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Was macht eigentlich...: ...Jusup Wilkosz?

Mit Arnold Schwarzenegger trainierte er sich zum Weltmeistertitel - belegte als erster Europäer 1984 den dritten Platz im Wettkampf um die Auszeichnung "Mr. Universum".

Herr Wilkosz, werden Sie heute noch um ein Autogramm gebeten?

Nach über 20 Jahren immer noch. Im Fitnessstudio, auf der Straße, abends in der Kneipe, oftmals jedoch nur noch von meiner Generation. Obwohl ich langezeit sehr zurück gezogen gelebt habe, bin ich erstaunt, dass sich die Menschen noch erinnern, Neugierig sind und Begeisterung zeigen. Autogrammkarten habe ich keine mehr.

Sie sind irgendwann in die Einsamkeit abgetaucht. Hat Sie die Gesellschaft nicht mehr interessiert?

Der Tod meiner Frau Ende der 80er Jahre hatte mich aus der Lebensbahn geworfen. Mit diesem Schicksalsschlag kam gleichzeitig das abrupte Ende meine Karriere - jedoch aus anderen Gründen. Das war zu viel auf einmal. Ich wollte weg von alledem.

Ihr "Aus" wegen geplatzten Verträgen und "gefakten" Unterschriften. Man hat Sie ausgenutzt und betrogen. Rachegelüste?

Ich habe das Desaster damals zu spät erkannt. Und in kürzester Zeit war mir alles genommen: Meine Frau, mein Fitnessstudio, meine Werbeverträge mit Sponsoren, Zulassungen zu Wettkämpfen - schlicht mein Lebensinhalt. Die ausgeprägte Gutmütigkeit wurde mir zum Verhängnis, mein berufliches und teils auch privates Umfeld hatte mich ausgenutzt, das stimmt. Doch ich glaube an das Gute und bin ein ehrlicher Mensch. Das war damals das Problem, doch deswegen bin ich auch heute niemandem mehr nachtragend.

Knapp 10 Jahre danach! Nun hat Sie im vergangenen Frühjahr der Autor Dr. Heiger Ostertag aufgespürt und jetzt Ihr Karriereleben als Roman veröffentlicht...

...und mich dadurch wieder ins Leben zurück geholt. Es war ein Erwachen nach dem langen Schlaf, meinem Verwandlungsschlaf. Ich weiß nicht, ob ich mich sonst noch mal in der Öffentlichkeit gezeigt hätte. Die Zeit, in der wir zusammen meine Vergangenheit, Aufstieg, Höhepunkt, Absturz aufgearbeitet haben, entfachte in mir neuen Lebensmut. Ich trainiere wieder, unternehme was mit Freunden.

Wenn Sie an einem Kiosk vorbeilaufen und ein Bodybuilding-Magazin durchblättern - wie beurteilen Sie einen geglückten Karrierelebenslauf?

Die Zeiten haben sich auch in dieser Szene merkbar entwickelt. So sind die Wettkampfanforderungen und damit der Druck auf die Trainierten gestiegen. Es geht immer weiter ins Extreme, woran viele zerbrechen. Diejenigen, die es trotzdem schaffen, sich einen Titel zu erkämpfen und im Blitzlichtgewitter dann ihren Abschied bekannt geben, können sich zufrieden zur Ruhe setzten.

Ist Ihre Karriere geglückt?

Als ich am Höhepunkt angelangt war, konnte ich zu Hause einen Berg von Auszeichnungen bestaunen: Deutschlandmeister, Europameister, Weltmeister. Man kannte meinen Namen weltweit, lud mich zu großen Veranstaltungen ein. Bundespostminister Dollinger ehrte mich für meine sportlichen Leistungen, als enger Freund Arnold Schwarzeneggers habe ich 18 Jahre an seiner Seite trainiert. Auch die Presse war mir meistens wohl gesonnen...

...und hat Sie hochgejubelt, aber auch runtergedroschen. Wie stark wurden Sie dadurch beeinflusst?

Eine große Tageszeitung hat mich einmal als "pressefreundlichen Weltmeister" betitelt. Wenn ich meine Artikelmappe von damals durchblättere sehe ich mich als Sport-Ikone dargestellt. Kritiker haben erst geschossen, als Doping ins Spiel kamen. Das war damals. Heute bin ich gespannt, wie die Medien auf mein Buch reagieren werden. Es bringt auch bisher unbekannte, unangenehme Wahrheiten ans Licht, weswegen mir schon große Firmen gerichtlich gedroht haben.

Haben Sie noch Kontakt zum kalifornischen Gouverneur?

Wir haben uns eine gewisse Zeit aus den Augen verloren, als er vom Bodybuilder zum Filmemacher und schließlich in die Politik aufgestiegen ist. Ich habe mich immer gefreut, wenn ich aus der Zeitung über seine Erfolge gelesen habe. Vor zwei Jahren erhielt ich einen Brief, in dem er mich zu sich nach Hause einlud. Er weiß von meinem Buch und wartet gespannt, was die Welt darin über ihn erfährt.

Ein Buch, das wider Erwarten keine Autobiographie, sondern ein Roman ist. Wie viel Wahrheit darf der Leser erwarten?

Mein beruflicher Werdegang ist realitätsnah abgebildet. Dr. Ostertag hat aus meinen Erzählungen, Tagebucheinträgen, den zahlreichen Bildern und den Gesprächen mit Zeitzeugen aus der Bodybuilding-Szene ein sehr kompaktes, aber auch literarisches Bild meines Lebens entwickelt. Ich war erstaunt, als ich lesen durfte, was ich alles "gedacht" habe und wie andere das Geschehen erlebt hatten.

Und was bleibt?

Ich "bleibe" für alle, die sich für mich interessieren, der Mensch Jusup Wilkosz. Und für mich persönlich bleiben die schönen Erinnerungen an die großen Momente, die vielen Freunde und ein Leben als weltbekannter Spitzensportler.

Das Gespräch führte Tobias Unger
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