Bushs Abschiedsbesuch 20 Stunden Zeit für die Kanzlerin

US-Präsident George W. Bush ist auf Abschiedstour - und bisher weint ihm in Europa kaum jemand eine Träne nach. Im Gegenteil, die meisten Politiker bereiten sich schon auf die Zeit danach vor. So bleibt es an seiner alten Bekannten Angela Merkel, ihm den ersten privaten Termin zu versüßen: mit Schnitzel und Spargel.

Die Kulisse des Barockschlösschens Meseberg scheint Präsident George W. Bush zu gefallen. Bundeskanzlerin Angela Merkel leitet den US-Präsidenten am Dienstagabend nach der Landung zu den Stufen des Gästehauses der Bundesregierung, weit draußen im Brandenburger Land. Was ihm denn an Deutschland gefalle, wird Bush, der betont locker mit offenem blauen Hemd ohne Krawatte bei seinem vermutlich letzten Deutschland-Besuch daherspaziert, zugerufen: "Die Menschen, gefolgt von der Landschaft", gibt Bush zurück. Oben auf dem Treppenabsatz setzen Merkel, Bush und ihre Ehepartner Joachim Sauer und Laura Bush zum Auftakt der Goodbye-Visite in Deutschland freundliche Gesichter auf.

Bush sollte sich in Deutschland heimisch fühlen: Alles sollte nach dem Muster des Merkel-Besuchs auf Bushs Privatranch in Crawford im vergangenen November ablaufen. Es sollte wieder eine Mischung aus privatem und offiziellem Rahmen sein. Auch die Ehepartner mussten wieder mit von der Partie sein, obwohl Merkels Ehemann Joachim Sauer solche Termine nach wie vor eher meidet.

Ohne Grillen geht's nicht

Nach der Ankunft war ein privates Essen im kleinen Kreis geplant. Beelitzer Spargel und ein Schnitzel sollten gereicht werden. Das Grillen, das seit dem Wildschwein-Essen von Trinwillershagen im Juli 2006 anscheinend zwingender Bestandteil von Merkel-Bush-Begegnungen geworden ist, sollte dann zum Abschluss am Mittwochmittag folgen. Noch einmal wollte die Kanzlerin während des 20-stündigen Aufenthalts mit Bush alle internationalen Konfliktthemen vom Iran-Atomstreit bis hin zum Klimaschutz diskutieren.

Aber auch die Kanzlerin, die sich im Gegensatz zu ihrem Vorgänger Gerhard Schröder immer um ein gutes Auskommen mit dem US-Präsidenten bemüht hatte, maß der Visite wegen der zu Ende gehenden Amtszeit Bushs nicht mehr die Bedeutung zu wie vor zwei Jahren in Trinwillershagen. So war es eine bewusste Entscheidung der Bundesregierung, dass Bush nicht Berlin besuchte, weil dies wegen der für einen US-Präsidenten üblichen Sicherheitsmaßnahmen die ganze Stadt lahmgelegt hätte. Die Bedeutung des Besuchs hätte die Beeinträchtigung der Bürger wohl nicht gerechtfertigt.

Alte Bekannte mit zweispältigem Verhältnis

Bush war wegen des Irak-Kriegs in Deutschland wenig beliebt, zum Teil sogar verhasst. Merkels Verhältnis zu ihm war zwiespältig. Weil sie die USA wegen der gemeinsamen Werte und historischen Wurzeln als natürliche enge Verbündete ansieht, war es für sie selbstverständlich, um den umstrittenen Präsidenten zu werben.

Sie wollte ihn von Beginn an einbeziehen, auch um die deutsche G8- Präsidentschaft im vergangenen Jahr zu einem Erfolg zu machen. Sie wusste, dass auch danach in den Krisenregionen wie dem Nahen Osten und dem Iran ohne die USA nichts geht. Es berührte sie, wie sich Bush immer wieder für ihre Vergangenheit in der DDR und ihren politischen Werdegang interessierte. Und doch versuchte sie eine gewisse Distanz zu halten, auch weil sie Teile seines Kurses ablehnte, ohne dies öffentlich aber zu laut zu sagen.

Vernichtende Bilanz der US-Außenpolitik

Deutsche Außenpolitiker zogen noch vor seiner Landung eine vernichtende Bilanz seiner Außenpolitik. Der Vize-Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses Hans-Ulrich Klose (SPD) sagte, die außenpolitischen Entscheidungen des Präsidenten seien im wesentlichen "konfrontativ" gewesen. Der CDU-Außenpolitiker Eckart von Klaeden kam zum Urteil: "Ich werde George W. Bush nicht vermissen." Im Kanzleramt und bei den deutschen Außenpolitikern bereitet man sich aber längst auf die Zeit nach Bush vor. Was wird sich unter dem Demokraten Barack Obama oder dem Republikaner John McCain als Präsident ändern, lautet die Preisfrage in diesen Kreisen. Doch so recht hat derzeit keiner eine schlüssige Antwort.

McCain, der Vietnam-Veteran, gilt als harter Hund. Obama als unbeschriebenes Blatt. McCain werde von den Europäern mehr Unterstützung in Krisenregionen wie Afghanistan verlangen, meint ein langjähriger Außenexperte der Union. Obama werde hingegen von den Europäern mehr eigene Verantwortung fordern. "Im Endeffekt wird es kaum einen Unterschied geben", lautet das Fazit. Auch Merkel dachte kurz vor der Begrüßung von Bush in Meseberg schon an den künftigen US-Präsidenten. Sie versicherte zwar, dass sie nicht so viel mit Bush über Abschied reden werde, fügte aber hinzu: "Es wird eine neue Zeit kommen."

Freundlicher Empfang wird erwartet

So könnte Bush im Nachhinein als ein für Europa eher bequemer US-Präsident gelten, meinte ein europäischer Spitzendiplomat in Washington. Bushs katastrophales Image habe Europa fast eine Art Alibi gegeben, sich weltpolitisch US-Wünschen zu verweigern. Dabei hatte Bush spätestens seit 2005 einen politischen Schwenk vollzogen und verstärkt auf Diplomatie und Absprachen mit den Verbündeten gesetzt. Zwar wachsen derzeit in Washington und Tel Aviv die Zweifel an einem Erfolg der diplomatischen Bemühungen, den Iran von der Atombombe fernzuhalten; dennoch setzt Bush offensichtlich weiter auf die europäische Verhandlungs- und Sanktionsstrategie. Konsequent vermied Bush in Brdo trotz harter Worte gegen Teheran, irgendetwas zu sagen, was als militärische Drohung interpretiert werden konnte.

Auch weil es Bushs Abschiedstour ist, erwartet das Weiße Haus wohl zu Recht in allen Hauptstädten einen überaus freundlichen Empfang. In London trifft Bush zum Ende seiner Reise den britischen Premier Gordon Brown, der wie Bush bei seinen eigenen Landsleuten laut Umfragen derzeit höchst unbeliebt ist. "Es ist schön für Bush mal jemanden zu treffen, dem es noch schlechter geht als ihm selbst", lästerte der Politologe Dale.

DPA/AP AP DPA

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