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Versteigerung: Ein kleines Stück Kennedy

Letzte Chance: Knapp 42 Jahre nach der Ermordung John F. Kennedys versteigert Sotheby's seinen Nachlass. Wer ein Stück Kennedy erwerben will, kann persönlich, über Telefon oder Fax mitbieten.

42 Jahre nach der Ermordung des damaligen US-Präsidenten John F. Kennedy, elf Jahre nach dem Tod seiner Frau Jacqueline Kennedy Onassis und sechs Jahre seit dem Flugzeugabsturz ihres Sohnes John Junior versteigert Sotheby's alles, was vom Nachlass der berühmten Familie geblieben ist. Auf dem Auktionsblock in New York sind Kunstwerke, Bücher, persönliche Fotos und die Einrichtung von fünf Häusern zu finden. Dass der Kennedy-Mythos die Preise wie schon bei der ersten Auktion vor neun Jahren in astronomische Höhen treiben wird, gilt als fast sicher.

Der Verlobungsring für 3,9 Millionen Mark

1996 hatten sich Verehrer von JFK und seiner ebenso schönen wie klugen Frau nicht gescheut, das Hundertfache des Schätzwertes für ihre Hinterlassenschaften ausgegeben. Den Vogel schoss Arnold Schwarzenegger ab. Er zahlte damals umgerechnet 1,15 Millionen Mark für einen Satz Golfschläger und überbot den Mindestpreis damit um das 858fache. Der Verlobungsring, den der Tanker-Tycoon Aristoteles Onassis der jungen Kennedy-Witwe an den Finger gesteckt hatte, fand 1996 für 3,9 Millionen Mark einen Liebhaber.

Der bevorstehenden Versteigerung fehlen spektakuläre Lose wie jener 40-karätige Ring. Die Figur eines Khmer-Gottes aus dem 11. Jahrhundert ist das teuerste Objekt im 380-seitigen Katalog für die Auktion von Dienstag bis Donnerstag. Die kleine Statue aus grauem Sandstein soll wenigstens 40.000 bis 60.000 Dollar einbringen.

Sitzen wie JFK

Doch Sotheby's-Auktionator David Redden glaubt, dass der letzte noch käufliche Schaukelstuhl aus Kennedys Nachlass ihr die Schau stehlen könnte. In ihm hatte John F. seinen schmerzenden Rücken ausgestreckt, wenn er sich in dem Haus am Meer von Hyannis Port in Massachusetts von der Politik erholte. 1996 war ein ähnlicher Schaukelstuhl für 664.000 Mark - statt geforderter 7500 Mark - zugeschlagen worden.

Höchstpreise erwartet der Experte auch für Mobiliar, mit dem die für ihren guten Geschmack bekannte Jackie die Privaträume des Weißen Hauses dekorierte. Nostalgische Gefühle dürfte das Bettzeug von Caroline und "John John" aus den Kinderzimmern im Weißen Haus erzeugen.

Kennedys Bücher lesen und seine Platten hören

Nachdem schon von den tausenden Losen der ersten Auktion nicht ein einziges zurückgeblieben war, rechnet Sotheby’s erst recht mit einem "Ausverkauf" der jetzt nur noch 691 Posten. Selbst vergilbte Zeitungen aus den Kennedy-Haushalten, Bücher z.B. von John Updike, S.J. Perelman und Tom Wolfe, alte Platten - darunter Scheiben von Elvis Presley - und Geschirrtücher werden reges Interesse finden, meint der Auktionator.

Caroline Schlossberg Kennedy und ihr Bruder John Kennedy Jr. hatten nach dem Krebstod der Mutter rund 5000 Erinnerungsstücke zur Versteigerung freigegeben, um mit dem Erlös die Erbschaftssteuer zu bezahlen. "Durch den Tod meines Bruders hatte ich auf einmal wieder mehr Häuser und Besitz, als ich unterbringen und genießen konnte", begründet die in Manhattan beheimatete Kennedy-Tochter im Katalog. Alles von historischer Bedeutung habe sie der Gedächtnisbibliothek ihres Vaters übergeben. "Und das, was für mich und meine Kinder emotionalen Wert hat, habe ich behalten".

Gisela Ostwald/DPA / DPA