HOME

Was macht eigentlich ...: ... Olaf Micheel?

Der Wirt einer ehemaligen LPG-Gaststätte in Trinwillershagen richtete am 13. Juli 2006 für US-Präsident George W. Bush und Kanzlerin Angela Merkel ein Grillfest aus.

Herr Micheel, vor fast genau zwei Jahren waren Sie Gastgeber der teuersten Grillparty der Menschheitsgeschichte: Knapp 15 Millionen hat Ihre Wildsau am Spieß gekostet …

Nee. Die hat nur 25 Euro pro Person gekostet, alles inklusive. Und dazu gab es ja auch noch eine Soljanka und diverse Salate.

Und eine 12.000 Mann starke Polizei- und Secret-Service-Truppe. Wie fühlt man sich da mit einem Schlachtermesser direkt neben dem US-Präsidenten?

Ich hatte das Messer doch zu keinem Zeitpunkt in der Hand, die Amis sind doch nicht verrückt! Das wurde ihm diskret von einem Agenten angereicht, der zwei Zentimeter hinter mir stand. Wenn ich George hätte umbringen wollen, hätten wir schon alle vergiften müssen.

Reizende Vorstellung.

Sagen Sie. Aber es gibt so Irre. Die haben hinterher bei mir angerufen oder Drohbriefe geschickt: Ich sei ein Kriegsverbrecher und sonst was, weil ich den Bush bewirtet habe. Aber ich denke mal, das sind so ganz verbohrte Ewiggestrige.

Die Schattenseite des Ruhmes! Sie sind seitdem schließlich größte Attraktion zwischen Bad Sülze und Fuhlendorf.

Ich doch nicht. Aber mein "Wildschweingrillen à la Bush"! Da kommen wirklich Menschen aus aller Herren Länder. Allein 40 Gruppen im vergangenen Jahr. Gerade war wieder eine 60-köpfige Truppe aus Denver da.

Bush-Touristen in Meck-Pomm …

Genau. Die wollen alles ganz genau so nachgestellt haben, wie es bei Bush war. Also ohne Polizei natürlich. Ich suche mir dann immer zwei aus der Gruppe raus, die George und Frau Merkel mimen und mit dem Originalmesser das Wildschwein anschneiden. Und dann fotografieren die Leute sich gegenseitig auf dem Platz, wo Bush gesessen hat.

Und Sie erzählen wie der Kriegsheld von der siegreichen Schlacht?

So ähnlich. Die Leute interessieren sich wirklich für jedes kleinste Detail. Ich ziehe mein US-Hemd an und bringe meine Trophäen mit: seine Serviette, das Besteck, die leere Bierflasche. Das war natürlich amerikanisches Bier, alkoholfrei. Hat er aber aus einem Glas der Lübzer Brauerei getrunken. Die waren hinterher vielleicht stolz!

Und Sie?

Und wie! Ich bin Gastronom aus Leidenschaft! Und es kam ja danach auch jede Menge Post aus Amerika: The White House, Washington - mit Adler und Goldsiegel. Unsere Postfrau war immer ganz aufgeregt, wenn wieder ein Brief kam. Laura Bush hat mir ein silbernes Visitenkartenetui geschickt, George persönlich einen handschriftlichen Dankesbrief. Mit Übersetzung. Ich spreche ja besser Russisch.

Was wurde eigentlich aus dem Fremdenzimmer, das Sie für Bush umgerüstet haben?

Da haben die Telekommunikationsagenten des Weißen Hauses vergessen, die zusätzlichen Anschlüsse hinter dem linken Nachtschrank zurückzubauen. Das ist ganz gut so. Jetzt kann ich meinen Feriengästen nämlich beweisen, warum Zimmer 14 "Präsidentensuite" heißt. Da war eben mal ein echter Präsident drin.

Das können die meisten Nobelhotels in der Hauptstadt nicht von sich behaupten.

Sehen Sie. Wir sind hier eben doch nicht so ein Kackdorf, wie viele immer meinen. Und übrigens nicht erst seit Bush! Hier in meinem Hause hat zu DDR-Zeiten immerhin schon mal Abba gesungen. Abba! So isses ja nu nicht.

Interview: Christoph Wirtz / print