprossen und Zahnlücke, setzte Meghan sich an ihren Kinderschreibtisch und schrieb dem Präsidenten von Procter & Gamble. Und da sie schon mal dabei war, schrieb sie auch gleich der damaligen First Lady Hillary Clinton und der feministischen Top-Anwältin Gloria Allred. Es ging um einen Werbespot für Spülmittel, in dem nur Frauen angesprochen wurden. "Wäre es möglich, dass Sie das ändern?", fragte sie. Das Weltunternehmen reagierte tatsächlich, der TV-Spot adressierte fortan "People all over America".

Worauf der Kindersender Nickelodeon die kecke Meghan in ihrer Grundschule besuchte. Es war die Zeit der blutigen Rassenunruhen, Los Angeles brannte, vor der Schule Sirenengeheul – Stadt und Land sehnten sich nach positiven Geschichten. Und Meghan lieferte. Die junge Aktivistin sprach selbstbewusst und mit leisem Lächeln in die Kamera: "Wenn ihr etwas seht, was euch nicht gefällt oder was euch verletzt, schreibt Briefe. Und schickt sie an die richtigen Leute, damit könnt ihr wirklich was erreichen, nicht nur für euch selbst, sondern für andere."

Die Mutter lebt nach wie vor in L. A., in einem kleinen Haus westlich von Downtown. Die Gegend wird mal als "schwarzes Beverly Hills" bezeichnet, mal als lebensgefährliches Ghetto, die Wahrheit liegt vermutlich dazwischen. Sie züchtet Kakteen und beinahe mannshohe Agaven in ihrem Vorgarten, und nachdem die Verlobung bekannt wurde, stand Sicherheitspersonal vor der Tür. Heute ist ihr einziger Schutz ein "No Trespassing"-Schild, Betreten verboten. Sie versucht, ganz normal weiterzuleben. Am Samstag wird sie neben der Königin von England stehen.

Von ihr hat Meghan ihr politisches und soziales Engagement.

Die große Frage wird sein, ob und wie sich das künftig mit Meghans Rolle verträgt. Die Autorin und Journalistin Angela Levin, langjährige Chronistin des Palastes, glaubt, dass die beiden "einen Unterschied machen wollen", ihre Auftritte genau setzten und dem Credo "Mehr Qualität als Quantität" folgen werden. Schließlich, auch der ewige Hallodri Harry ist gereift nach Irrungen und Wirrungen und: Verletzungen.

Meghan an der Seite ihres Zukünftigen in einem Freizeitklub in Wales, geboten wird Streetdance

Meghan an der Seite ihres Zukünftigen in einem Freizeitklub in Wales, geboten wird Streetdance

Der kleine Prinz war gerade zwölf, als seine Mutter in einem Tunnel in Paris in den Tod fuhr und die Bilder von ihm und Bruder William um die Welt gingen, wie sie, beide taub vor Schmerz mit gesenktem Kopf hinter dem Sarg herschlichen. 20 Jahre dauerte es, bis er diesen Verlust halbwegs und dann auch nur mit professioneller Hilfe verarbeitet hatte. In dieser Phase zugleich Leichtfuß und Schwerenöter, der bei der Hochzeit von Familienfreundin Tiggy dem Vernehmen nach einen Goldfisch aus einem Glas fischte und vor aller Augen schluckte. Der auf dem Elite-Internat von Eton nicht der Hellste war, aber einer der Heitersten. Spitzname: Hash Harry, denn seinem Zimmer entströmte regelmäßig süßlicher Cannabis-Duft.

Der später mit dieser und jener turtelte, mal ernst, mal weniger ernst. Der auf einer Kostümparty in Nazi-Uniform erschien, und "Paki" sagte und "Raghead", wenn er Pakistaner und Araber meinte. Der Strip Billard in Las Vegas spielte und offenkundig verlor, worauf die Fotos vom nackten Prinzen erst im Netz und dann auf den Titelseiten landeten. Der aber zugleich schlagfertig und witzig sein konnte und die Mailbox seiner Oma betextete, als die ihr erstes Handy bekam. Was sich dann so anhörte: "Hey, wie geht's? Hier ist Liz. Sorry, ich bin kurz mal weg vom Thron. Für eine Hotline zu Philip drückt eins, für Charles zwei und für die Corgis drei." Die Queen, heißt es, sei überaus amused gewesen.

Der dann erwachsen wurde und Disziplin aufsog als Soldat und Hubschrauberpilot, zweimal nach Afghanistan ging und kämpfte und auch tötete, wie man heute weiß.

Prinz Harry kam, sah und siegte

Angela Levin begleitete den Prinzen ein Jahr lang und brachte pünktlich zum Fest "Harry – Gespräche mit einem Prinzen" heraus. Sie ist eine feine Beobachterin. Wenn man sie bittet, Harry zu charakterisieren, erzählt sie eine Episode von ihrem ersten Treffen. Das war in Nottingham, er hatte einen Termin mit schwer erziehbaren Jugendlichen, "Gangmitglieder, harte Jungs die meisten". Sie fragte die Kids, was sie von Harry hielten, "und die guckten mich an, als sei ich irre", und machten sich lustig über den Besuch.

Sie dachte, das kann ja heiter werde. Und genau das wurde es auch. Harry kam, sah und siegte. Er schoss einen Witz nach dem anderen ab, er gab eine Show und veränderte die Raumtemperatur, und am Ende wollten alle Selfies. Monate später bei ihrem zweiten sehr langen Treffen im Kensington Palast sprach sie ihn darauf an und fragte: "Sind solche Treffen für Sie auch persönliche Therapie?" Es entstand eine Pause, und das Interview hätte in diesem Moment beendet sein können. Aber Harry sagte: "Ja, genau so ist es."

Er erzählte verblüffende Dinge bei diesen Treffen. Dass er nie Lust gehabt habe auf diese Rolle, nie König werden wollte. Er sprach über den Verlust der Mutter und darüber, wie er "nach fast 20 Jahren vergrabener Emotionen" noch einmal zwei Jahre "komplettes Chaos" durchlief. Das war eine mittelschwere Sensation in einem Land, in dem man nur ungern über Gefühle spricht und Zurückhaltung mit dem Adjektiv vornehm adelt. Levin glaubt, dass sich die Leute nicht trotz, sondern exakt wegen dieser Macken und Verletzlichkeiten in ihm wiedererkennen. "Es ist ja kein Zufall, dass er besonders gut mit Leuten kann, die selbst Beschädigungen davontrugen, physische wie psychische." Der Prinz rief die "Invictus Games" ins Leben, eine Art Olympische Spiele für kriegsversehrte Soldaten, und er leitet gemeinsam mit William und Kate die "Heads Together"-Kampagne und sorgt dafür, dass man in Großbritannien nicht mehr hinter vorgehaltener Hand über Depressionen tuschelt.

Die Gedenkmünze zur Hochzeit. Ähnlichkeiten sind zwar beabsichtigt, aber kaum erkennbar

Die Gedenkmünze zur Hochzeit. Ähnlichkeiten sind zwar beabsichtigt, aber kaum erkennbar

Während Harry sich suchte und letztlich auch fand, ging seine künftige Frau entschieden zielstrebiger und strategischer vor. Man könnte auch sagen: berechnend.

Maria Pollia war ihre Religionslehrerin an der "Immaculate Heart High School", einer katholischen Mädchenschule in den Hollywood Hills, eine behütete Oase seit mehr als hundert Jahren. Ein Swimmingpool glitzert in der Sonne, Mädchen in Schuluniform grüßen freundlich. Eine aus Meghans Klasse hat vor fünf Jahren den Mount Everest bezwungen. Pollia sagt, sie selbst habe nicht wahrgenommen, dass Meghan mit ihrer Identität haderte, auch in ihren Essays habe sie das nie thematisiert. Ihre Talente aber waren schnell sichtbar. Die einstige Mentorin bezeichnet Meghan als "Ausnahmeschülerin". Sie habe selbst komplexe theologische Schriften mit scharfem Intellekt spielend gemeistert. "Ich erinnere mich, dass ich dachte: Wer ist dieses Mädchen, dass sie all das in dem Alter sehen kann?"

Networking ist ihre größte Stärke

Wie sehr sie in dieser Phase zugleich bemüht war, ihren Platz zu finden, ahnt man aber beim Durchblättern der alten Schul-Jahrbücher. In den ersten Jahren steht neben ihrem Foto ihr erster Name Rachel. Im Abschlussjahr dann Meghan. Die krausen Locken, geerbt von der Mutter, sind mühsam geglättet und gezähmt – als wolle sie sich von ihrer Herkunft entkoppeln.

Das meiste in ihrem Leben verlief fortan linear. Sie war jung und schön, sie trat im Satinfummel auf als Showgirl in der US-Fernsehsendung "Deal or No Deal", sie setzte den Lifestyle-Blog "The Tig" auf, postete über Fitness und Ernährung und Reisen, aber eben auch über Fragen von Identität, Gleichberechtigung und Feminismus. Sie sprach am Internationalen Frauentag vor den Vereinten Nationen und bekam stehende Ovationen. Sie repräsentierte später die UN und obendrein das Hilfswerk "World Vision Canada", besuchte Soldaten in Afghanistan und Flüchtlingslager in Ruanda. Und: Sie heiratete. Im September 2011 gab sie ihrem langjährigen Freund, dem Filmproduzenten Trevor Engelson, das Jawort. Sie feierten mit mehr als hundert Gästen tagelang auf Jamaika, am Strand schworen sie sich die ewige Liebe. Ihr Mann hatte ihr in Hollywood über Jahre hinweg die Türen geöffnet.

Die beiden lebten oberhalb des Sunset Boulevards in einem kleinen weißen Häuschen. Meghan sprach für Rollen vor, kam aber nicht richtig vom Fleck. Das änderte sich mit dem Angebot für die Anwaltsserie "Suits", in der schauspielerische Klasse weniger zählte als Makellosigkeit. Sie zog für die Dreharbeiten nach Toronto – und alles wurde anders.

Mit Hut: Meghan (obere Reihe, 3. v. l.) tanzte auf der Bühne ihrer Immaculate Heart High School

Mit Hut: Meghan (obere Reihe, 3. v. l.) tanzte auf der Bühne ihrer Immaculate Heart High School

In L. A. war sie lediglich einer von vielen Möchtegern-Stars gewesen, in Toronto galt sie plötzlich als große Nummer, wurde auf Partys eingeladen, freundete sich mit Jessica Mulroney an, der Schwiegertochter des früheren kanadischen Premiers, und auch mit Sophie Grégoire Trudeau, Gattin des amtierenden kanadischen Regierungschefs.

Networking ist ihre größte Stärke, und über dieses Talent würde sie später ja auch in Harrys Inner Circle vordringen.

"Suits" veränderte Meghan Markle und darüber auch das Verhältnis zu ihrem Mann. Nach zwei Jahren Ehe lag ein Umschlag aus Toronto im Briefkasten des weißen Häuschens – darin Meghans Hochzeitsring. Sie servierte ihn ziemlich schnöde ab, und es gibt Leute, die dahinter durchaus ein Muster erkennen. Die Schmuckdesignerin Ninaki Priddy, jahrzehntelang Meghans beste Freundin, sagt: "Sie geht sehr strategisch vor, Freundeskreise aufzubauen." Und ähnlich strategisch auch beim Aussortieren. "Sobald sie entscheidet, du gehörst nicht mehr dazu, kann sie sehr kalt sein." Priddy, Trauzeugin bei Hochzeit Nummer eins, gehört nicht mehr dazu. Die beiden haben keinen Kontakt.

Im April des vergangenen Jahres, Meghan kannte Harry ein paar Monate, löschte sie alle Beiträge von ihrer "Tig"-Seite und hinterließ lediglich ein "Good Bye". Sie trennte sich bald darauf auch von Millionen Followern auf Instagram und Twitter. Ballast nunmehr. Markle, scheint es, bereitete sich auf ihre nächste Rolle vor, die größte Rolle ihres Lebens: Prinzgemahlin.

Diana II

Andrew Morton, der für seine Biografie Dutzende von Meghans Wegbegleitern sprach, nennt es "Markle-Paradoxon", dass "eine genuin kluge Frau, Aktivistin und Feministin in eine konservative Familien-Hierarchie hineinheiratet. Und den Historiker David Starkey verärgert beinahe, dass sie brav und heimchengleich ihren Job aufgab, um künftig als "eine Art Diana II" durchs Leben zu gehen. Für ihn eine vertane Chance und eben keinesfalls jene Revolution, von der die bunten Blätter unentwegt schreiben. Darüber auch, wie weit die Monarchie gekommen sei, dass eine geschiedene und gemischtrassige Amerikanerin in den Palast zieht. Sie mögen Parallelen ziehen zu König Eduard VIII., der 1936 abdanken musste, als er die gleichfalls geschiedene Amerikanerin Wallis Simpson heiraten wollte.

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Und all das stimmt ja irgendwie. Wie es natürlich auch stimmt, dass sich bereits seit den Zeiten von Shakespeare Königsfamilie und Theater gegenseitig anziehen und inspirieren. "Monarchie", sagt Starkey, "ist nichts anderes als Schauspielerei. Die Kostüme, die große Bühne. Könige und Prinzen spielen Rollen."

Zu besichtigen einmal mehr an diesem Samstag, gigantisches Schauspiel und Spektakel für die ganze Welt, aufgeführt auf der Bühne von Windsor Castle. Familie, Freunde, Blaublüter und Bürgerliche. Milliarden an den Fernsehschirmen, 2640 geladene Gäste auf dem Schlossgelände. Unter ihnen im Übrigen auch ein Überraschungsgeist. Simone Simmons, einst enge Freundin von Harrys Mutter Diana, heute hauptberufliches Medium und ergo nach wie vor in Funkkontakt mit der Verblichenen, teilte gerade mit, dass Diana vorbeischaut. Mag zwar Meghan nicht. Aber es gibt offenbar Dinge zwischen Himmel und Erde, die wichtiger sind als das.

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