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Korruptionsvorwürfe Spaniens Ex-König Juan Carlos will aus Spanien flüchten - mit unbekanntem Ziel

Juan Carlos und seine Ehefrau Sofia tragen schwarze Kleidung
Spaniens ehemaliges Königspaar Juan Carlos und seine Ehefrau Sofia
© John Thys / AFP
Juan Carlos war einst beim Volk sehr beliebt – inzwischen steckt der ehemalige König von Spanien jedoch in einem Korruptionssumpf. In einem Brief schreibt der einstige Monarch seinem Sohn: Juan Carlos will Spanien verlassen.

Paukenschlag am spanischen Königshof: Der unter Korruptionsverdacht stehende Ex-Monarch Juan Carlos will das Land verlassen und ins Exil gehen. Wie das Königshaus am Montag mitteilte, informierte der wegen zahlreicher Affären ins Zwielicht geratene Juan Carlos seinen Sohn König Felipe VI. in einem Brief über seinen Entschluss. Der Oberste Gerichtshof Spaniens hatte im Juni ein Ermittlungsverfahren zur Verwicklung des 82-Jährigen in eine mutmaßliche Korruptionsaffäre eingeleitet.

"Aus der Überzeugung heraus, dem spanischen Volk, seinen Institutionen und Dir als König am besten zu dienen, informiere ich Dich über meine Entscheidung, in dieser Zeit ins Exil außerhalb Spaniens zu gehen", zitierte der Königspalast in Madrid aus dem Schreiben von Juan Carlos. "Es ist eine Entscheidung, die ich mit großem Schmerz aber auch mit großem Seelenfrieden treffe." Wohin ins Ausland der Ex-König gehen will, wurde nicht mitgeteilt.

Mit seiner Entscheidung wolle er Felipe die Ausübung seiner Aufgaben als König erleichtern und diesen nicht mit den "öffentlichen Konsequenzen bestimmter Geschehnisse der Vergangenheit" belasten, schrieb Juan Carlos weiter. Felipe akzeptierte dem Palast zufolge die Entscheidung seines Vaters und verwies vor allem auf die "historische Bedeutung" der Regentschaft seines Vaters für Spaniens Demokratie.

Gegen Juan Carlos wird wegen Schmiergeldzahlungen ermittelt

Der Anwalt von Juan Carlos versicherte seinerseits, sein Mandant wolle sich mit dem Gang ins Exil nicht der Justiz entziehen. Vielmehr werde er den Ermittlern weiter zur Verfügung stehen. Bei den Ermittlungen des Obersten Gerichtshofs gegen Juan Carlos geht es um mögliche Schmiergeldzahlungen bei der Auftragsvergabe für den Bau einer Hochgeschwindigkeitsbahnstrecke zwischen Mekka und Medina in Saudi-Arabien an ein spanisches Konsortium. Auch in der Schweiz laufen Ermittlungen dazu.

Wegen der Immunitätsrechte von Juan Carlos kann nur der Oberste Gerichtshof Ermittlungen gegen den 82-Jährigen führen. Zudem darf die Untersuchung nur Vorfälle betreffen, die sich nach seiner Abdankung als König 2014 ereigneten. Es gehe um "Fakten, die sich nach Juni 2014 ereigneten", hatte das Gericht entsprechend im Juni erklärt.

Berichten zufolge soll Juan Carlos vom saudiarabischen Königshaus über ein Schweizer Konto bis zu hundert Millionen Dollar erhalten haben - allerdings offenbar bereits 2008. Zudem hatte seine ehemalige Geliebte Corinna zu Sayn-Wittgenstein angegeben, der König habe im Zusammenhang mit dem 6,7 Milliarden Euro schweren Schnellbahn-Projekt eine Kommission bekommen.

Früher sehr beliebt, heute aus der Öffentlichkeit verschwunden

Juan Carlos hatte 2014 nach 39 Jahren auf dem Thron zugunsten seines Sohnes Felipe abgedankt. Seit dem vergangenem Jahr hat er sich vollständig aus dem öffentlichen Leben zurückgezogen.

Lange Zeit war Juan Carlos wegen seiner Rolle beim Übergang Spaniens von der Diktatur zur Demokratie im Volk sehr beliebt. Doch eine Reihe von Skandalen, darunter eine Luxusreise des Monarchen inmitten einer schweren Wirtschaftskrise des Landes, hatten seine letzten Jahre auf dem Thron überschattet.

anb AFP

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