HOME

Kritik am "Festival der Liebe": Verschwindet der Schlagermove vom Kiez?

Hunderttausende werden auch in diesem Jahr wieder rund um die Hamburger Reeperbahn auf dem Schlagermove feiern. Womöglich zum letzten Mal auf dem Kiez.

Schlagermove in Hamburg-St. Pauli

Auch 2019 soll der Hamburger Schlagermove wieder durch St. Pauli ziehen – und danach?

DPA

Kult-Karawane oder Katastrophe für den Kiez? Am Hamburger Schlagermove scheiden sich die Geister. Während die einen sich für das selbsternannte "Festival der Liebe" keinen besseren Ort als die Feiermeile Deutschlands vorstellen können, beklagen Anwohner auf St. Pauli immer wieder Lärm, wildes Urinieren und Dreck rund um die Reeperbahn und die Landungsbrücken.

Das Problem ist längst in der Politik angekommen, immer wieder versprechen Landes- und Bezirkspolitiker den Veranstaltungskalender gerade rund um den Kiez entrümpeln zu wollen. Nicht jede Großveranstaltung müsse den dortigen Anwohnern zugemutet werden, findet auch Falko Droßmann, SPD-Bezirksamtschef in Mitte. "Es gibt sehr viele Hamburger, die diese Großveranstaltungen wollen. Aber es gibt auch viele Menschen, die in der Innenstadt leben", sagte Droßmann dem "Hamburger Abendblatt". Prompt stand Holger Gnekow parat, der Vorsitzende vom Standortmarketingverein "City Wandsbek".

Hunderttausende Schlagerfans in Hamburg

"Wir würden gern den Schlagermove, die Harley Days oder Sportveranstaltungen wie den Marathon übernehmen", sagte er dem Blatt. Ein Gewinn für alle? Nicht ganz, denn die Euphorie teilt Wandsbeks Bezirksamtsleiter Thomas Ritzenhoff nicht. "Wir müssen alles tun, was Wandsbek attraktiv macht", aber man müsse aufpassen, "damit wir nicht am Ende des Tages in die Diskussion kommen, wir würden nur noch Events veranstalten und die Menschen dabei vergessen", sagte er laut NDR.

Und auch die Interessengemeinschaft St. Pauli, ein Zusammenschluss unter anderem von Gewerbetreibenden auf dem Kiez, hat sich zu Wort gemeldet und will den Schlagermove im Stadtteil halten. "Die gesamte Veranstaltung bringt zwischen 350.000 und 500.000 Gäste nach St. Pauli und damit nach Hamburg. Über den Schlagermove auf St. Pauli wird bundesweit in den Medien positiv berichtet und ist somit für St. Pauli eines der wichtigsten PR-Ereignisse des Jahres", appelliert der Verein an die Bezirkspolitik für eine Beibehaltung der bisherigen Route der Schlagerkarawane.

Bleibt der Schlagermove auf St. Pauli?

Kommentar von Bezirksamtschef Droßmann in der "Morgenpost": "Das ist schon schräg." Und: "Die Interessensgemeinschaft St. Pauli vertritt nicht die Gesamtmeinung aller St. Paulianer." Zumindest die in der Initiative "St. Pauli selber machen" organisierten Bewohner des Stadtteils haben schon mehrfach deutlich gemacht, was sie vom Schlagermove halten: Er sei "unsäglich" und zähle zu den "idiotischen Veranstaltungen" im Viertel. "Es ist schlichtweg falsch, dass der Kiez immer schon eine hochfrequentierte Party- und Saufmeile war."

Wie es weitergeht? Unklar. Denn letztendlich liegt es am Veranstalter des Schlagermoves, für welche Route er seine Veranstaltung anmeldet. Das letzte Wort haben dann die Behörden. Zumindest in diesem Jahr soll das "Festival der Liebe" wieder auf dem Kiez stattfinden – mit allen Begleiterscheinungen.

Schlagerwelle: So wird auf dem Festival geflirtet

Quellen: "Hamburger Abendblatt", Interessengemeinschaft St. Pauli, NDR, "Hamburger Morgenpost", Initiative "St. Pauli selber machen"Hossa-Hossa Veranstaltungs-GmbH

Das könnte sie auch interessieren