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Türck-Prozess: Einer lügt

Beweise fehlen nach wie vor: Auch der vierte Verhandlungstag des Prozesses gegen Andreas Türck hat keine eindeutigen Hinweise auf den wahren Tatverlauf gebracht. Die Aussage einer Polizistin brachte Türcks Version jedoch ins Wanken.

Ex-Fernsehmoderator Andreas Türck hat nach Aussagen einer Polizistin in einer früheren Vernehmung jede Gewalt gegen das mutmaßliche Vergewaltigungsopfer bestritten. Im Prozess gegen den 36-Jährigen sagte die Zeugin am Donnerstag vor dem Frankfurter Landgericht, Türck habe den Oralsex zwischen ihm und der Bankkauffrau als freiwillig hingestellt. Türck ist angeklagt, im August 2002 die damals 26-Jährige auf einer Brücke am Frankfurter Osthafen zum Oralverkehr gezwungen zu haben. Türck bestreitet eine Schuld und verweigert in dem Prozess die Aussage.

Nach dem Vernehmungsprotokoll hatte die Frau von sich aus Türck die Hose geöffnet und ihn schließlich befriedigt. Alles habe höchstens zwei Minuten gedauert. Im Anschluss sei man wieder zum Auto zurückgekehrt und er habe die damals 26-Jährige und ihre Begleiterin zurück zu einer nahe gelegenen Tankstelle gefahren, sagte Türck bei der Polizei aus. Woher die Frau Verletzungen an Hals und Kopf hatte, könne er nicht nachvollziehen. Im wesentlichen stimmte seine Aussage mit den Angaben des Bekannten überein, der in der fraglichen Nacht ebenfalls mit zur Brücke gefahren war und bereits am ersten Verhandlungstag als Zeuge vernommen wurde.

Zeugenaussagen widersprechen Türcks Darstellung

Ein weiterer Polizeibeamter sowie eine Freundin des mutmaßlichen Opfers berichteten als Zeugen jedoch von einer "völlig aufgelösten und heftig weinenden Frau". Der Polizeibeamte konfrontierte das mutmaßliche Opfer vier Monate nach dem Vorfall mit Erkenntnissen aus einer Telefonüberwachung. Diese hatte einem inzwischen verurteilten Drogenhändler gegolten, mit dem die Bankkauffrau Kontakt hatte. Ihm hatte sie telefonisch von einer Vergewaltigung durch Türck berichtet.

Der Polizist sagte aus, die Frau habe heftig zu weinen und zu zittern begonnen, als er ihr von der Telefonüberwachung berichtete. "Für mich war erkennbar, dass diese Frau ein Problem hat." Die Freundin wies auf die "extrem veränderte Persönlichkeit" der heute 29 Jahre alten Nebenklägerin seit jener August-Nacht hin. Sie sei kaum noch ansprechbar, verbarrikadiere sich und ihre seit Jahren andauernden Ess-Störungen hätten sich verschärft. Am Tag nach dem Geschehen habe sie eine Beule am Kopf sowie Druckstellen am Hals der Bankkauffrau festgestellt, sagte die Zeugin.

Zu Beginn des vierten Verhandlungstags hatte ein Bekannter Türcks aus der Discotheken-Szene Auseinandersetzungen mit dem Moderator und sein unmanierliches Verhalten gegenüber Frauen geschildert. Dies liege allerdings schon 18 Jahre zurück.

DPA / DPA