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Weihnachtsmarkt-Anschlag: Unsensibel, respektlos: Opfer-Beauftragter geht hart mit Kanzlerin und Behörden ins Gericht

Die Hinterbliebenen der Terroropfer vom Breitscheidplatz wurden von den Behörden und der Regierung allein gelassen. Zu diesem traurigen Fazit kommt der Opfer-Beauftragte Beck ein Jahr nach dem Attentat.

Der Beauftragte für die Opfer und Hinterbliebenen des Anschlags vom Berliner , Kurt Beck (SPD), hat laut einem Medienbericht eine "deutliche" Erhöhung der Entschädigungen für Opfer und Hinterbliebene nach einem Anschlag gefordert. 10.000 Euro für den Verlust naher Angehöriger wie Kinder oder Ehepartner seien "zu niedrig", heißt es laut den Zeitungen der Funke Mediengruppe in seinem Abschlussbericht.

will an diesem Mittwoch gemeinsam mit Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) eine Bilanz seiner Arbeit ziehen. Der SPD-Politiker und frühere Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz war im März von der Bundesregierung zum Opfer-Beauftragten ernannt worden. In seinem Abschlussbericht macht Beck dem Bericht zufolge acht Verbesserungsvorschläge für die Reaktion der Behörden nach einem Anschlag, darunter die Einrichtung von Anlauf- und Betreuungsstellen unmittelbar am Tatort. Auch schlägt er die Ernennung von Opferbeauftragten in Bund und Ländern vor, die im Krisenfall schnell reagieren und alle Anträge auf Leistungen von einer zentralen Stelle abwickeln könnten. Kritik übt Beck am Umgang der Polizei mit den Betroffenen. Manche Hinterbliebenen hätten sich von den Beamten "mehr Sensibilität gewünscht", heißt es laut den Funke-Zeitungen in dem Abschlussbericht.

Bundeskanzlerin Merkel im Gespräch mit Überlebenden des Berliner Terroranschlags

Ein Jahr danach: Bundeskanzlerin Angela spricht auf dem Weihnachtsmarkt am Berliner Breitscheidplatz mit Überlebenden des Terroranschlags.


Verständnis für Kritik an der Kanzlerin

Kurt Beck zeigte unabhängig von seinem Bericht Verständnis für die Kritik am Umgang der Bundeskanzlerin mit den Angehörigen der Opfer. Auch von Angela Merkel (CDU) sei ein Treffen mit den Angehörigen erwartet worden, sagte Beck der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

Die Betroffenen hätten das Gefühl, "dass ihr Opfer nicht ausreichend gewürdigt worden ist". wird am 18. Dezember, also einen Tag vor dem Jahrestag des Anschlags vom Breitscheidplatz, erstmals mit den Angehörigen zusammentreffen. Diese hatten die Kanzlerin kürzlich in einem offenen Brief scharf kritisiert. Es sei eine Frage des "Respekts, des Anstands", dass die Bundeskanzlerin den Verlust eines Familienangehörigen aufgrund eines terroristischen Aktes anerkenne. Merkel habe jedoch bisher weder persönlich noch schriftlich kondoliert.

"Ich verstehe den Ärger", sagte Beck. Er verwies auf den Umgang Frankreichs mit Angehörigen von . Dort habe der Präsident Anteilnahme in Form eines Staatsaktes gezeigt und mit den Betroffenen gesprochen. Die Bundesrepublik lerne momentan den Umgang mit Terrorismus - sowohl was den Schutz vor Anschlägen als auch die Verzahnung der Hilfe von Betroffenen angehe. 


Maas: Beck-Vorschläge rasch umsetzen

Maas warb dafür, Becks Vorschläge zügig umzusetzen. "Die Bundesregierung darf die Verletzten und Hinterbliebenen eines Anschlags nicht alleine lassen", sagte er den Funke-Zeitungen. In der "Berliner Zeitung" sprach sich Maas dafür aus, "dringend" eine mögliche Erhöhung der finanziellen Hilfen für Verletzte und Hinterbliebene nach einem Anschlag zu überprüfen.

Bei dem Anschlag am 19. Dezember 2016 hatte der Tunesier Anis Amri den Lastwagen gezielt in eine Menschenmenge auf dem Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche gesteuert. Dabei starben zwölf Menschen, etwa 70 weitere Menschen wurden verletzt. Im Bundestag wird an diesem Mittwoch ebenfalls über einen gemeinsamen Antrag von Union, , FDP und Grünen zur Verbesserung des Opferschutzes beraten. Angehörige der Opfer vom Breitscheidplatz hatten in einem offenen Brief bereits scharfe Kritik am Umgang der Behörden mit den Hinterbliebenen geübt.

dho/AFP