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Sao Paulo: Schwule und Lesben brechen alle Rekorde

Die Loveparade ist ein Dorffest dagegen: In Sao Paulo haben mehr als zwei Millionen Menschen an der Schwulen- und Lesbenparade "Gay Pride" teilgenommen. Das Ereignis schafft es damit sogar ins Guinness-Buch.

Brasilien hat die größte "Gay-Pride-Parade" der Welt gefeiert. Nach Angaben von Organisatoren und Medien nahmen am Sonntag mehr als zwei Millionen Menschen an einem Marsch und an Straßenfesten in der Wirtschaftsmetropole Sao Paulo teil. Bis spät in den Abend hinein hätten unter anderen auch rund 700.000 Touristen aus dem In- und Ausland fröhlich gefeiert, hieß es. Die Polizei schätzte die Zahl der Teilnehmer auf rund 1,8 Millionen. Trotz der Massen habe es, bis auf Verkehrschaos in der gesamten Stadt, keine nennenswerten Zwischenfälle gegeben, erklärte ein Polizeisprecher.

Ein Team des "Guinness Book of Records" nahm laut Medien an der Veranstaltung teil, um die Zahl der Teilnehmer zu schätzen und das Fest eventuell im weltberühmten Buch der Rekorde aufzunehmen. Ein Urteil der Guinness-Experten lag bis Montag zunächst aber nicht vor.

"Eine Stadt, die nicht diskriminiert"

An der 9. Ausgabe der "Gay-Pride-Parade" in Sao Paulo nahmen auch wichtige brasilianische Persönlichkeiten aus Politik, Sport und Unterhaltung teil, wie etwa Sao Paulos Bürgermeister José Serra. "Sao Paulo ist eine Stadt mit offenen Armen und offenem Geist, eine Stadt, die nicht diskriminiert", sagte er. Die Hausfrau Priscilla Sicari (26) war mit Ehemann und mit ihrem sechsjährigen Sohn da. "Es ist wichtig, dass die Kinder so etwas von früh auf sehen, damit sie später keine Vorurteile haben", sagte sie.

Ungeachtet der relativ kühlen Temperaturen tanzten viele Besucher ausgelassen in knappen Badeanzügen. Die noble Hauptgeschäftsstraße Sao Paulos, die Avenida Paulista, sei bis zum späten Abend "in einem Farbenmeer mit Menschen überfüllt gewesen", beschrieb die Onlineausgabe der Zeitung "O Globo". Neben vieler Regenbogenfahnen und unzähligen Luftballons sei die große Zahl verkleideter Menschen aufgefallen. Es habe auch Allegoriewagen und viel Technomusik und Samba gegeben.

Kampf um Zivilehe in Brasilien

Die Schwulen- und Lesben Parade wurde von der "Vereinigung des Stolzes GLBT" mit finanzieller Hilfe des Gesundheitsministeriums und der Stadt Sao Paulo organisiert. Sie fand unter dem Motto "Zivilehe für Homosexuelle sofort! Nicht mehr und nicht weniger!". Die Homosexuellen, Lesben und Sympathisanten wollen den Kongress in Brasilia unter Druck setzen, damit dieser endlich den Gesetzentwurf über die Anerkennung der Zivilehe gleichgeschlechtlicher Paare billigt. Der Entwurf wird im Parlament seit über zehn Jahren diskutiert.

Im Rahmen des "Gay-Pride-Monats" sollen im Juni in Sao Paulo weitere Feste, Seminare, Ausstellungen, Filmvorführungen und Debatten über die Bühne gehen. Außerdem wird es nach Angaben der Organisatoren auch Aufklärungsaktionen über sexuell übertragene Krankheiten geben. Die Teilnehmerzahl der Gay-Pride-Parade Sao Paulos war von knapp 2000 im Jahr 1997 auf 1,5 Millionen im vergangenen Jahr gestiegen.

DPA / DPA
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