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TV-Dokumentation: Alice Schwarzer enthüllt: Romy Schneider glaubte, dass ihre Mutter mit Hitler geschlafen hat

Eine zerrissene und aufgewühlte Romy Schneider: Sechs Jahre vor ihrem Tod gab die Schauspielerin ein Interview für "Emma". In einer Arte-Dokumentation macht Alice Schwarzer die Tonbandaufnahmen erstmals öffentlich zugänglich - mit erstaunlichen Einblicken.

Romy Schneider und Alice Schwarzer

Romy Schneider und Alice Schwarzer bei ihrem Interview in einer kleinen Dachkammer in Köln

Es ist der 12. Dezember 1976: Während über dem Kölner Dom die ersten Schneeflocken fallen, gibt in einem kleinen Redaktionsbüro der Feministin Alice Schwarzer ein ausführliches Interview. Die beiden Frauen verstehen sich auf Anhieb. Bis weit nach Mitternacht sitzen Schneider und Schwarzer zusammen. Die Schauspielerin, die in Deutschland immer noch mit ihrer Rolle als "Sissi" identifiziert wird, offenbart sich der Journalistin schonungslos.

Schwarzer schnitt große Teile des Gesprächs damals auf Tonbändern mit. Für Patrick Jeudys TV-Dokumentation "Ein Abend mit Romy", die am 16. September auf "Arte" erstmals ausgestrahlt wird, macht die Journalistin diese Aufnahmen erstmals öffentlich zugänglich und kommentiert das Gespräch. "Wir waren die meistgehassten Frauen ", sagt Schwarzer. "Sie hatte großes Vertrauen."

Romy Schneider ist von Selbstzweifeln geplagt

Romy Schneider ist zerrissen zwischen ihrer Doppelrolle als Frau und Filmikone, zwischen Deutschland und . Sie bringt unter anderem ihre Wut und Verzweiflung darüber zum Ausdruck, dass sie als "Sissi"-Darstellerin zu einem "deutschen Nationalgut" und zu einer weiblichen Projektionsfläche gemacht wurde, die nichts mehr mit ihrem wahren Selbst zu tun hatte. Ihre Distanz zu Deutschland zeigt Schneider, die zu dieser Zeit seit vielen Jahren in Paris lebt, indem sie das Interview in großen Teilen auf Französisch führt. 

Die damals 36-Jährige hat einen kleinen Sohn aus der Ehe mit dem deutschen Regisseur und Schauspieler Harry Meyen, ist frisch mit einem neun Jahre jüngeren Mann liiert und träumt von einem zweiten Kind. Sie schmiedet Pläne für ihre nächsten Filme und möchte gerne eine eigene Produktionsfirma gründen. Doch eine glückliche Romy Schneider erlebt an diesem Abend nicht. 

Schneider spricht über ihre Mutter und deren Beziehung zu Hitler

Die dokumentieren einen weinenden und wütenden Star. Eine Frau, die von Selbstzweifeln geplagt und von den Traumata ihrer Jugend geprägt ist. 

  • Schneider hatte ein sehr kompliziertes Verhältnis zu ihrer Mutter Magda. Vor allem deren Nähe zu Nazi-Größen, mit denen sich Magda Schneider noch bis in die 80er Jahre rühmte, belastet sie. Als es um deren Beziehung zu Adolf Hitler geht, befiehlt Romy Schneider Schwarzer, das Tonband zu stoppen. Dann soll sie der "Emma"-Gründerin gesagt haben: "Meine Mutter hatte ein Verhältnis mit Hitler." Das berichtet Schwarzer in der TV-Doku. Romy Schneider sei fest davon überzeugt gewesen, dass Magda Schneider mit Hitler geschlafen habe. "Ich halte das eher für unwahrscheinlich", relativiert Schwarzer. Fest stehe aber, dass Magda Schneider eine Beziehung zu Hitler gehabt habe – in welcher Form auch immer.
  • Schneider litt nach ihrem Umzug nach Frankreich unter dem Erfolg von Alain Delon. Er habe die tollen Rollen bekommen, sie hingegen sei nahezu arbeitslos gewesen. "Ich war sehr neidisch“, verrät sie.
  • Schneider litt unter dem zweiten Mann ihrer Mutter. Die Schauspielerin befiehlt Alice Schwarzer erneut, das Band zu stoppen. Dann offenbart sie, dass Herbert Blatzheim ihr mehrfach nachgestellt habe und versucht habe, sie zu vergewaltigen.

"Sie wollte ihre Wahrheit rausschreien", sagt Schwarzer über den Abend mit Romy Schneider. "Ihr innigster Wunsch war es, verstanden zu werden." 40 Jahre nach dem Gespräch entschloss sich Schwarzer deswegen, die Tonbänder nun zu veröffentlichen. "Um ihre ­Verzweiflung verstehen zu können, ­ihre Verletztheit, ihre Hyper­sensibilität."

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