Tausende Menschen haben sich am 22. März vor dem Brandenburger Tor in Berlin versammelt, um gegen sexualisierte digitale Gewalt gegen Frauen zu protestieren. Nachdem die Vorwürfe von Collien Fernandes (44) gegen ihren ehemaligen Partner Christian Ulmen (50) bekannt geworden waren, hatte die Moderatorin am Samstag auf die Demonstration aufmerksam gemacht.
Die Demo hatte eines Berichts der "Tagesschau" zufolge ein deren Angaben nach neu gegründetes Bündnis mit dem Namen "Feminist Fight Club!" initiiert. Angemeldet für Sonntag seien 500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer gewesen. "Gegen sexualisierte digitale Gewalt - Solidarität mit allen Opfern" äußerten demzufolge laut Angaben der Polizei jedoch gut 6.700 Personen, von Seite der Veranstalter wurden rund 13.000 Teilnehmende genannt.
"Täter hinter Bildschirmen sind trotzdem Täter"
Auf Plakaten vor Ort war unter anderem "Täter hinter Bildschirmen sind trotzdem Täter", "Schon wieder ein 'liebender' Ehemann" oder "No Consent = No Content" zu lesen. "Heute stehen wir in Berlin - in Solidarität mit Collien Fernandes und allen Betroffenen von sexualisierter Gewalt", schrieb die Initiative "Nur Ja heißt Ja" bei Instagram. Und weiter: "Der Fall zeigt einmal mehr: Schutz, Aufarbeitung und Konsequenzen sind in Deutschland noch immer lückenhaft. Wenn Betroffene gezwungen sind, für Gerechtigkeit ins Ausland zu gehen, läuft hier grundlegend etwas falsch."
Fernandes hatte vor wenigen Tagen in einem Bericht des "Spiegel" schwere Vorwürfe gegen Ulmen erhoben. Darin hieß es unter anderem auch, dass von der Moderatorin Ende des vergangenen Jahres in Spanien Anzeige gegen ihren Ex-Partner erstattet worden sei. Ob eine Anklage erhoben oder das Verfahren eingestellt werde, sei momentan offen. Ulmens Anwalt teilte später mit, dass in der Berichterstattung "unwahre Tatsachen aufgrund einer einseitigen Schilderung verbreitet" und rechtliche Schritte eingeleitet würden. Für Ulmen gilt die Unschuldsvermutung.
Am Samstag hatte Fernandes einen Instagram-Beitrag veröffentlicht, in dem sie sich für die Unterstützung bedankte, die sie erhalten habe - von einem "überwältigenden Support, der mir wirklich geholfen hat, aus einem ganz tiefen Tal zu kommen", war die Rede. Sie wies in dem Post auch auf die für den heutigen Sonntag geplante Demo in Berlin hin.
Klare Gesetze, echter Schutz und Konsequenzen
Die vielen Menschen in Berlin zeigten nicht nur Solidarität mit Fernandes und den vielen Betroffenen. Gefordert wurden auch weitreichende Veränderungen. Die Initiative "Nur Ja heißt Ja" setzt sich etwa für "klare Gesetze gegen digitale und sexualisierte Gewalt", "echten Schutz für Betroffene", "funktionierende Verfahren" und "Konsequenzen für Täter" ein.
Zu den Rednerinnen vor Ort gehörte unter anderem die bekannte Aktivistin Luisa Neubauer (29). "Männer können froh sein, dass wir einfach nur Gleichberechtigung wollen. Und nicht Vergeltung", sagte sie laut eines Berichts von "t-online" unter großem Applaus. "Frauen wollen einfach nur ihr Leben leben. Wir lassen uns nicht kleinmachen!" Auch ein Statement Fernandes' wurde demzufolge verlesen. "Ich freue mich über jeden, der für dieses wichtige Thema auf die Straße geht", habe es darin geheißen. Derzeit gebe es "massive gesetzliche Schutzlücken", obwohl sexualisierte und digitale Gewalt weitverbreitet seien. Täter dürfe man "nicht mehr davonkommen lassen".