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Was macht eigentlich ...: ... Gojko Mitic?

Der Jugoslawe, gefeierter "Winnetou des Ostens", gab 15 Jahre lang bei den Karl-May-Spielen in Bad Segeberg den edlen Wilden.

Was waren Sie als Kind: Cowboy oder Indianer?

Immer Cowboy. Weil die Indianer in den John-Wayne-Filmen, die ich als Kind so gerne guckte, immer böse waren.

Und so einer wird "Winnetou des Ostens"!

Aber viel, viel später. Die Bezeichnung verdanke ich den Wessis. In der DDR war ich für meine Fans einfach der "Chef-Indianer". Übrigens, im Film habe ich nie den Winnetou gespielt!

Sie stammen aus Jugoslawien, haben Anfang der Sechziger in italienischen und britischen Filmen angefangen, 1963 sogar in Atze Brauners "Old Shatterhand" eine kleine Rolle bekommen.

Da war ich ja schon im Geschäft. Ich hatte in "Onkel Toms Hütte" den Attentäter auf Abraham Lincoln gespielt. Und dann trat Karl May in mein Leben. Es war großartig, denn ich kannte alle Bücher. Und plötzlich standen dann noch die lebenden Legenden Pierre Brice und Lex Barker vor mir - da war ich richtig ehrfürchtig.

Wirklich populär wurden Sie dann mit den Indianerfilmen der Defa.

Es fing ganz harmlos an. Ich hatte in "Unter Geiern" einen Indianer gespielt, das kam gut an. Dann meldete sich die Defa, sie suchten einen Hauptdarsteller für "Die Söhne der Großen Bärin". Den Film haben 11 von 17 Millionen DDR-Bürgern im Kino gesehen, der Start für meine Indianerkarriere.

Vermissen Sie die DDR?

Man sollte nicht zu nostalgisch sein, sondern nach vorne schauen. Manche Sachen waren sehr schön. Die Erwartungen an die Wende aber waren überzogen. Viele dachten: Jetzt wird der Trabi gegen den Benz getauscht.

Ihren ersten "Winnetou" haben Sie erst bei den Karl-May-Spielen in Bad Segeberg gespielt, dann aber in über 1000 Aufführungen.

Das war verdammt lange. Da landest du für immer in einer Schublade. Es war das Publikum, das mich gehalten hat. Aber als ich dann in der Spielzeit 2006 in "Winnetou 3" den Bühnentod starb, haben alle geweint, auch die Jungs aus dem Team.

Wie ist eigentlich Ihr Verhältnis zum West-Winnetou Pierre Brice?

Ich habe ihn nie als Konkurrenz verstanden. Wir waren einfach zwei verschiedene Winnetous. Übrigens - die Defa-Filme waren besser recherchiert. Ein richtiger Apache hätte sich in Winnetous Lederkluft mit Perlen totgeschwitzt.

Woher wissen Sie das? Haben Sie mal ein Indianerreservat besucht?

Ich war zweimal bei den Sioux und habe auch einen meiner Filme gezeigt. Der hat den Sioux schwer gefallen. Weil in meinen Filmen die Indianer die Guten waren.

Irgendwie bleiben Sie ja dem edlen Wilden treu. Einen Indianer haben Sie auch am Schweriner Staatstheater in "Einer flog über das Kuck­ucksnest" gespielt, den Häuptling Bromden.

Das war aber ein anderer Indianer, ein gebrochener Mensch. Und es war nicht mal so schwer, einen Bekloppten zu spielen.

Jetzt spielen Sie …

… den Alexis Sorbas in einem Musical, wieder in Schwerin. Ältere erinnern sich ja noch an den Film mit Anthony Quinn. Sorbas ist ein Stehaufmännchen, sein Wahlspruch: "Den Tod nicht fürchten und das Leben lieben." Das könnte ich glatt übernehmen.

Was soll noch kommen?

Träume, wie den Hamlet spielen? Nein, ich lasse die Dinge auf mich zukommen. Für die meisten bin und bleibe ich eh der Indianer.

Sind Sie ein glücklicher Single?

Man kann nichts erzwingen. Die Liebe ist ein Schmetterling, der sich setzt und dann wieder wegfliegt. Aber ich bin nicht alleine, es gibt schon Freundinnen, aber eben nichts Festes.

Interview: Christoph Wöhrle / print