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Trauerfeier für Soullegende: "Whitney ist jetzt zu Hause"

Vor mehr als 30 Jahren sang Whitney Houston hier das erste Mal, nun stand in der Baptistenkirche in Newark ihr Sarg. In seiner Trauerrede geht Kevin Costner auf die Selbstzweifel der Sängerin ein: "Du warst nicht nur gut genug. Du warst großartig."

"Wir feiern ihr Leben!", rief Pastor Joe Carter den Gästen in der New-Hope-Baptistenkirche entgegen und die riefen begeistert "Amen" oder "Halleluja" zurück. Von einer stillen Trauerfeier war dieser Gottesdienst für Whitney Houston in der Kirche, in der sie zum ersten Mal öffentlich aufgetreten war, weit entfernt. Er war kein Pop-Event und hatte trotz Promi-Gästen wie Mariah Carey, Kevin Costner und Stevie Wonder wenig Glamour. Doch er war durch und durch Gospel, ein Bekenntnis zur Liebe Gottes und vor allem eine würdevolle Erinnerung an die berühmte Tochter der New Yorker Industrievorstadt Newark, die sonst eher trist wirkt. Am Ende erfüllte die klare Stimme des Superstars ein letztes Mal die Kirche: Houstons Sarg wurde zu "I Will Always Love You" hinausgetragen.

Davor prägte beinahe vier Stunden lang Gospel die Zeremonie. Der weiß gekleidete Gospel-Chor sang optimistische, fast fröhliche Lieder. Und doch kämpfte manche Sängerin immer wieder mit den Tränen, wenn der Blick auf den glänzenden Sarg fiel, der ganz vorn in der Kirche stand. An der gleichen Stelle stand vor mehr als drei Jahrzehnten ein dünnes Mädchen bei seinen ersten Auftritten. Man kannte sie, die Tochter der Sängerin Cissy Houston, die Cousine der Sängerin Dionne Warwick, die Patentochter von Aretha Franklin. Keine Überraschung also, dass auch die kleine Whitney sang. Aber wie sie sang, das machte Gänsehaut. Das hatte Weltstar-Potenzial.

"Sie hat uns nie vergessen", sagte der Gospel-Sänger BeBe Winans unter Tränen. "Und wisst Ihr, was ich am meisten vermisse? Die verrückte Whitney!" Immer wieder von Lachen unterbrochen, immer wieder vom Griff zum Taschentuch unterbrochen, erzählte der 49-Jährige ein paar Anekdoten und das Publikum lachte befreit. "Sie hat uns immer als ihre Familie betrachtet", sagte Winans. Und deshalb sei ihre ganze Familie nun auch zusammengekommen.

"Whitney, du warst nicht nur gut genug. Du warst großartig."

"Unsere Herzen sagen, ihr Tod sei ungerecht. Aber die Bibel lehrt uns: Die Liebe ist stärker als der Tod. Warum also machen wir uns alle Sorgen - wir, die wir hier sitzen und Whitney lieben?", sagte Bischof Thomas Jakes. Und auch er kämpfte wie viele andere mit den Tränen. Alicia Keys musste sogar ein Taschentuch gereicht werden, bevor sie "Send Me an Angel" sang.

Es war ein sehr schwarzer Gottesdienst, lebhaft, immer wieder von zustimmenden, begeisterten Rufen unterbrochen. Und all die Superstars wie Dionne Warwick, Stevie Wonder oder R. Kelly waren einfach Gläubige. Dass Houstons Ex-Mann Bobby Brown bei der Feier gar nicht in den Reihen saß, fiel erst nach der Zeremonie auf. Wegen Problemen um die Sitzverteilung hatte er einen Kuss in Richtung Sarg gehaucht und war mit gebeugtem Kopf wieder gegangen. Familie und Freunde dürften den Sänger kaum vermisst haben - viele in Houstons Kreis machen Brown für die Drogenprobleme der Verstorbenen verantwortlich.

Dass Houstons Leben ein Auf und Ab an Erfolgen, Gefühlen und Selbstzweifeln war, auch das kam immer wieder zur Sprache. Costner, der vor 20 Jahren Houstons Filmpartner im Kinohit "Bodyguard" war, erinnerte sich daran und sprach die vielleicht denkwürdigsten Worte des Tages, als er Houston eine Liebeserklärung machte: "Sie war so unsicher und dachte immer, sie sei nicht gut genug. Aber, Whitney, wenn Du mich jetzt hören kannst: Du warst nicht nur gut genug. Du warst großartig. Du hast so verdammt toll gesungen. Und es gab so viele Männer, die meine Rolle spielen konnten, ich war so ersetzbar. Aber niemand anderes - niemand! - hätte an Deiner Stelle sein können." Zuletzt versagte dem Oscar-Preisträger fast die Stimme. Doch bevor die Gemeinde aufstand und ihm applaudierte, blickte Costner noch auf den Sarg und sagte: "Whitney ist jetzt zu Hause."

Manuela Imre und Chris Melzer, DPA / DPA