Was macht eigentlich ... ... Horst Hrubesch


Der Fußballer, liebevoll "Kopfball-Ungeheuer" genannt, war Anfang der 80er Jahre einer der erfolgreichsten Stürmer in Europa. Sein Verein damals: der Hamburger SV.

Herr Hrubesch, wie fängt man einen Dorsch?

Es kommt darauf an, wo man steht: Angelt man vom Ufer aus, muss man ziemlich weit werfen - mindestens 80 Meter. Nur ans Wasser treten und den Köder reinhalten, geht nicht. Wenn Sie jetzt aber auf das Buch hinauswollen, das ich Anfang der Achtziger mit einem Freund geschrieben habe

... Sie meinen "Dorschangeln vom Boot und an den Küsten"?

Genau. Das kann man leider nicht mehr kaufen. Es gab drei Auflagen, erschien sogar in Dänemark und Norwegen. Fast 70 000 Exemplare wurden verkauft, sensationell. Was sicher damit zusammenhing, dass ich damals zweimal Meister mit dem HSV wurde.

Schöne Zeiten. Heute überwintert der HSV auf einem Abstiegsplatz. Berührt Sie das?

Sehr, ich hänge an dem Verein. Ich habe einige Spiele gesehen, die haben mir richtig wehgetan. Abwehrmann Bastian Reinhardt hat es ganz gut zusammengefasst: Spielen wir schlecht, verlieren wir, spielen wir gut, gewinnen wir nicht. Für mich hat allerdings auch die Vereinsführung Schuld. Sie hat viel zu lange gezögert, ob sie Thomas Doll den Rücken stärken oder ihn entlassen soll.

Als Sie den HSV 1983 als Spieler verließen, hat das auch kein Fan verstanden. Der Klub ist danach nie wieder Meister geworden ...

Das stimmt schon. Aber mein Weggang war eine klare Absprache zwischen Manager Günter Netzer und mir. Der Unterschied zu heute ist doch, dass es uns früher viel weniger ums Geld ging. Es war nie ein Geheimnis, dass Kevin Keegan das Doppelte von mir verdiente - aber habe ich deswegen einen neuen Vertrag ausgehandelt? Mich hat nur interessiert, was ich mit Netzer persönlich abgemacht hatte - übrigens per Handschlag. Wird heute ein Spieler verpflichtet, sitzen gleich Berater und Anwalt mit am Tisch.

Seit fünf Jahren sind Sie Trainer der deutschen U-18-Nationalmannschaft. Wie sieht Ihre Arbeit mit den Jugendlichen aus?

Ich sichte Talente und betreue die Spieler bei ihren Klubs. Die sind wie wir: Jeder hat ein Ziel und ist bereit, alles dafür zu geben.

Wussten Sie, dass Sie selbst für Zinédine Zidane ein Vorbild waren? Er hat Sie als besten Kopfballspieler aller Zeiten bezeichnet.

Nein, das macht mich ein bisschen stolz.

Ehrlich: Sie wirken eher verwundert ...

Ich beschäftige mich eben nicht viel mit meiner Vergangenheit. Die Rolex, die ich zu meiner ersten Meisterschaft vom HSV bekommen habe, trägt heute mein Sohn. Es ist mir immer wieder unangenehm, wenn ich auf der Straße angesprochen werde.

Sie waren Kult. Auch weil niemand die Entstehung eines Tors schöner zusammengefasst hat: Manni Bananenflanke, ich Kopfball - Tor.

Komisch: Ich habe 132 Bundesligatreffer erzielt, über 90 davon mit dem Fuß. Aber die Leute erinnern sich nur an die Kopfballtore. Dabei hatte ich oft einfach nur Glück.

Glück gehabt? Sie haben Deutschland 1980 zum EM-Titel geköpft ...

Aber in den Kader bin ich nur gerutscht, weil sich ein anderer verletzt hatte. Am Tag vor dem Endspiel hat Bundestrainer Derwall zu mir gesagt: Ich weiß nicht, ob ich dich morgen aufstellen soll. Bis dahin hatte ich ja kein einziges Mal getroffen! Doch ich durfte spielen. Und dass meine ersten beiden Länderspieltore ausgerechnet die sind, die uns zum Titel führten - das war eben Glück.

Auch heute sehen Sie nicht so aus, als wären Sie vom Unglück verfolgt.

Es geht mir fantastisch. Ich bin seit 35 Jahren verheiratet, und vor sechs Jahren haben wir uns den größten Traum erfüllt: Wir haben uns vier Haflinger und einen Resthof in der Lüneburger Heide gekauft. Jetzt haben wir also einen Papagei, eine Katze und fünf Pferde. Groß züchten werden wir nicht, dafür fehlt mir leider die Zeit. Aber so ganz in Ruhe durch die Heide zu reiten ist toll.

Interview: Iris Hellmuth print

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