HOME

Sophia Thomalla über Rudi Assauer: "Er hatte das große Los gezogen, mich in meiner Pubertät begleiten zu dürfen"

Neun Jahre lang war er wie ein Vater für sie: Sophia Thomalla erinnert sich in einem offenen Brief an die Momente mit Rudi Assauer, die sich ihr besonders eingeprägt haben.

Sophia Thomalla mit ihrer Mutter Simone und deren Lebensgefährte Rudi Assauer

Sophia Thomalla mit ihrer Mutter Simone und deren Lebensgefährte Rudi Assauer im Jahr 2001

Imago Images

Neun Jahre lang ist Rudi Assauer wie ein Vater für sie gewesen: Sophia Thomalla hatte zur am Dienstag verstorbenen Schalke-Legende eine ganz besondere Beziehung. Die ab 2009 allerdings schwierig wurde, da der an Alzheimer erkrankte Fußball-Manager nach dem Ende der Beziehung zu Sophias Mutter, Schauspielerin Simone Thomalla, neu heiratete.

In Barbara Schönebergers NDR-Talkshow antwortete Sophia noch im Januar auf die Frage, ob sie regelmäßigen Kontakt zu ihrem Ziehvater habe: "Das ist schwierig (...) Da hat uns die Familie von Rudi einen Strich durch die Rechnung gemacht." Außerdem fand sie es schwer, mit dem zusehends schlechter werdenden Gesundsheitszustand Aussauers umzugehen. "Ich glaube, dass man das verstehen kann, wenn man sagt, dass man mit jemandem so eng zusammengewohnt hat und einen großen Teil seines Lebens verbracht hat, dass ich den gerne so in Erinnerung hätte, wie er war, als er gesund war.“ Mit bewegenden und sehr ehrlichen Zeilen thematisierte sie ihre Trauer und das zuletzt so komplizierte Verhältnis gestern selbst in einem emotionalen Instagram-Posting.

Ohne seine Zigarre sah Sophia ihren Ziehvater selten

Doch auch, wenn es in den letzten Jahren keinen Kontakt gab, wird die 29-Jährige den Schalke-Manager nie vergessen. Dazu war er eine zu starke Persönlichkeit. Besondere Momente zählt sie nun in einem offenen Brief an die "Bild"-Zeitung auf. "Dass er manchmal Zigarre im Auto mit geschlossenem Fenster geraucht hat, kann ich bis heute nicht fassen. Einmal wurde er auf der Autobahn geblitzt. Aber man konnte ihm nichts nachweisen, weil man ihn durch den dichten Rauch im Auto nicht erkennen konnte", erinnert sie. Die Zigarre war Assauers Markenzeichen, nur selten sah man ihn ohne sie.

Für Sophia Thomalla war Assauer nicht in erster Linie Schalke-Manager – sondern Ziehvater. "Auch wenn er stets arbeitete und meist nicht vor 10 Uhr abends zu Hause ankam, war er immer für mich da. Mehr als ich es wollte, muss ich im Nachhinein feststellen. Er hatte nämlich das große Los gezogen, mich in meiner Pubertät begleiten zu dürfen. Die erste Zigarette, der erste Schluck Alkohol, die erste 6 in Mathe, der erste Besuch beim Direktor, der erste Freund, das erste Tattoo. Wenn er mich jetzt sehen würde, so zu tätowiert wie ich bin, würde er wohl die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, lachen und sagen: 'Ach du liebe Zeit. Gute Nacht, Maria.'"

Assauer lebte für Schalke, da musste seine Familie natürlich mitziehen

Dennoch spielte der Verein selbstverständlich eine große Rolle in seinem Leben. Und somit auch in dem seiner Partnerin Simone und deren Tochter Sophia. "Schalke war sein Leben und das sage ich nicht, weil es alle sagen, sondern weil es wirklich so war. Der ganze Haussegen hing schief, wenn verloren wurde", erinnert sie sich. "Nach der verlorenen Meisterschaft 2001 wurde (ich) sogar von der Schule befreit! Meine Mutter ahnte es instinktiv: nur ein dummer Spruch von einem Klassenkollegen und ich hätte ein Termin beim Direktor gehabt. Aus Gründen…"

Ihre Mutter sei immer der sensible, ruhige Pol in der Familie gewesen. Ganz anders als der "Macher" Assauer, der immer laut seine Meinung sagte. "Mit dem Tod eines so geliebten Menschen, stelle ich mir die Frage, wie ich eigentlich zu dem Menschen geworden bin, der ich heute bin. Wenn ich mein bisheriges Leben mal Revue passieren lasse, ist die Antwort für mich ganz klar", resümiert Sophia Thomalla ihre Kindheit und Jugend. Sie sei, anders als ihre Mutter, "eher der 'Hau drauf'-Typ. Der Macho der Frauenszene. Meine Leidenschaft für den Fussball, meine Vorliebe für Bier. Harte Schale, aber dennoch weicher Kern. Nicht leicht unterzukriegen, hart im Nehmen und ehrlich bis auf die Knochen. Jetzt weiß ich es: Den Mittelfinger, den ich ständig zeige, habe ich von ihm."

Rudi Assauer: "Gute Reise, lieber Rudi": Stars trauern um Schalke-Legende
wt