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Spice Girls: Comeback zwischen Küche und Kindern

2001 trennten sich die Spice Girls, die bis heute erfolgreichste Girl Band aller Zeiten. 13 Soloalben, sieben Kinder und drei Ehen später bringen die Fünf nun ein "Greatest Hits" Album heraus. Zeit, zurück zu blicken, was die Mädels in den vergangenen sechs Jahren so getrieben haben.

Von Julia Mäurer

Wir erinnern uns: Sommer 1996, fünf schrill gekleidete und wild frisierte Mädchen stürmen eine steife Gesellschaft und fegen frenetisch tanzend durch ein altes Gemäuer. "Wannabe" heißt das Lied zum Video und erobert in über 30 Ländern Platz eins der Charts. Es war die erste Single der Spice Girls, einer gecasteten Mädchenband aus England, und sie schlug direkt ein wie eine Bombe. Fortan kannten alle die fünf Mädchen, denen das englische Top-of-the-Pops-Magazin die Spitznamen "Sporty Spice" (Melanie Chisholm), "Scarry Spice" (Melanie Brown), "Baby Spice" (Emma Bunton), "Posh Spice" (Victoria Adams) und "Ginger Spice" (Geri Halliwell) verlieh. In ihren fünf gemeinsamen Jahren gewannen sie alles, was man im Popbusiness gewinnen kann, spielten zig ausverkaufte Konzerte und verkauften weltweit 43 Millionen Alben. Im Februar 2001 verkündeten die Spice Girls dann eine "Bandpause", von offizieller Trennung war nie die Rede.

Was als Band funktionierte, wollte solo niemand hören

Schon bald erschienen die ersten Soloprojekte der ehemaligen Bandmitglieder. Zwischen 1999 und 2001 veröffentlichten Geri Halliwell, Melanie Brown, Melanie Chisholm, Emma Bunton und Victoria Beckham ein eigenes Album. Doch was als Gruppe funktionierte, wollte allein so gut wie niemand hören. Die Scheibe "Hot" von "Scarry Spice" Melanie Brown floppte ebenso wie die LP's ihrer Ex-Kolleginnen Victoria Beckham ("Victoria Beckham") und Geri Halliwell ("Schizophonic"), die die Band bereits 1998 verlassen hatte. "Baby Spice" Emma Bunton wurde von ihrer Plattenfirma sogar wegen Erfolglosigkeit gekündigt. Die einzige, die sich als ernstzunehmende Künstlerin etablieren konnte, ist "Sporty Spice" Melanie Chisholm. Mehr als drei Millionen Mal ging ihr Erstling "Northern Star" weltweit über die Ladentheke. In Deutschland wurde sie dafür mit Platin ausgezeichnet. Und auch ihr aktuelles Album "This Time" verkauft sich bisher ganz passabel. Sie ist sozusagen der Robbie Williams in der Girl Band: Als einzige ist sie nicht liiert, hat keine Kinder, dafür aber noch immer einen Namen, den man in der Musikbranche kennt.

Geschäftstüchtig sind sie jedoch alle. Und so absolvierten die fünf Ex-Spice Girls in den vergangenen sechs Jahren diverse TV-Auftritte, Moderatorenjobs, Gastrollen im Theater oder Statistenparts in Spielfilmen. Emma Bunton wurde immerhin eine Rolle an der Seite von Steve Martin in der Kommöde "Pink Panther 2" angeboten. Die musste sie jedoch absagen, weil sie schwanger wurde. Melanie Brown trippelt zurzeit in der US-Show "Dancing with the stars" übers Parkett, und Victoria Beckham wurde schon seit längerem eine Gastrolle in der US-Telenovela "Ugly Betty" zugesagt.

Beckham, Brown und Halliwell - diese drei Namen fanden sich plötzlich auch auf Buchcovern wieder. Immerhin in die Top Ten der britischen Buchcharts schaffte es "Catch A Fire", die Autobiografie von Melanie Brown, die im Jahr 2002 erschien. Deutlich weniger Leser fanden sich hingegen für die 1999 veröffentlichte Lebensgeschichte von Geri Halliwell. Und Victoria Beckham wäre nicht Victoria Beckham, wenn sie sich nicht auch an Literarischem versucht hätte, um Geld zu verdienen. "Learning To Fly", so der Titel ihrer Memoiren, erschien 2002; die Stilbibel "That Extra Half an Inch" kam voriges Jahr auf den Markt.

Kinder statt Karriere lautete die Devise

Wie ihre Ex-Kollegin Victoria Beckham lebt auch Melanie Brown mittlerweile in den USA. Das weiß man spätestens seit dem in aller Öffentlichkeit ausgetragenen Vaterschafsstreit, den sich das Spice Girl in diesem Sommer mit Schauspieler Eddy Murphy lieferte. Brown und Murphy verbindet eine kurze Affäre - und die gemeinsame Tochter Angel Iris, die dieses Jahr im April geboren wurde. Erst ein DNA-Test bestätigte, dass der 46-Jährige der Vater ist. Angel Iris ist die zweite Tochter von Melanie Brown. Bereits zu Spice Girl Zeiten heiratete die 32-Jährige den Tänzer Jimmy Gulzar, ließ sich aber nach vier Jahren Ehe wieder scheiden. Die gemeinsame Tochter Phoenix Chi ist mittlerweile acht Jahre alt. Und während alle Welt Melanie Brown als allein erziehende Mutter bedauerte, heiratete die, heimlich, still und leise, am 6. Juni den Musikproduzent Stephen Belafonte, nicht verwandt mit Sänger Harry Belafonte.

Im Vergleich mit Melanie Brown scheint Victoria Beckham, geborene Adams, richtig konservativ. Immerhin ist sie seit Juli 1999 mit ein und demselben Mann, nämlich Fußballprofi David Beckham verheiratet. Mit ihm fand die 33-Jährige nicht nur den Vater ihrer drei Söhne Brooklyn, Romeo und Cruz, sondern erlangte auch die Initialen, die heute auf diversen Produkten prangen: VB. Während Posh Spice in der Band eher im Hintergrund tanzte, drängte sie sich in den vergangenen Jahren bei jeder sich bietenden Gelegenheit in die Öffentlichkeit. Sie vermarktet ihre eigene Jeans-Kollektion, entwirft Sonnenbrillen und wirbt mit Gatte David Beckham für ihre Parfum-Linie. Victoria Beckham tut viel, damit sie nicht in Vergessenheit gerät. Vor allem in ihrer neuen Heimat Los Angeles, wo die Konkurrenz groß und der Ruhm von kurzer Dauer ist.

Auf beruflichen Stress hat Geri Halliwell keine Lust mehr: Nach drei mehr oder weniger erfolgreichen Alben gab die 35-Jährige im November 2006 das Ende ihrer Solokarriere bekannt. Stattdessen engagiert sich Halliwell als Sprecherin im Kampf gegen Brustkrebs für die UN und widmet sich ihrer 17 Monate alten Tochter. Emma Bunton, die vor drei Monaten zum ersten mal Mutter wurde, legte im März dieses Jahres ebenfalls das Mikro zu Seite. Voerst zumindest. Denn für die Comeback Tournee, die am 2. Dezember in Vancouver startet, wollen alle ehemaligen Bandmitglieder noch einmal gemeinsam auf der Bühne stehen. Mit Kind und Kegel touren sie durch 21 Städte, geben insgesamt 45 Konzerte. Am 9. November erscheint die neue Single der Spice Girls. "Headlines (Friendship never ends)", eine ruhige Ballade, deren Einnahmen der BBC-Charity-Aktion "Children in Need" zu Gute kommen. Gediegen und zurückhaltend ist auch das Video zur neuen Single. Sie sind eben erwachsen geworden, die jungen Hüpfer von einst.