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Frühere First Lady "Nichts davon war einfach": Als Michelle Obama das Weiße Haus den Trumps überlassen musste

Michelle Obama, ehemalige First Lady der USA
Michelle Obama, ehemalige First Lady der USA
© Teresa Crawford/AP / DPA
Schonungslos, offen: So berichtet Michelle Obama, frühere First Lady der USA, von der Übergabe der Amtsgeschäfte an die Trumps. Das ist nun vier Jahre her. Heute stellt sich der amtierende Präsident demonstrativ quer. 

Wo waren Sie vor vier Jahren? Was ist Ihnen durch den Kopf gegangen, wie haben Sie sich gefühlt? Michelle Obama findet eine klare Antwort auf diese Fragen: "Ich war verletzt und enttäuscht." Was die frühere First Lady der USA nun in einem Instagram-Posting rückblickend schildert, möchte und will dem abgewählten US-Präsidenten Donald Trump nicht gelingen: die Übergabe der Amtsgeschäfte. Auch dafür wählt die 56-Jährige deutliche Worte, aber dazu später mehr.

Zunächst schildert Obama, wie sie die Zeit des Übergangs erlebt hat – und welche Überwindung sie das gekostet habe. Damals mussten sie und Ehemann und Präsident Barack Obama das Weiße Haus an Trump und dessen Ehefrau Melania übergeben. "Ich war verletzt und enttäuscht", so Obama, "aber die Stimmen waren gezählt und Trump hatte gewonnen."

Michelle Obama: "Nichts davon war einfach für mich"

Es gehöre zu der großen Verantwortung, die einer Präsidentschaft innewohnt, auf die Stimme der Wähler zu hören. "Und so haben mein Mann und ich unsere Mitarbeiter angewiesen das zu tun, was George und Laura Bush (die Amtsvorgänger der Obamas, Anm. d. Red.) für uns getan haben: für eine respektvolle, nahtlose Machtübergabe zu sorgen – eines der Kennzeichen der amerikanischen Demokratie." 

Nur: Was, wenn die Macht ausgerechnet an Donald Trump übergehen soll?

"Ich will ehrlich sein, nichts davon war einfach für mich", schreibt Obama. "Donald Trump hat rassistische Lügen über meinen Ehemann verbreitet und unsere Familie in Gefahr gebracht." Sie verweist damit, nicht zum ersten Mal, auf die "Birther"-Lüge, die Barack Obama seine US-Staatsbürgerschaft und damit auch das Präsidentenamt absprechen sollte – und von Trump maßgeblich im Wahlkampf gestreut wurde. "Ich war nicht bereit, ihm dafür zu vergeben."

Doch sei es für das Wohl des Landes unabdingbar gewesen, ihren "Zorn" hintenanzustellen. Also habe sie Melania im Weißen Haus willkommen geheißen, ihre Erfahrungen mit ihr geteilt – etwa, wie sich das Leben durch den Job als First Lady verändere und wie man Kinder im Weißen Haus großziehe. "Tief in meinem Herzen wusste ich, dass es das Richtige war."

Ihr Handeln wirkt im aktuellen Kontext beinahe aus der Zeit gefallen. Nur vier Jahre später gestaltet sich die Lage so: Donald Trump will seine Wahlniederlage noch immer nicht akzeptieren, sieht sich als Opfer eines systematischen Wahlbetrugs, für den es keine Belege gibt, und verweigert die Übergabe der Amtsgeschäfte an seinen designierten Nachfolger Joe Biden. Ein Umstand, der sich mit dem Buchtitel von Barack Obamas Memoiren ("Ein verheißenes Land") – worüber der frühere Präsident exklusiv mit dem stern und RTL gesprochen hat – sicher nicht beschreiben lässt.

Und so richtet die First Lady, zum Erscheinungstag des Buches, einen Appell an alle Amerikaner: Die US-Demokratie sei "so viel größer als jemandes Ego", schreibt sie in ihrem Posting, und die "Liebe zum Land" verlange es, die Ergebnisse einer Wahl zu respektieren. Selbst, wenn man diese nicht möge und sich einen anderen Ausgang gewünscht hätte. "Die Präsidentschaft gehört nicht einem Individuum oder einer Partei. So zu tun, als wäre das der Fall, mit haltlosen Verschwörungstheorien zu spielen – aus persönlichem oder politischen Vorteil –, bringt die Gesundheit und Sicherheit unseres Landes in Gefahr."

Ihr Fazit: "Das hier ist kein Spiel." Und ihre Botschaft: "Deshalb möchte ich alle Amerikaner, insbesondere die Führer unser Nation, unabhängig von ihrer Partei, auffordern, den Wahlprozess zu ehren und ihren Beitrag zu einem reibungslosen Machtwechsel zu leisten, so wie es Präsidenten in unserer gesamten Geschichte getan haben." 

Donald Trump darf sich angesprochen fühlen.

fs

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