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Was macht eigentlich...: Brigitte Baumeister

Die CDU-Schatzmeisterin gab 1998 ihr Amt auf - nachdem eine bis heute nicht geklärte Spende des Waffenlobbyisten Schreiber die Partei in eine tiefe Krise gestürzt hatte

Zur Person

Brigitte Baumeister, 57, geschiedene Mutter zweier Kinder, ist heute als Firmenberaterin tätig und lebt in der Hauptstadt und in Böblingen. Ihre politische Laufbahn begann die Mathematikerin 1980 in der CDU. 1990 wurde sie in den Bundestag gewählt, 1992 zur Schatzmeisterin berufen. Der damalige Parteivorsitzende Wolfgang Schäuble warf ihr 2000 im Zusammenhang mit einer 100 000-Mark-Spende des Waffenlobbyisten Karlheinz Schreiber Verfehlungen vor.

Die CDU-Schatzmeisterin gab 1998 ihr Amt auf - nachdem die bis heute nicht geklärte Spendenaffäre die Partei in eine tiefe Krise gestürzt hatte.

Baumeisters Erinnerungen mit dem Titel "Welchen Preis hat die Macht?" erscheinen am 1. März.

Das Interview mit Brigitte Baumeister führte Alexander Kühn

Frau Baumeister, wann hat Ihnen zuletzt jemand eine Spende angeboten?

Wenn Sie auf Skandale aus sind, muss ich Sie enttäuschen. Mit dem Spendensammeln war es 1998 quasi vorbei - nach meinem Ausscheiden als Schatzmeisterin. Mit kleinen Ausnahmen: Vergangenes Jahr habe ich etwa eine finanzielle Zuwendung eines Unternehmens für ein Kinderheim in Argentinien vermittelt.

Für einen guten Zweck etwas zu geben ist sicher befriedigender, als von Herrn Schreiber 100 000 Mark zu bekommen.

Diese Geschichte wird mir ewig nachhängen, obwohl sie ein völlig falsches Licht auf meine politische Arbeit wirft. Wahr ist: Die Monate der Spendenaffäre waren die schlimmste Zeit meines Lebens. Aber die Zeit heilt die Wunden.

Wie war das mit Schäuble, Schreiber und den Scheinen?

Das können Sie alles in meinem Buch lesen, das am 1. März erscheinen wird.

Die Abrechnung der Brigitte Baumeister?

Abgerechnet habe ich nur als Schatzmeisterin.

Was wird in dem Buch stehen?

Es wird ein tiefer Blick hinter die Kulissen der Macht. Ich habe Tagebuch geführt, seit ich 1990 in den Bundestag gewählt wurde.

Wie steht es mit Selbstkritik?

Mein größter Fehler war, in der 100 000-Mark-Affäre nicht früh genug Klartext geredet zu haben. Ich bin zu lange dem Drehbuch von Wolfgang Schäuble gefolgt.

Wolfgang Schäuble gilt als heißer Kandidat für die Wahl zum Bundespräsidenten. Sie kennen ihn gut. Was qualifiziert ihn für dieses Amt?

Ein Bundespräsident braucht menschliche Größe und intellektuelle Schärfe. Das zweite Kriterium erfüllt Wolfgang Schäuble wie kaum jemand anderes in der deutschen Politik.

Wie ist Ihr Verhältnis zu Schäuble?

Eisig.

Reden Sie noch mit ihm?

Wir haben schon lange nicht mehr mit einander gesprochen. Es wäre mal wieder an der Zeit. An mir soll es nicht liegen. Zu anderen CDU-Politikern habe ich indes noch Kontakt.

Das letzte Mal waren Sie im Oktober in den Schlagzeilen - die Polizei hatte Ihnen wegen Trunkenheit den Führerschein abgenommen. Was war los?

Das war eine Dummheit, die ich sehr bedaure. Ich hatte zu der Zeit ziemlichen Stress. Gott sei Dank ist die Phase vorüber.

Im Herbst 2002 haben Sie sich aus der Politik zurückgezogen.

Ich bleibe auch ohne Ämter ein politischer Mensch. Und an Ruhestand denke ich noch lange nicht. Ich berate verschiedene Firmen, pendle zwischen Berlin und meiner Heimat...

...dem schwäbischen Böblingen. Wie sehr sind Sie dort verwurzelt?

Ich bin Mitglied in der Sportvereinigung Böblingen und mache viel Leichtathletik. Außerdem bin ich im Schäferhundeverein.

Als Schatzmeisterin?

Nein, damit kann ich nicht dienen. Ich bin ganz normales Mitglied.

Sind Sie eine typische Schwäbin?

Ich kann einen hervorragenden Rostbraten mit handgeschabten Spätzle zubereiten. Sagt man zumindest. So sehr ich das Schwabenland schätze, kann ich mir auch vorstellen, eine Zeit im Ausland zu leben. Vielleicht in Bolivien oder Peru, wo viele Freunde von mir wohnen.

Vielleicht beschert Ihnen das Buch auch ein politisches Comeback.

Das soll es gar nicht. Wichtiger ist mir, dass ich das verlorene Vertrauen der Menschen zurückgewinne, denen ich viel verdanke und die immer an mich geglaubt haben.

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