Roy Horn "Gott, lass es einen Albtraum sein"


Nach der lebensgefährlichen Tigerattacke im Herbst letzten Jahres stand Magier Roy Horn jetzt wieder vor der Kamera. In einem Interview mit "Arnie"-Gattin Maria Shriver verzeiht er seinem Tiger.

Der deutsche Magier und Dompteur Roy Horn sitzt im Rollstuhl. Seine linke Seite ist gelähmt, sein rechtes Auge ist halb geschlossen. Aber seinen Witz hat er nicht verloren: "Das Ganze kam äußerst ungelegen, es war nicht Teil des Plans", sagt der 59-Jährige leicht süffisant über die Attacke seines weißen Tigers Montecore, die ihn fast das Leben gekostet hätte. Horns Stimme ist schleppend, teilweise schwer verständlich. Interviewpartnerin Maria Shriver, Frau des kalifornischen Gouverneurs Arnold Schwarzenegger, muss seine Sätze wiederholen, damit sie die Zuschauer verstehen. "Siegfried & Roy: The Miracle" - das erste öffentliche Interview seit dem dramatischen Ereignis auf offener Bühne des Mirage-Hotels in Las Vegas am 3. Oktober vergangenen Jahres wurde in der Nacht zum Donnerstag auf NBC ausgestrahlt.

Er gab keine Lebenszeichen mehr von sich

Mit dem Partner Siegfried Fischbacher an seiner Seite erinnert sich Horn an die dramatischen Momente. Auf die Frage, was er denn gedacht habe, als ihn der 8 Jahre alte Tiger in den Hals biss und hinter die Bühne schleppte, sagte Horn: "Gott, lass das nur ein Albtraum sein". Nachdem Montecore nach Horns Arm geschnappt hatte, war Horn gefallen, woraufhin der Tiger ihn am Hals packte und hinter die Bühne zerrte. Eine Halsschlagader war verletzt, er verlor viel Blut. Nur wenige Minuten, nachdem er in das Krankenhaus in Las Vegas eingeliefert worden war, gab er keine Lebenszeichen mehr von sich. "Es war das Schlimmste, was ich je in meinem Leben erlebt habe", schildert Fischbacher.

Nach Angaben eines der Ärzte war es ein Wunder, dass Horn trotz seiner schweren Verletzungen überlebt hat. Bei der Sendung kamen auch Augenzeugen und Bühnenarbeiter sowie Chirurgen zu Wort, die lebensrettende Maßnahmen an Horn vornahmen. Nach einem Schlaganfall und mehreren schweren Operationen ist Horn jetzt in einer Rehabilitationsklinik. Dort lernt er mühsam wieder laufen und muss täglich sechs Stunden Therapie über sich ergehen lassen. "Rehab-Bootcamp" und "Folterkammer" nennt Roy scherzhaft die Klinik. "Jeder Zentimeter meines Körpers schmerzt. Manchmal weine ich mich nachts in den Schlaf", bekennt er. Fast rührend ist es zu sehen, wie sich Fischbacher auch über die kleinsten Fortschritte freut. Für ihn ist es keine Frage, dass er nicht von seiner Seite weichen wird: "Wenn er seinen linken Arm nie wieder bewegen kann, dann werde ich sein linker Arm sein", sagt er schlicht.

"Ich vermisse das Publikum"

Dass die Tore der "Siegfried & Roy"-Show in Las Vegas vermutlich für immer geschlossen bleiben sollen, stimmt beide wehmütig. "Ich vermisse das Publikum. Es gibt mir Kraft", sagt Roy. Er habe noch so viele Pläne gehabt. Mit einer Kombination aus Zauberei und exotischen Tieren hatte das Duo jahrzehntelang sein Publikum in Atem gehalten. Die Show war eine der erfolgreichsten Spektakel in der Geschichte von Las Vegas. Im Mirage-Hotel und Casino war das Duo seit 1990 über 5700 Mal aufgetreten, oft zwei Mal täglich.

Böse sei Horn seinem Tiger jedoch nicht: "Er ist mein Baby. Er hat mein Leben gerettet", sagt Horn, der die Großkatze als Junges groß gezogen hat. Erneut bestätigte er, dass er wegen seines hohen Blutdrucks die Balance verloren habe und der Tiger nur seinem Beschützerinstinkt gefolgt war. Fernsehbilder zeigen Horn, wie er den Tiger bis heute täglich besucht und füttert - allerdings durch eine Plexiglasscheibe.

Carla S. Reissman/DPA DPA

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