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SCHLAGERFESTIVAL: »Fiesta Kiezicana« - Schlagermove in Hamburg

Der Hamburger Kiez glich einem riesigen Schlagerdorf: Rund 300.000 Fans feierten den 5. Schlagermove und zogen durch die Straßen St. Paulis – zusammen mit bekannten Schlager-Größen.

Der Hamburger Kiez glich einem riesigen Schlagerdorf: Rund 300.000 Fans feierten den 5. Schlagermove und zogen etwa drei Stunden lang durch die Straßen des Amüsierviertels St. Pauli. Das schlechte Wetter schien zwar viele Hamburger und Besucher abgeschreckt zu haben, schließlich hatten die Veranstalter des größten Schlagerevents in Deutschland mindestens eine halben Million Teilnehmer erwartet. Die meisten Schlagerfans und Partygänger aber packten ihre Kostüme nicht wieder in den Schrank, sondern sorgten in Schlaghosen und Plateauschuhen, knallbunten Polyesterhemden und mit schrillen Perücken für Farbtupfer im verregneten Hamburg.

Vom Himmel fielen mal Regen, mal Leckereien

Als sich die 29 bunt geschmückten Trucks am Nachmittag in Bewegung setzten, konnten sie sich nur langsam einen Weg durch die jubelnde Menge bahnen. Auf der Bühne am Startpunkt begrüßte Ex-?Mister Hitparade? Dieter Thomas Heck die Lastwagen, auf denen buntes Partyvolk und Schlagerstars wie Jürgen Drews ausgelassen tanzten und mit Musik der wartenden Menge einheizte. Hits wie ?Griechischer Wein?, ?Anita? oder ?Moskau? dröhnten aus den Truck-Lautsprechern, die mitunter aber von den textsicheren Zuschauern überstimmt wurden. Sonnenbrillen, Bonbons oder Luftballons flogen in das mit unzähligen Sonnenblumen geschmückte Publikum am Straßenrand, das zu keiner Zeit die Mitnahme eines Regenschirms bereuen mussten: Wenn der Regen aufhörte, wurde er einfach umgedreht, um Präsente aufzufangen.

Frustrierte Pauli-Fans gingen im Schlagertrubel unter

In der bunten Mischung der Schlagergemeinde tauchten diesmal auch einige verdutzte Fußball-Fans mit Schalke-04-Schal auf. Zeitgleich zur Party am Heiligengeistfeld waren die Schalker auf den FC St. Pauli im wenige Meter entfernten Stadion getroffen. Zwar mussten die Kiez-Fußballer eine Niederlage (0:2) einstecken, beim Schlagermove herrschte aber getreu dem Veranstaltungs-Motto »Ein Festival der Liebe« dennoch eine friedlich-fröhliche Stimmung. Größere Zwischenfälle gab es laut Polizei nicht. Die Einsatzkräfte schätzten die Teilnehmerzahl 250.000, während die Veranstalter von 350.000 sprachen. Arbeit wartete allerdings auf die Stadtreinigung: Schon kurz nach Beginn des Umzugs häuften sich die Müllberge rund um das Partyareal.

Umzug ja – teure Party nein

Auf der 90.000 Quadratmeter großen Veranstaltungsfläche auf dem Heiligengeistfeld erlebte in diesem Jahr das Schlagerfestival seine Premiere. Auf mehreren Bühnen und in Zelten sorgten dort den Tag über Schlagerstars für Partystimmung. Die Veranstalter hatten mit Schlager-Ikonen wie Michael Holm, Chris Roberts, Costa Cordalis, Jürgen Drews, Bata Ilic sowie Guildo Horn und seinen Orthopädischen Strümpfen gelockt. Doch die meiste Zeit über tummelten sich nur wenige Besucher auf der Party, für die sie 25 Mark Eintritt zahlen mussten.

»Das war wirklich ein Festival der Liebe«

»Das liegt sicherlich auch am Wetter, viele sind einfach kaputt und nach Hause gegangen«, sagte Thomas Voigt, Geschäftsführer der Hossa Hossa Veranstaltungs Gmbh. Insgesamt war er mit der Resonanz auf den zwei Millionen Mark teuren Schlagermove sehr zufrieden. Auch Dieter Thomas Heck zeigte sich begeistert: »Mir hat das unglaublich viel Spaß gebracht. Was hier los war - und das bei dem Wetter.« Der 63-jährige war für Hauptsponsor Jägermeister im Einsatz, der die Premiere seiner ?Jägerstation? feierte, die eine Bühne, eine Ausblickplattform und einen dreistöckigen Hochsitz vereinte und deren Gastgeber der Münchner Modemacher Rudolph Moshammer war. »In Hamburg geht man auch bei Regen auf die Straße, weil es eben dazu gehört«, meinte Heck. »Das war wirklich ein Festival der Liebe.«

Dorit Koch