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Reaktionen zum Lierhaus-Auftritt: Sag "Ja" vor laufender Kamera

Monica Lierhaus' Auftritt bei der "Goldenen Kamera" hat die Zuschauer tief ergriffen. Doch ihr Heiratsantrag sorgte auch für Kritik. War das zu viel Gefühlsduselei?

Von Lutz Kinkel und Jens Maier

Simone Thomalla schlug mit ernster Miene die Hände vors Gesicht, Barbara Schönebergers starrte auf die Bühne. Schauspieler Herbert Knaup rang um Fassung, Kollege Armin Rohde saß wie versteinert auf seinem Sessel und kämpfte mit den Tränen.

Gemeinsam mit Millionen Fernsehzuschauern sahen sie den Auftritt von Monica Lierhaus bei der "Goldenen Kamera", den ersten nach ihrer verunglückten Gehirnoperation vor zwei Jahren. "Da bin ich", sagte Lierhaus - eine Frau, der das Gehen und Sprechen schwer fällt, die aber den unbändigen Willen hat, ihr Leben zurückzuerobern. Dann die Überraschung. "Ich habe noch eine Sache auf dem Herzen", sagte Lierhaus und blickte auf Rolf Hellgardt, ihren Lebensgefährten. "Ich würde vor dir auf die Knie gehen, wenn ich könnte. Aber das geht im Moment nicht so. Ich möchte dich fragen, ob du mich heiraten möchtest." "Ja, ja, ja", antwortete Hellgardt - und fiel vor ihr auf die Knie. Emotionaler Höhepunkt eines gelungen Abend oder Kitsch und Gefühlsduselei?

Wie fanden Sie den Auftritt von Monica Lierhaus?

Große Bewunderung für Monica Lierhaus

Die große Mehrheit der Prominenten im Publikum war von Lierhaus' Auftritt tief beeindruckt. "Fantastisch, schön, dass sie wieder da ist", sagte "Tagesthemen"-Moderator Tom Buhrow. Box-Star Henry Maske wünschte Lierhaus, "wie die meisten anderen auch", alles Gute. "Es ist für sie ein Schritt zurück in die Normalität", sagte Moderator Kai Pflaume. Birgit Schrowange sagte: "Ich hoffe sehr, dass sie wieder zurückkommt", und Mariella Ahrens fand ihren Schritt "sehr mutig." Auch die stern.de-Leser äußerten großen Respekt vor der Moderatorin. Janine M. schrieb, stellvertretend für viele andere: "Sehr bewegender Auftritt. Toll, dass es so viele starke Menschen (Michael J. Fox & Monica Lierhaus) gibt. Es können sich viele eine Scheibe davon abschneiden."

Allein die Frage, ob ein Heiratsantrag in aller Öffentlichkeit zelebriert werden sollte, fand ein geteiltes Echo. Hape Kerkeling, der die Preisverleihung der Programmzeitschrift "Hörzu" präsentierte, räumte nachher ein, völlig überrumpelt gewesen zu sein. "Es war mir schon klar, dass das ein sehr emotionaler Auftritt werden würde", sagte Kerkeling, "aber als sie dann ihrem Lebensgefährten, dem Rolf, einen Heiratsantrag gemacht hat, da musste ich mich wegdrehen und hab' gedacht: Wie um Himmels Willen soll ich die Sendung weiter moderieren? Weil mich das emotional so gepackt hat, ihr Zurückkommen und ihr Sich-Zeigen und dann eben noch dieser Heiratsantrag - das war ein starker emotionaler Moment."

Öffentlich zelebrierter Heiratsantrag erntet Kritik

Kritisch äußerte sich Regisseur Dieter Wedel: "Ich hätte auf das Eheversprechen am Ende verzichten können. Ich meine, wir müssen aufpassen, dass nun nicht alles zur Show, zur Soap-Opera verkommt." Ähnlich argumentierte Literaturkritiker Hellmuth Karasek: "Ich denke, für mich war der Antrag zu viel in der Öffentlichkeit", sagte er "Bild.de".

Die stern.de-Leser sind unterschiedlicher Meinung. "Aus meiner Sicht war der Antrag deswegen keine gute Idee, weil jetzt alle über den Antrag sprechen und dabei oft vergessen wird, dass ihr Auftritt und ihre harte Arbeit wieder auf die Beine zu kommen die eigentliche Leistung darstellen. Ich wünsche ihr auf jeden Fall, dass das Fernsehbusiness nicht so hart und herzlos ist, wie ich es mir vorstelle und sie auch als Mensch mit Handicap eine echte Chance bekommen wird", schreibt Heike K. Petra L. meint: "[Das] gehört nicht in die Öffentlichkeit. Der arme Kerl hat ja gar keine andere Möglichkeit, als Ja zu sagen. Ist ja schon fast wie Pistole auf die Brust setzen. Nee, nee. Find' ich nicht gut. Ich mag Frau Lierhaus, aber das war nix." Jana E. schreibt: "Emotion pur, wenige Menschen sind heutzutage noch fähig, so zu ihren Gefühlen zu stehen ... davor habe ich Respekt!"

Sehr oft wurde auf der stern.de-Facebook-Seite die Ansicht geäußert, dass sich die beiden in den vergangenen zwei Jahren sicher schon darüber gesprochen haben, wie sie zusammenleben möchten. Also war es doch keine Überraschung, sondern eine reine Inszenierung? Bevor Lierhaus ihrem Lebensgefährten den Antrag machte, fragte sie nach. "Kannst Du Dir nicht denken, was jetzt kommt?" Er sagte: "Nein".