HOME

Was macht eigentlich...: ...Henrico Frank?

Der Wiesbadener galt als Deutschlands frechster Arbeitsloser. Grund: Er hatte mehrere Jobangebote von SPD-Chef Kurt Beck ausgeschlagen. Zuvor hatte Beck ihm geraten, sich zu waschen und zu rasieren, dann fände er auch Arbeit.

Punker-Frisur, Bart, Nasenring - Sie sind ja wieder ganz der Alte.

Das gehört bei mir seit 25 Jahren dazu. So fühl ich mich, wie ich bin.

Aber zwischendurch war doch mal waschen und rasieren für Herrn Beck angesagt.

Gewaschen hab ich mich auch ohne Herrn Beck. Ansonsten sag ich nur: Wachsen lassen, und es klappt trotzdem mit ’nem Job.

Was sagt denn Ihr Chef dazu?

Der findet das okay. Schließlich betreue ich bei dem Fernsehsender iMusic1 die tägliche Rockshow. Da wär’s doch verlogen, wenn ich rumlaufen würde wie ein Spießer.

Was machen Sie dort genau?

Ich bin zuständig für die Sparten Punk und Rock, wähle Musikvideos aus und aktualisiere sie. Außerdem unterstütze ich die Produktion einer Kindersendung.

Wie bitte?

Ich arbeite als Kameraassistent für die TV-Sendung "Morning Youngstars On Tour", eine Art "Sendung mit der Maus".

Und dafür wählen Sie die Musik aus?

Nee, da wär ich nicht gerade der Fachmann. Ich steh ja mehr auf Sex Pistols oder Iron Maiden. Das würde den Kindern wahrscheinlich nicht so gut bekommen. Ich begleite aber oft Außenaufnahmen für kindgerechte Einspielungen, zum Beispiel aus dem Zoo oder aus Ferienparks.

Aber von Kameratechnik hatten Sie doch gar keine Ahnung.

Man hat mir einen Mentor zur Seite gestellt, und der hat mir in vier Wochen so viel beigebracht, dass ich sogar schon die ersten Drehs alleine machen konnte.

Sie arbeiten jetzt schon mehr als vier Monate ...

... und keinen Tag gefehlt, täglich um 6 Uhr aufgestanden, manchmal sogar einen 14-, 16-Stunden-Tag gehabt.

Wie sind Sie an den Job gekommen?

Im Endeffekt übers Arbeitsamt. Obwohl es dort erst mal hieß: "Herrn Frank kennen wir nicht", als der Sender nach mir gefragt hat. Gott sei Dank war mein Chef aber hartnäckig und hat so lange gebohrt, bis mir das Stellenangebot übermittelt wurde.

Und dann?

Dachte auch er erst, wie viele andere zuvor, ich wär ein Faulenzer, weil ich mich nicht gleich gemeldet habe. Aber die Post hat so lange gebraucht. Als ich den Brief in der Hand hatte, ging alles ganz schnell. Bei der Vertragsunterzeichnung hab ich mich gefühlt wie ein Bundesligastar.

Verdienen Sie jetzt auch so viel?

Schön wär’s. Ich hab gerade mal 50 Euro mehr in der Tasche als mit Hartz IV. Ich muss nämlich noch Schulden abbezahlen.

Aber Spaß macht’s trotzdem?

Klar. Ich liebe Punk und Rock, seit ich 13 Jahre bin. Früher hab ich mir das Geld für Konzerte vom Mund abgespart, heute bezahlt mir das der Sender. Ich lerne Künstler persönlich kennen und hab alle neuen Songs auf dem Tisch. Was will man mehr?

Ja, was?

Mein Traum ist eine eigene Sendung. Aber erst mal bin ich froh, dass ich meine Probezeit bestanden habe.

Je wieder was von Herrn Beck gehört?

Nee. Aber vielleicht hört Herr Beck bald was von mir. Wir produzieren gerade eine CD über unsere Geschichte, das wird eine harte Punkrock-Nummer.

Ging ja auch ganz schön ab damals. Was, würden Sie rückblickend sagen, ist schiefgelaufen?

Ich hab’s Maul aufgerissen, hab den Beck blöd angemacht, hab aber seine Jobangebote nicht angenommen, weil klar war, dass ich sie wegen meiner körperlichen Einschränkungen sowieso nicht ausüben kann.

Und Ihr Song zur Geschichte heißt wie?

"Wasche und rasiere dich".

Interview: Regina Weitz / print