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Was macht eigentlich ...: ... Dagmar Metzger?

Die SPD-Abgeordnete hatte 2008 angekündigt, Andrea Ypsilanti bei der Wahl zur hessischen Ministerpräsidentin die Stimme zu verweigern, falls die sich durch die Linkspartei tolerieren lasse.

Frau Metzger, vor Ihnen liegt ein SPD-Feuerzeug aus dem Hessen-Wahlkampf 2008 ... sweet memories?
Irgendwie schon. Es sind eine ganze Menge von den Dingern übrig geblieben - die kann ich noch gut benutzen. Auch wenn sich der Spruch "Die Zeit ist reif" ein bisschen überholt hat.

Was ist Ihnen sonst aus der großen Politik geblieben?
Drei Wäschekörbe voll unsortierter Briefe und Faxe, jede Menge E-Mails. Und immer wieder Begegnungen mit Menschen, die mir Zustimmung und Dankbarkeit signalisieren.

Wie zum Beispiel Roland Koch?
Schlechtes Beispiel. Obwohl ich ihm tatsächlich kürzlich noch einmal begegnet bin. Wir haben aber nicht viel geredet. Nur Small Talk. Eigentlich ist der ein sehr freundlicher Mensch.

Zu Ihnen mal ganz sicher …
Das meine ich nicht politisch! Und ich bin auch nicht dafür verantwortlich, dass er eine dritte Amtszeit bekommen hat.

Fühlen Sie sich noch wohl in Hessen?
Sicher. Die Aufregung um mich hier in Darmstadt hat sich längst gelegt. Ich suche allerdings gerade eine Wohnung in Berlin.

Oha. Bundespolitische Ambitionen?
Nein, ich bleibe, wo ich bin. Aber ich will mal wieder öfter in meiner Heimatstadt sein.

Dafür haben Sie jetzt ja auch Zeit. Ist doch wohl eher langweilig bei der Sparkasse?
Ich war vor der Landtagswahl Justiziarin bei der Sparkasse und bin es jetzt wieder. Und zwar gern. Und dass es da besonders langweilig wäre, kann ich auch nicht sagen. Ruhiger ist mein Leben jetzt natürlich wieder.

Und unpolitisch.
Überhaupt nicht! Ich bin kommunalpolitisch aktiv, stellvertretende Fraktionsvorsitzende im Stadtparlament, außerdem kulturpolitische Sprecherin. Das macht eigentlich viel mehr Spaß als die Politik im Landtag, weil man näher am Bürger ist.

Na klar. Und jetzt mal im Ernst … Ihre Genossen haben Sie kaltgestellt.
Nein. Ich habe für mich entschieden, nicht mehr bei der Landtagswahl anzutreten.

Rücksichtsvoll. Die SPD hat es derzeit ja auch ohne Sie schwer genug.
Die Partei hat ein grundsätzliches Problem: Sie weiß offenkundig nicht mehr, wohin mit sich. Darum ist sie für viele Wählerinnen und Wähler auch nicht erkennbar. Die SPD hat die Mitte der Gesellschaft aus den Augen verloren.

Das sehen Steinmeier und Müntefering anders.
Natürlich. Ich fürchte aber, dass beide nach der Bundestagswahl politische Auslaufmodelle sind. Die SPD hat nicht mehr das Augenmaß, eine Balance zwischen dem Erwirtschaften und dem Verteilen herzustellen, ist auf dem romantischen Sozialtrip.

Und was bedeutet das für die Zukunft?
Die nächste Generation der SPDFührung um Klaus Wowereit und Andrea Nahles wird dafür sorgen, dass bis 2013 die Voraussetzungen für ein Bündnis von SPD und Linkspartei auf Bundesebene geschaffen werden. Damit hätte ich persönlich nach wie vor Probleme.

Mit welcher Konsequenz?
Wenn es so kommt, überlege ich, aus der SPD auszutreten.

Warum sind Sie noch in der SPD?
Die Sozialdemokratie ist die Leitidee meines Lebens: Gerechtigkeit, Solidarität, Realitätssinn. Mir fehlen heute nur leider die Vorbilder. Wissen Sie, was ich im Moment lese?

Nein.
"Unter Linken: Von einem, der aus Versehen konservativ wurde" von Jan Fleischhauer.

Christoph Wirtz / print