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Prinzessin Diana: Butler gegen "Dodi-Mythos"

Der Butler von Prinzessin Diana hat sein zweites Buch herausgebracht. Darin gibt er vermeintliche Geheimnisse seiner "Chefin" preis. Die soll Dodi nur benutzt haben, um einen ganz anderen Mann zu kriegen.

Der Diener hat wieder zugeschlagen. Und der Zeitpunkt war gut gewählt. Erst das Weihnachtsgeschäft und danach ist es nicht mehr lange hin bis zum 10. Todestag von Prinzessin Diana. Obendrein dürfte die bald bevorstehende Vorlage des Diana-Untersuchungsberichtes von Scotland Yard dem neuen Buch ihres einstigen Butlers Paul Burrell größeres Interesse verschaffen.

"Ich habe dieses Buch geschrieben, damit wir alle die Chefin so in Erinnerung behalten, wie sie wirklich war." Für Burrell war "Chefin Diana" mehr als nur die Brötchengeberin. Die Frau, die Millionen immer noch als "Prinzessin des Volkes" anhimmeln, habe ihm in seinen Dienstjahren im Kensington Palast, der offiziellen Residenz Dianas, so gut wie alle ihre Geheimnisse anvertraut.

Vermächtnis der Prinzessin zu Geld

Einige davon plaudert der 48-jährige Burrell nun in seinem zweiten Diana-Buch aus, das im Knaur-Verlag unter dem Titel "Die Zeit mit ihr" erscheint. Zu Hause musste sich Burrell den Vorwurf gefallen lassen, er mache nach seinen 2003 aufgelegten Diana-Erinnerungen "Im Dienste meiner Königin" erneut das Vermächtnis der Prinzessin zu Geld.

"Wenn Paul Burrell der letzte Mann sein soll, der die Erinnerung an Diana pflegt, dann helfe uns Gott", zitierte die Zeitung "Daily Mail" einen Vertrauten von Prinz Charles - der Ex-Mann und Vater der beiden Söhne Dianas, der Prinzen William und Harry. Ärger löste der Butler allerdings nicht nur in der königlichen Familie aus. Auch dem Multimillionär Mohammed Al Fayed, dessen Sohn Dodi 1997 an der Seite Dianas in einem Pariser Autotunnel den Tod fand und der angeblich ihr Geliebter war, dürfte das Buch nicht gefallen.

Umgebracht von Prinz Philip?

Denn Burrell wendet sich darin vehement gegen die Kernthese der Verschwörungstheorie Al Fayeds. Seit Jahren behauptet der Besitzer des Londoner Edelkaufhauses Harrods, Diana und Dodi seien auf Geheiß des Vaters von Prinz Charles, des Königingemahls Prinz Philip, umgebracht worden. Der Grund laut Al Fayed: Diana sei von Dodi, einem Muslim, schwanger gewesen und habe ihn heiraten wollen.

Völliger Unsinn, sagt Burrell: "Für die Prinzessin war Dodi nichts weiter als ein kurzes, intensives Abenteuer. Er verbrachte nicht mehr als zehn Minuten im Kensington Palast und die Chefin nur insgesamt 26 Tage in seiner Gesellschaft." Vor allem aber: Diana sei bis zuletzt in einen ganz anderen Mann als Dodi verliebt gewesen.

Verliebt in einen Herzchirurgen

Diesen anderen Mann, den Diana lange Zeit geheim hielt, musste Burrell immer wieder in den Palast schmuggeln, unter einer Decke auf dem Rücksitz seines Autos: Doktor Hasnat Khan, ein aus Pakistan stammender Herzchirurg am Royal Brompton Hospital im vornehmen Londoner Viertel Chelsea.

"Der Eine" sei Khan im engsten Freundeskreis Dianas genannt worden. Die Beziehung zwischen der Prinzessin und dem Arzt habe mehr als zwei Jahre vor ihrem Tod begonnen. Mit ihm war die "Chefin" angeblich "so glücklich, dass sie förmlich schwebte". Unbedingt habe Diana den Chirurgen heiraten wollen, berichtet Burrell.

"Schlacht um Dianas Andenken"

Als der Herzspezialist zurückschreckte, weil er fürchtete, durch eine Hochzeit mit der Prinzessin ins mediale Rampenlicht gezerrt zu werden und seinen Beruf nicht mehr ausüben zu können, soll es zum Zerwürfnis gekommen sein. Die Liebelei mit Dodi fing Diana laut Burrell nur aus einem Grund an: Sie habe den Arzt eifersüchtig machen wollen, so dass er doch noch in eine Heirat einwilligt.

All das, so schwört Burrell, bringe er nur an Öffentlichkeit, damit der "Dodi-Mythos" nicht ewig bestehen bleibe. Und in seinem nahezu rührenden Drang nach Wahrheit zitiert Burrell den königlichen Biografen Andrew Morton: "In der Schlacht um Dianas Andenken ist, wie in allen Kriegen, die Wahrheit das erste Opfer."

Thomas Burmeister/DPA / DPA