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TRAUERFEIER: Abschied von Prinzessin Margaret

Auf der privaten Trauerfeier auf Schloss Windsor haben heute vier Generationen der britischen Königsfamilie Abschied von Prinzessin Margaret genommen.

Vier Generationen der britischen Königsfamilie haben am Freitag auf Schloss Windsor Abschied von Prinzessin Margaret (71) genommen. Die Schwester von Königin Elizabeth II. (75) war am Samstag an den Folgen ihres vierten Schlaganfalls gestorben. Zu der privaten Trauerfeier in der St.-Georgs-Kapelle von Schloss Windsor war auch die 101 Jahre alte Königinmutter erschienen, obwohl ihre Gesundheit stark angeschlagen ist. Sie musste ihre jüngere Tochter zu Grabe tragen. Wie die BBC erfuhr, macht sich die Königsfamilie große Sorgen darüber, wie sich der schwere Gang seelisch und körperlich auf die alte Dame auswirken wird.

»Schwanensee« zum Abschied

»Queen Mum« betrat die Kirche durch einen Seiteneingang, wo sie von den rund 500 Schaulustigen und Reportern nicht gesehen werden konnte. Zu den Trauernden gehörten außerdem Königin Elizabeth, ihr Ehemann Prinz Philip (80), ihre Kinder Charles (53), Anne (51), Andrew (41) und Edward (37) sowie ihre Enkel William (19) und Harry (17). Etwa 450 Gäste waren gekommen. Die Lieder und die Musik hatte Margaret selbst ausgesucht. Unter anderem hatte sich die Ballett-Liebhaberin Musik aus »Schwanensee« gewünscht. Zum Abschluss der Trauerfeier spielt ein Dudelsackspieler eine klagende Trauermelodie. Der Dekan von Windsor zelebrierte den Gottesdienst. Auf den Tag genau 50 Jahre zuvor war in derselben Kapelle Margarets Vater, König George VI., beigesetzt worden. Zu ihm hatte sie immer ein besonders gutes Verhältnis gehabt.

Einäscherung: Bruch der royalen Tradition

Margarets Leichnam sollte unmittelbar nach der Trauerfeier in einem nahe gelegenen Krematorium eingeäschert werden - ein Bruch mit der Tradition des Königshauses, das bisher auf Feuerbestattungen verzichtet hatte. Die Einäscherung im Krematorium von Slough sollte in aller Stille und ohne königliche Trauergäste vollzogen werden.

Beisetzung neben dem Vater

Nach einem Bericht der »Times« hatte sich Margaret deshalb für eine Einäscherung entschieden, weil ihre Urne in der Königsgruft der St.-Georgs-Kapelle ganz in der Nähe ihres geliebten Vaters George VI. beigesetzt werden könne. Für einen Sarg wäre dort kein Platz mehr gewesen. Den königlichen Friedhof auf Schloss Windsor fand Margaret düster und unheimlich.

Die Urne sollte am Freitagabend oder am Samstagmorgen in der gotischen Kapelle beigesetzt werden. Dort sind unter anderem zehn englische Könige bestattet, darunter der sechs Mal verheiratete Heinrich VIII (1491-1547).

Attraktion für Touristen

Die Trauerfeier lockte zahlreiche Touristen nach Schloss Windsor. »Vor 50 Jahren bin ich als kleines Kind hier gewesen, als der König (George VI.) gestorben war, und ich erinnere mich daran, dass der Boden hier mit Blumen bedeckt war«, sagte Rosemary Grimmet (57). »Ich hatte etwas Ähnliches erwartet und bin ein bisschen enttäuscht.«

Sun: Makabre Wortspielereien

Die Touristen hofften vor allem darauf, einen Blick auf »Queen Mum« zu erhaschen. Auch die britischen Medien interessierten sich in erster Linie für die Königinmutter. Ihr Hubschrauberflug von Schloss Sandringham nach Windsor am Tag zuvor sei die »tapferste und die traurigste Reise ihres Lebens« gewesen, schrieb die »Sun« und betitelte sie als »Mutter Courage«. Das Konkurrenzblatt »Mirror« berichtete jedoch, das Königshaus sei so verärgert über die »Sun«, dass ihre Reporter nicht auf das Gelände von Schloss Windsor vorgelassen würden. Die »Sun« habe sich die Gunst der Royals mit einem Wortspiel über die Kremation von Margaret auf der Titelseite (»Crem de la Crem«) verscherzt.

Gedicht zum Abschied

Der Hofdichter der Queen, Andrew Motion, veröffentlichte am Freitag unter dem Titel »Die jüngere Schwester« ein Gedicht über Margaret. Darin konzentrierte er sich auf die tragische Seite ihres Lebens. So habe Margaret zwar viel Geld und große Privilegien besessen, aber in der Liebe dennoch viel Leid erfahren - eine Anspielung auf ihre unglückliche Beziehung zu dem Fliegeroffizier Peter Townsend. Margaret sei sich immer bewusst gewesen, »dass die Liebe und die Pflicht zwei verschiedene Sprachen sprechen«.

Nun müsse eine Mutter - die 101 Jahre alte »Queen Mum« - ihre Tochter zu Grabe tragen, und Königin Elizabeth II. stehe am Sarg ihrer jüngeren Schwester, schrieb Motion. Ein Sprecher des Buckingham-Palasates bezeichnete das Gedicht als »sehr ergreifend«. Motion soll als »Hofdichter« die bedeutsamsten nationalen Ereignisse dichterisch begleiten.