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Traumhochzeit von William und Kate: Happy im Hyde Park

Die Queen wirkt fast herzlich, die Monarchie ein bisschen niedlich - und alle jubeln Kate zu. Ein Tag im Hyde Park unter begeisterten Briten, mit dem einen, speziellen romantischen Augenblick.

Von Sophie Albers, London

Okay, ich habe es wirklich versucht. Mit elaboriertem, an den eiskalten 90ern gestähltem Zynismus habe ich mir die Hochzeit und ihre Fans angesehen. Ganz aus der Nähe. Verstanden habe ich sie nicht. Bis zu diesem einen Augenblick, als ich inmitten Tausender Hochzeitsfans im Hyde Park stand, wo die ganze Veranstaltung auf drei riesigen Leinwänden übertragen wurde. Und da ist es passiert: Da hat es geklickt - und es war völlig in Ordnung. Wie konnte das passieren?

Der Morgen begann um halb sechs, als rosa Wolkentupfen hoffen ließen, dass es doch nicht - wie prophezeit - Regen und Gewitter geben werde. Im Hyde Park zwitscherten die Vögel mit dem allgegenwärtigen Helikopterdröhnen um die Wette, und vor den Großleinwänden saßen schon rund 50 Fans, die in der Weite der Anlage ehrlich gesagt ziemlich albern wirkten. "Ich fürchte, wir waren die ersten hier, um halb fünf", sagt eine ältere Dame mit fedrigem Krönchen und lächelt schief.

Es ist nicht proppenvoll, aber für diese Uhrzeit sind verdammt viele Menschen unterwegs. "Oh ja, es sieht nach Regen aus", sagt eine Londonerin auf dem Weg zum Buckingham Palast. Sie kauft sich trotzdem ein Union-Jack-Fähnchen mit Will&Kate-Konterfei für drei Pfund.

Viertel vor sieben an der Mall, der Prachtstraße zum Palast, gibt es an den Absperrgittern erste kleine Gerangel. "Da werden langsam Ellbogen eingesetzt", sagt Bernadette, 31, aus New York. Sie ist extra für die Hochzeit angereist und hat an der Mall übernachtet. Geschlafen hat sie aber nicht. Auch nicht Diane, 49, aus Bournemouth. "Die haben nachts die Klos umgesetzt. Das war ein Höllenlärm", sagt sie und reiht sich in die Schlange zum Kaffeestand ein. Ist das alles wirklich diese paar Sekunden Sicht auf das Brautpaar wert, frage ich angesichts ihrer immer wieder zuklappenden Augen. "Natürlich ist es das!" Das ist auch keine Frage für Molly und Clarissa, beide 16, obwohl sie in ihren Secondhand-Hochzeitskleidern in der Nacht unglaublich gefroren haben.

Auch jetzt ist der Himmel grau, und der Wind kommt kalt aus Osten. Aber immerhin regnet es nicht. Während sich die Mall immer weiter füllt, zieht die Polizei immer neue Absperrungen, um Überfüllung zu verhindern. "Unglaublich gut organisiert", sagt eine ältere Dame.

David Beckham und Sekt

Auf dem Weg zurück in den Hyde Park treffe ich Bine, die Donnerstagnacht mit ihren Freundinnen aus Limburg an der Lahn angereist ist. Sie heiratet selbst im August, und ihre Schwester Christina dachte, Williams Hochzeit sei der perfekte Anlass für den Junggesellinnenabschied. "Bine ist der gleiche Jahrgang wie William und wollte den früher unbedingt heiraten", sagt Christina und lacht. "Sie war auch immer so eine Prinzessin."

Um kurz nach acht grüßt die Besatzung der internationalen Raumstation das Brautpaar per Liveschaltung von den Großleinwänden. Um kurz nach neun wird ein ehemaliger Lehrer Kate Middletons interviewt. Natürlich weiß er nur Gutes zu berichten. Die Menschen im Park haben sich auf Decken ausgebreitet. Es sieht aus wie ein grenzenloses Picknick. Dazwischen flattern Union Jacks verschiedener Form und Größe. Um halb zehn sieht man, wie David und Victoria Beckham sich im Westminster Abbey durch die Menge zwängen. Der Park grüßt lautstark. Auch Rowan Atkinson und Elton John.

Während der Erzbischof von Canterbury erzählt, dass er mit dem Brautpaar lange und ausführlich über die Bedeutung der Ehe gesprochen habe und dass beide sehr sensibel und zugleich realistisch seien, knallen im Park die Sektkorken. Das tun sie bis zum Nachmittag. Da die Übertragung im Hyde Park selbst auch Teil der Berichterstattung ist, springen die Menschen immer wieder auf, jubeln und schwenken Fähnchen, sobald der Kameraarm sich senkt. Der Park ist nun voll, ein Ausgang bereits geschlossen. Die Stimmung ist entspannt. Vor dem Clarence House skandieren Fans "We want Will". Der kommt - ganz in Rot - um exakt 10.12 Uhr Ortszeit samt Bruder Harry in einem Bentley herausgefahren. William lächelt. Harry grinst. Der Park jubiliert. "Oh, guck mal, wie glücklich er ist", ruft eine Frau. Daraufhin öffnet ihr Freund noch ein Bier.

God save the Queen

Die Menge im Park ist wie ein großer Organismus. Auf die Bemerkungen der Kommentatoren wird reagiert. Der Park lacht, als es um "Harrys Energie" geht, und der Park macht "oooh", als die kleinen Brautjungfern zu sehen sind. Ab und zu steht jemand auf, guckt sich um und sagt "Wow, Menschen so weit man gucken kann." 150.000 sollen es gewesen sein.

Über William und Harry hat der Park sich gefreut, bei der Queen dreht er durch. Als die Dame in Kanariengelb in ihre Kutsche steigt, ist der Jubel ohrenbetäubend. Die Frau ist England. Hier sitzt ihr Volk. Dass Charles gerade am Eingang des Westminster Abbey seinen Hut abgibt, wird hingenommen. Als die Queen ankommt, steht der Park auf. Mittlerweile ist Kate Middleton aus dem Goring-Hotel geschlüpft und in den 1950er Rolls Royce der Queen gestiegen. Mehr als ein langer Schleier und viel Spitze sind nicht zu erkennen gewesen. Aber sie winkt ziemlich hektisch, und das sorgt im Park für Belustigung. Eine Gruppe von Studentinnen aus London kann sich darüber kaum beruhigen, obwohl sie eigentlich so aussehen, als müssten sie auf der Republikaner-Party tanzen.

Am Abbey endlich kommt es raus: Das Kleid stammt aus dem Hause Alexander McQueen, und die Schleppe ist definitiv keine acht Meter lang, so wie die damals von Diana. Während Middleton von ihrem Vater durch die Kathedrale geführt wird, fällt den Studentinnen auf, dass die meisten Leute mit den begehrten Einladungen überhaupt nichts sehen können. "Da haben wir es hier besser!" Sprach's und nimmt noch einen Schluck Pimms.

"Harry ist ein Guter!"

Es folgt die erste wunderbare Szene des Hochzeitsmorgens: William und sein Trauzeuge Harry stehen vor dem Altar und warten auf die Braut. Harry dreht sich um, guckt und flüstert seinem Bruder dann lachend etwas zu. Der bleibt wie versteinert stehen. "Noch kannst du wegrennen", souffliert der Park. Ein Mann beugt sich zu seiner Freundin und sagt stolz: "Harry ist ein Guter!"

Und dann passiert eben dieser Augenblick, mit dem ich immer noch nicht ganz klar komme. Märchen sind für Kinder, und Magie gehört ins Varieté. Doch genau in dem Moment, als Kate neben William vor den Altar tritt, bricht über London der Himmel auf. Als sei das Wetter Teil der Inszenierung. William flüstert seiner Braut etwas zu, sie lächelt. Und in diesem Augenblick ist das Märchen wahr.

Der Park jubelt und stimmt ein in den ersten Choral. Prinz Philip schläft nicht ein, und es ist egal, dass Kate dunkle Ringe unter den Augen hat. Die Queen wirkt fast ein bisschen herzlich, und die Monarchie ist vielleicht doch ganz niedlich. Als der Bischof fragt, ob jemand etwas gegen die Heirat einzuwenden habe, ruft ein weiblicher Teil des Parks "Du hättest mich heiraten sollen". Die Stimmung ist so glücklich, dass es niemanden wundern würde, wenn Eichhörnchen und Fasane ganz Disney-mäßig mitgucken würden.

Konfetti für alle

"Hilf uns zu erkennen, was wahr und wichtig im Leben ist", heißt es im Gebet, das Kate und Will zusammen geschrieben haben. Amen, sagt der Park. Seifenblasen und Luftballons steigen in den Himmel. Als das Paar aus dem Abbey tritt, vereint sich der Jubel der Menschen auf der Straße mit dem des Parks. Es scheint überall Konfetti zu regnen. Die Menschen stehen, jubeln, wedeln mit den Fahnen.

Als die Masse der Zuschauer sich von der Polizei geleitet von der Mall vor den Buckingham Palace ergießt, sagt ein Kommentator: "Einen Tag lang können wir im Augenblick leben." Kate und William erscheinen auf dem Balkon, und es gibt zwei scheinbar spontane Küsse zu sehen. "Wooohoo" macht der Park. "Harry findet das alles unheimlich lustig", sagt der Kommentator. Dann donnern die Militärflieger über den Palast und auch Hyde Park. Sechs Minuten nachdem die königliche Familie auf dem Balkon erschienen ist, verschwindet sie wieder.

Catherine wirft einen letzten Blick zurück auf die Menge, die sie mit einem sichtbaren "Wow" bedachte, als sie auf den berühmten Balkon getreten war. "Sie fand es super, oder?", sagt eine Frau im Park. Klar, es war ja auch Kates Augenblick.

Und geregnet hat es auch nicht - keinen einzigen Tropfen.