Die Tage und vor allem die Nächte in Deutschland sind gerade bitterkalt. Wohl dem, der eine Wohnung mit Heizung hat. Aber das gilt nicht für jeden: Laut der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe e.V. leben aktuell in Deutschland etwa 56.000 Menschen auf der Straße. Allein in Hamburg sind 2026 bereits 15 Obdachlose gestorben, drei von ihnen draußen im Freien. Ob diese Todesfälle auf Unterkühlung zurückzuführen sind, muss gerichtsmedizinisch noch geklärt werden. Hilfe gegen die lebensfeindlichen Bedingungen bieten beispielsweise die Kältebusse der Diakonie, die Obdachlose mit warmen Getränken und Kleidung versorgen.
Obdachlosigkeit: Was sind Anzeichen für den drohenden Kältetod?
Es gibt Anzeichen für einen drohenden Kältetod. Rechtzeitiges Erkennen kann Leben retten. Besonders wichtig ist es, nicht wegzusehen und in dringenden Fällen den Notruf zu wählen.
Wenn die Person stark zittert, kündigt das das Absinken der Körperkerntemperatur an. Das Zittern ist eine natürliche Reaktion des Körpers, um Wärme zu erzeugen und die Kerntemperatur zu stabilisieren. Wenn das Zittern aufhört und die Person bewusstlos ist, sollte sofort der Notarzt gerufen werden. In diesem Stadium leitet das Gehirn und die Nervenenden keine Signale mehr weiter, der Körper wird taub und das Schmerzgefühl lässt ebenfalls nach. Durch psychische Belastungen oder eingenommene Substanzen kann auch die eigene Kältewahrnehmung des Körpers sinken.
Wie kann man konkret helfen?
Wie kann man Wohnungslosen helfen? Vor allem durch mehr Aufmerksamkeit im öffentlichen Raum. Bürgerinnen und Bürger können helfen, indem sie sichtbar Betroffene respektvoll ansprechen und Hilfe anbieten. Das ist vor allem wichtig, wenn Menschen ungeschützt allein im Freien sitzen. Die einfachste Frage ist: "Ist mit Ihnen alles in Ordnung? Wie kann ich Ihnen helfen?"
Hilfe – das kann ein Heißgetränk oder eine warme Mahlzeit sein. Außerdem kann man über die Tourzeiten des Kältebusses oder andere Angebote informieren. Das Interesse und die Aufmerksamkeit für den Anderen kann dazu führen, dass Betroffene überhaupt erst bemerken, in welch gefährlicher Situation sie sich gerade befinden.
"Mich würde es freuen, wenn Menschen ihre Berührungsängste abbauten"
Das Wichtigste ist es also, das Gespräch zu suchen. "Man kann auch anbieten, einen Schlafsack zu besorgen oder den eigenen Hausflur freizumachen", sagt Maike Oberschelp, Leiterin der Hilfseinrichtung "CaFée mit Herz" auf St. Pauli auf Anfrage des stern. Wenn Hilfe aber abgelehnt werde, müsse auch das akzeptiert werden.
Momentan bekämen sie und ihr Team, die den Kältebus Hamburg fahren, viele Anfragen von aufmerksamen Menschen. "Bevor die aber zu uns kommen, sollten sie erstmal selbst mit den Betroffenen sprechen. Mich würde es freuen, wenn einige ihre Berührungsängste abbauten."
"Wir sind so lange Winter nicht gewohnt"
Obwohl es in vielen deutschen Großstädten Winternotprogramme und Notunterkünfte gibt, schlafen viele Obdachlose bei der Kälte trotzdem draußen. Das habe viele individuelle Gründe, sagt Maike Oberschelp. Besonders abends seien in Notunterkünften oft bis zu 300 Menschen mit unterschiedlichen Nationalitäten. Dort werde auch oft geklaut. Andere wollen sich mit einem schwachen Immunsystem nicht auf engem Raum mit einer Grippe anstecken.
„So lange Winter sind wir gar nicht gewohnt“, sagt Maike Oberschelp. Allerdings werde oft vergessen, dass wohnungslose Menschen oftmals ganzjährig unter schwierigen Bedingungen im Freien lebten. Besonders Feuchtigkeit sei das Problem. Solange die Menschen windgeschützt und im Trockenen seien, sei auch die Kälte besser auszuhalten.