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Was macht eigentlich...: ...Garri Kasparow?

Vor fünf Monaten hat der geniale russische Schachspieler - Weltmeister zwischen 1985 und 2000 - seinen Rücktritt vom Wettkampfsport erklärt.

Beim letzten Profiturnier Ihrer Karriere vor fünf Monaten hat Ihre Mutter geweint.

Ja, sie lief mit Tränen in den Augen am Publikum vorbei. Es war ein schmerzhafter Moment für sie. Sie hat sich 30 Jahre um meine Karriere gekümmert.

Wie findet sie es denn, dass Sie nun in die Politik gegangen sind?

Sie unterstützt mich darin, dass ich etwas verändern will. Auch wenn meine Chancen in der Politik geringer sind, als ich es gewohnt bin. Politik heißt Kompromisse machen. Ich weiß noch nicht, ob ich der Beste dafür bin.

Schachweltmeister Wladimir Kramnik, ihr Landsmann, meinte: "Mir gefällt es nicht, dass sich Kasparow hinstellt und sagt, er wolle mehr Demokratie in Russland schaffen."

Wenn man in Paris wohnt, kann man leicht reden. Ich lebe in Moskau, ich reise herum. Russland ist vielleicht noch keine Diktatur. Aber es bewegt sich irgendwo zwischen Diktatur und Polizeistaat. Sie wollten mit anderen Oppositionellen eine Partei gründen. Das ist gescheitert. Die so genannte Opposition in Russland sieht den Kreml immer noch als potenziellen Verhandlungspartner. Ich glaube aber, dass es schadet, irgendetwas mit dem Kreml zu diskutieren. Das Ziel muss sein, dieses Regime zu demontieren.

Jetzt haben Sie die "Vereinigte Bürgerfront" ins Leben gerufen. Ist Ihr Ziel die Duma?

Nein, wir wollen Protestpotenzial bündeln. Im gegenwärtigen Russland bei Wahlen anzutreten wäre sinnlos. Die Ergebnisse werden im Kreml vorherbestimmt. Wenn Sie einen guten Freund von Putin kennen - vielleicht Ihren Kanzler -, kann der sich ja schon mal erkundigen, wie die nächsten Wahlen ausgehen.

Sie wissen sicher, dass Deutschland vermutlich bald von einer Kanzlerin regiert wird?

Ich hoffe sehr, dass die Deutschen nicht länger einem Mann vertrauen, der Putin einen Demokraten nennt.

Sie sitzen hier mit zwei Leibwächtern.

Die musste ich leider engagieren. Mit Bodyguards bin ich wenigstens vor kleineren Angriffen geschützt.

So wie neulich, als Ihnen bei einer Veranstaltung ein ehemaliger Fan ein Schachbrett auf den Kopf geschlagen hat.

Das war eine inszenierte Provokation. Die Szene wurde gleich aus zwei Winkeln fotografiert. Sicher nicht zufällig.

Politik machen kostet Geld. Wie finanzieren Sie sich?

Es gibt Gruppen, die uns unterstützen, unglücklicherweise kann ich aber Namen nicht nennen. Niemand in Russland wäre momentan bereit, öffentlich darüber zu reden.

Russische Medien schreiben viel über Ihre Beziehung zu einer jungen Wirtschaftswissenschaftlerin aus St. Petersburg und Ihre Pläne, bald zum dritten Mal zu heiraten.

Die Hochzeit war schon. Wir haben das nur nicht öffentlich gemacht, weil es ein paar Probleme wegen meiner Scheidung gab. Es stört mich überhaupt nicht, Fragen nach meinem Privatleben zu beantworten.

Dann verraten Sie, was es damit auf sich hat, dass Sie in Kati Witt verliebt gewesen sein sollen.

Tolle Geschichte. Habe ich oft gelesen. Sie stimmt nur nicht. Es war so, dass einer meiner Freunde ein Autogramm von Katarina Witt haben wollte, und mein Manager hat es ihm besorgt. Ich verheimliche keine meiner Affären, und Katarina Witt ist eine attraktive Frau. Aber ich hatte nie das Vergnügen, sie kennen zu lernen.

Interview: Andreas Albes / print