Prozess gegen Marius Borg Høiby
Verteidiger fordern Freispruch

Marius Borg Høiby droht eine mehrjährige Haftstrafe.
Marius Borg Høiby droht eine mehrjährige Haftstrafe.
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Am letzten Prozesstag in Oslo haben die Verteidiger von Marius Borg Høiby in allen vier Vergewaltigungsfällen Freispruch gefordert.

Am letzten Prozesstag im Verfahren gegen Marius Borg Høiby (29) hat die Verteidigung des ältesten Sohns von Kronprinzessin Mette-Marit (52) für einen Freispruch von den Vergewaltigungsvorwürfen plädiert. Der Prozess, der vor dem Amtsgericht Oslo verhandelt wird, umfasst 40 Anklagepunkte - darunter schwerwiegende Vorwürfe wie mehrfache Vergewaltigung.

Verteidigung zweifelt an Glaubwürdigkeit der Opfer

In seinem Schlussplädoyer zweifelte Anwalt Petar Sekulic an, dass die mutmaßlichen Opfer während der Høiby vorgeworfenen Übergriffe tatsächlich geschlafen haben, berichtet das Portal "aftenposten.no". Sekulic betonte, dies sei in keinem der vier Vergewaltigungsfälle zweifelsfrei bewiesen. Selbst die Videoaufnahmen, die Høiby gemacht habe, belegten nach Auffassung der Verteidigung nicht den Tatbestand der Vergewaltigung. Auch der Alkohol- und Drogenkonsum in den jeweiligen Nächten wurde thematisiert - Sekulic hielt es für möglich, dass die Erinnerungen der Frauen dadurch beeinflusst worden seien.

In 15 der 40 Anklagepunkte hatte sich Høiby derweil ganz oder teilweise schuldig bekannt. Sekulic räumte ein, dass sein Mandant "mehrere Straftaten" gegenüber einer der mutmaßlich geschädigten Frauen begangen habe. Beim Vorwurf der Misshandlung in engen Beziehungen, der auch Høibys Ex-Freundin betrifft, die Influencerin Nora Haukland (28), plädierte die Verteidigung ebenfalls auf Freispruch. Die rund 800 Seiten Textnachrichten zwischen Høiby und Haukland, die vor Gericht verlesen wurden, interpretierten die Anwälte als Beleg für eine "gleichberechtigte Beziehung" - nicht für ein "Regime der Angst", wie es die Staatsanwaltschaft formuliert hatte.

Strafmaß: Verteidigung hält zwei bis sechs Jahre für angemessen

Den zweiten Teil des Plädoyers übernahm Verteidigerin Ellen Holager Andenæs, die sich der Strafzumessung widmete. Für die bereits gestandenen Straftaten - darunter der Transport von 3,5 Kilogramm Marihuana für seinen Dealer sowie weitere Vergehen - hält die Verteidigung eine Freiheitsstrafe von etwa anderthalb bis zwei Jahren für angemessen. Sollte Høiby zusätzlich wegen häuslicher Gewalt gegenüber Nora Haukland verurteilt werden, wären zwei Jahre gerechtfertigt. Käme es wider Erwarten auch zu Schuldsprüchen in den Vergewaltigungsfällen, nannte Andenæs eine Spanne von fünf bis sechs Jahren als vertretbares Strafmaß. Außerdem regte die Verteidigung an, die intensive Medienberichterstattung als strafmildernden Faktor zu berücksichtigen.

Staatsanwaltschaft hatte am Vortag knapp acht Jahre gefordert

Einen Tag zuvor hatte Staatsanwalt Sturla Henriksbø seine Forderung vorgelegt: In 39 von 40 Anklagepunkten solle Marius schuldig gesprochen werden. Die Staatsanwaltschaft hält eine Haftstrafe von sieben Jahren und sieben Monaten für angemessen. Das endgültige Urteil wird noch einige Zeit auf sich warten lassen. Experten rechnen frühestens im Sommer mit einer Entscheidung des Gerichts.

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