Ein Gerichtssaal in London wird zum Schauplatz einer schmerzhaften Abrechnung. Sadie Frost (60), einst gefeierte Schauspielerin und Mode-Ikone der britischen Cool-Britannia-Ära, kämpft gegen einen der mächtigsten Medienkonzerne des Landes - und legt dabei offen, wie tief die Wunden reichen, die der britische Boulevard-Journalismus in ihrem Leben hinterlassen hat.
Die Ex-Frau von Hollywood-Star Jude Law (53) gehört zu einer Gruppe von sieben prominenten Klägern, die Associated Newspapers Limited (ANL), den Herausgeber der "Daily Mail", wegen illegaler Informationsbeschaffung verklagen. Mit dabei: Prinz Harry (41), Sir Elton John (78), Baroness Doreen Lawrence und Liz Hurley (59). Der Vorwurf wiegt schwer - systematisches Abhören von Telefonen und Voicemails, wie unter anderem "The Telegraph" berichtet.
Kopfgeld auf Sadie Frost?
"Es gab offensichtlich ein Kopfgeld. Die 'Daily Mail' hatte gesagt, sie seien an Sadie Frost interessiert", sagte Frost am Montag vor Gericht, wie die Nachrichtenagentur "PA Media" berichtet. Ihre Stimme brach mehrfach, als sie von den Auswirkungen auf ihr Leben erzählte. Elf Artikel stehen im Zentrum ihrer Klage, viele davon drehten sich um die schmerzhafte Scheidung von Jude Law.
Die Schauspielerin ist sich sicher: Ihre Mailbox wurde gehackt. Die veröffentlichten Geschichten seien "Wort für Wort" aus ihren privaten Nachrichten entnommen worden, erklärte sie den Richtern. Besonders erschütternd: Erst 2019 erfuhr Frost, dass auch ihr Festnetzanschluss abgehört worden sein soll - jene Leitung, die ihr in schweren Zeiten als "Lebensader" diente.
Vertrauen komplett zerstört
Was folgte, war ein schleichender Vertrauensverlust, der ihr gesamtes Umfeld erfasste. "Die Geschichten, die sie schrieben, verletzten mich, meine Freunde und Familie sowie meine Kinder, die noch so klein waren", so Frost in ihrer Zeugenaussage. Der schlimmste Effekt: "Sie brachten mich dazu zu glauben, dass ich niemandem vertrauen kann." Eine Aussage, die auch das Verhältnis zu ihrem damaligen Ehemann Jude Law betraf - laut "Telegraph" war der Schauspieler überzeugt, Frost selbst habe Geschichten an die Presse durchgestochen.
Auch eine besonders private Episode steht im Raum: 2003 entdeckte Frost, dass sie schwanger war - ungeplant. Sie entschied sich für einen Abbruch und teilte dies nur ihrem damaligen Partner Jackson Scott mit, dem Vater des ungeborenen Kindes, sowie einer engen Freundin. Dennoch erfuhr Katie Nicholl, damalige Showbiz-Chefin der "Mail on Sunday", von den intimen Details. Frosts Anwalt David Sherborne ist überzeugt: Diese Information könne nur durch illegale Methoden beschafft worden sein. Notizen der Journalistin verweisen demnach auf einen Privatdetektiv der Firma Express Locate International, der über 400 Pfund kassiert haben soll.
ANL weist alle Vorwürfe zurück
Der Medienkonzern bestreitet sämtliche Anschuldigungen vehement. ANL-Anwalt Antony White KC argumentiert, Frosts Umfeld sei in der Zeit ihrer Eheprobleme mit Jude Law "notorisch undicht" gewesen. Familienmitglieder hätten "regelmäßig und ohne Skrupel" Informationen über das Privatleben des Paares an die Medien weitergegeben. Dass Verwandte mit der Presse sprachen, habe womöglich auch Freunde ermutigt, dasselbe zu tun.
Die Klage sei zudem verjährt, so White weiter. Frost hätte bereits vor 2016 wissen können, dass sie einen berechtigten Anspruch habe. Die Artikel seien "vollständig legitim recherchiert" worden, die Vorwürfe "ohne jede Grundlage".
Das Verfahren vor Richter Mr Justice Nicklin soll im März enden. Ein schriftliches Urteil wird zu einem späteren Zeitpunkt erwartet. Für Sadie Frost geht es um mehr als Entschädigung: "Ich bin so wütend, dass Associated mir das angetan hat", erklärte sie. Der Konzern müsse "zur Rechenschaft gezogen werden".