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Was macht eigentlich ...: ... Midge Ure?

Zusammen mit Bob Geldof schrieb der Schotte 1984 "Do They Know It's Christmas?" - das dann, von Band Aid aufgenommen, zu einem Welthit wurde.

Was denken Sie, wenn jetzt wieder aus jedem Supermarkt "Do They Know It's Christmas?" dudelt?

Meine Güte, nicht schon wieder! Aber wenn die dunkle Glocke erklingt, stellen sich mir immer noch die Haare hoch. Es sollte eine Stimmung wiedergeben. Das Gefühl, helfen zu wollen, hat die Platte perfekt eingefangen.

Bob Geldof gilt als der Mann hinter Live Aid, dabei hatten Sie eigentlich die Idee ...

Damals fühlte ich mich ein bisschen wie eine betrogene Geliebte. Es ging nicht darum, dass Geldofs "Boomtown Rats" meiner Band vorgezogen wurden - und so vor Prinzessin Di spielen durften. Ich war sauer, weil Bobs Leute taten, als sei ich einfach einer der Musiker - und nicht der Organisator. Heute ist das alles nicht mehr wichtig.

Waren Sie auch 2005 von Anfang an bei der Organisation von Live 8 dabei?

Da war ich nur für das Konzert in Schottland zuständig, wo sich die Weltpolitiker des G8-Gipfels trafen. Eines aber hat sich seit dem Live-Aid-Konzert nicht verändert: Ich muss noch immer das Chaos beseitigen, das Bob hinterlässt. So verkündet er, dass Millionen Demonstranten nach Edinburgh kommen werden - und ich musste vor Ort die Polizei beruhigen, dass sie nicht wirklich die Stadt absperren, nur weil Geldof übertrieben hat.

In den Achtzigern waren Sie mal Millionär. Wenn Sie heute zurückblicken - hätten Sie vorsichtiger mit Ihrem Geld umgehen sollen?

Nein, Jungs brauchen Spielzeuge. Ich hatte meine Sammlung alter Sportwagen, Partys, ein Haus in der Karibik, und ich kaufte ein Tonstudio, was damals alle verrückt fanden. Doch es war die beste Investition meines Lebens - heute bin ich unabhängig. Ich verdiene genug mit dem Verkauf meiner Musik über meine Webseite.

Sie leben mit Ihrer Familie im beschaulichen Bath. Warum?

Anfang der Neunziger wohnte ich in einer kleinen Wohnung in Notting Hill. Eine schwierige Zeit. Ich ließ mich gerade scheiden, war an einen Plattenvertrag gebunden, der mich einengte, und sah meine Karriere den Bach runtergehen. Als ich dann meine jetzige Frau Sheridan traf und sie schwanger wurde, entschieden wir uns, ein Haus in Bath zu kaufen. Es gibt eine sehr feine Musiker-Gemeinde hier, Peter Gabriel hat in der Nähe sein Studio. Ich fühle mich sehr wohl.

In Ihrer Autobiografie "If I was" sprechen Sie offen über Ihren Alkoholentzug. Wie haben Sie erkannt, dass Sie Hilfe brauchen?

Ich habe erst mit 25 angefangen, Alkohol zu trinken. Es war immer ein gutes Gefühl - bis ich anfing, mich wie ein Dinosaurier zu fühlen, überflüssig und ungewollt. Zehn Jahre lang sah ich zu, wie die Musikwelt sich weiterentwickelte - aber ich gehörte nicht mehr dazu. Dagegen habe ich angetrunken. Und dann kam der Tag, an dem meine Frau mich rauswarf - ich habe sie ständig angelogen, meine Wodkaflaschen überall versteckt. Damals war ich kurz davor, meine Familie zu verlieren. Das hat mich wachgerüttelt. Seit meinem Klinikaufenthalt bin ich trocken.

Wie lebt es sich mit vier Frauen im Haus?

Großartig. Manchmal sind die Mädchen ein bisschen launisch. Aber im nächsten Moment umarmen sie mich liebevoll. Das ist wunderbar.

Haben Sie Ihren Britischen Verdienstorden bei der Queen tatsächlich im Kilt abgeholt?

Klar. Ich hatte mich für ein schwarzes Schottenkaro auf schwarzem Stoff entschieden - der Queen hat's gefallen. Sie sagte: "Das sieht aber schneidig aus!"

Interview: Cornelia Fuchs / print