HOME

US-Fernsehen: Kritiker zerreißen Lohans Comeback-Auftritt

Sie wirkte nervös und angespannt. Immer wieder blinzelte sie verstohlen neben die Kamera, um ihre Zeilen für den Sketch von großen Karten abzulesen. "Zu offensichtlich", schimpfte das Fachblatt "Entertainment Weekly". "Grauenhaft", kreischten diverse TV-Kritiker.

Von Frank Siering, Los Angeles

Autsch, so hatte sich Lindsay Lohan ihre Rückkehr ins Rampenlicht wahrlich nicht vorgestellt. LiLos erster Live-Auftritt seit ihrer Bewährungsstrafe in der Kult-Show "Saturday Night Live" war eine echte Qual für die Zuschauer. "Entertainment Weekly" urteilte sogar, dass sie die "schlechteste Gastgeberin" des Jahres war.

Und der Entertainment-Dienst "RadarOnline" schrieb gar, Lohan sei "kriminell schlecht" gewesen. Nur das "People Magazin" hatte ein Nachsehen mit der Schauspielerin, die dieser Tage wie ein angeschlagener Preisboxer um ein Comeback kämpft. "Ist sie schon wieder in Form?", fragte das Blatt und beantwortete die Frage gleich selbst: "Nach ihren Sketchen zu urteilen, ist sie bereit für einen zweiten Akt."

Die Nervosität war Lohan dennoch deutlich anzumerken. Sie zeigte sich arg bemüht und übermotiviert, bloß keine Fehler zu machen. In fast allen Segmenten der Show machte sie sich über sich selbst und ihre kriminelle Vergangenheit lustig.

Hauptsache gute Quoten

Lohan spielte eine refomierte Kriminelle, die eine "Therapiesitzung" mit dem Namen "scared straight" für eine Handvoll Teenager inszinierte. So lustig wie eine Wurzelbehandlung und auch ein bisschen peinlich. "Es ist schon traurig, dass Lohan sich dieser Tage nur noch über ihr eigenes trauriges Leben als verurteilte Diebin und Abhängige lustig machen kann", so Bob Strauss, TV-Kritiker der "Los Angeles Daily News".

Lohan selbst war zufrieden mit ihrer Vorstellung. Sie habe, so schreibt zumindest "TMZ.com", zwar gewusst, dass es keine "perfekte Show" war, aber sie sei "sehr stolz auf ihren Auftritt". Es habe in allerletzter Minute einige Änderungen für die Show gegeben und Lohan habe nach Informationen von Produzenten diese "Last-Minute Sachen" professionell und effizient umgesetzt. Interessanterweise rechnete Lohan auch damit, für ihren ersten großen Live-Auftritt "von den Medien harsch kritisiert" zu werden. Eine Prognose, die sich als wahr herausstellen sollte.

Unterm Strich allerdings dürfte es Lohan wie auch den Produzenten von "SNL" egal sein, was die Kritiker denken. Schließlich war die Sendung ein echter Quotenbringer für den Sender NBC. Nur eine andere SNL-Sendung (mit Basketball-Legende Charles Barkeley als Moderator) brachte in diesem Jahr bisher bessere Quoten.

Schwerer Neuanfang

Einige Witze aus dem Lohan-Auftritt im US-TV: Schon während des showüblichen Anfangs-Monologs stellte Lohan die Frage, ob der Alarm losgehen würde, wenn sie jetzt die Bühne verlässt. Eine Anspielung auf den vom Gericht auferlegten Hausarrest im vergangenen Jahr. Vier Wochen lang durfte LiLo ihre Wohnung in Venice bekanntlich nicht verlassen und musste in diesem Zeitraum eine elektronische Fußfessel tragen.

Auch die SNL-Castmitglieder hielten sich mit den Witzen über Lohans Vergangenheit nicht zurück. Kristen Wiig zum Beispiel versicherte dem Publikum, dass Lohan jetzt endlich "clean" sei. Zu dieser Erkenntnis freilich kam sie erst, nachdem sie die 25-Jährige vor laufenden Kameras in anständiger Polizeimanier nach Drogen abgetastet hatte. Und auch Talk Show Host und altgedientes SNL-Castmitglied Jimmy Fallon stieg ins Lustigmachen über Lohan munter mit ein, indem er der Actrice versicherte, dass ein "Backup" im Publikum sitze, falls sie die Show aus "irgendeinem Grunde" nicht moderieren könnte.

Der anschließende Kameraschwenk ins Publikum zeigte einen grinsenden Jon Hamm. Der "Mad Men"-Star musste an diesem Abend allerdings nicht einspringen. Mit viel Kraft und Mühe schleppte sich Lohan zum Abspann. Und musste sich mit der alten Weisheit zufrieden geben, dass bekanntlich aller "Neu"-Anfang schwer ist. Auch in Hollywood.

Frank Siering, Los Angeles
Themen in diesem Artikel