Was macht eigentlich... Karl-Heinz Wildmoser


Wegen des Verdachts, beim Bau der Münchner Arena Schmiergelder kassiert zu haben, saß der damalige Präsident des TSV 1860 im Frühjahr 2004 für drei Tage in Untersuchungshaft.

Zur Person:

Karl-Heinz Wildmoser sen., 65, ist verheiratet und hat drei Kinder. Vom Metzger und Schankkellner arbeitete er sich hoch zum Immobilienhändler und Groß-Gastronomen. Zu seinem Imperium gehören der "Donisl" in München, eine Entenbraterei auf der Wies'n und der Gasthof "Hinterbrühl". 1989 kam Wildmoser zum TSV 1860 München, zunächst als Vizepräsident. Der Verein spielte damals in der Regionalliga. Mit Wildmoser als Präsident stieg der Klub innerhalb von drei Jahren in die Bundesliga auf und hielt sich dort bis 2004. Sohn Wildmoser jun. steht derzeit vor Gericht wegen des Verdachts, Schmiergelder in Höhe von 2,8 Millionen Euro erhalten zu haben.

Das Interview mit Karl-Heinz Wildmoser führte Hannelore Schütz

Die Queen erlebte 1992 ihr "annus horribilis", wie sie das nannte. Bei Ihnen war das 2004. Was heißt "annus horribilis" eigentlich auf Bayerisch?

Da gibt es nur ein Wort: Scheißjahr.

Was war das Schlimmste?

Alles war ein einziger Horror, schon die Fahrten mit der Grünen Minna zum Justizgebäude. Besonders schlimm waren diese Horden von Fotografen. Ich habe seitdem Aversionen gegen diesen Berufsstand.

Sie waren Präsident der "Löwen", wurden sozusagen im Rahmen einer Vorverurteilung aus dem Amt gedrängt. Seitdem geht es mit den Löwen bergab. Mitleid?

Mit den Löwen? Ich bin nicht schadenfroh, aber ich sage nur: nie mehr. Wenn ich mir das Video anschau, wie ich das Vereinsgelände verlassen habe, wie da manche gesungen haben: "so ein Tag, so wunderschön wie heute", da hat sich jede Überlegung schon wieder erübrigt.

Viele vermeintliche Freunde, unter ihnen auch Münchens Oberbürgermeister Christian Ude, haben sich damals ganz schnell von Ihnen distanziert.

Ich will mich zu einzelnen Namen nicht äußern, und mit dem OB habe ich mich längst ausgesprochen. Aber natürlich weiß ich heute, wer meine wirklichen Freunde sind. Es gab welche, die haben sich damals nicht gerührt. Aber nun schicken sie mir wieder Geburtstagswünsche, als wäre nichts passiert. Die Karten habe ich übrigens ohne Kommentar im Kuvert zurückgeschickt. Ein anderer ist damals gekommen, stand bei mir im Büro, hat mich in den Arm genommen und geweint. Da sieht man, wer mitfühlt, scheinheilig ist - oder einfach nur ein Schleimer.

Gibt es wirklich positive Erfahrungen?

Natürlich, meine Familie und meine Frau haben mir Kraft gegeben. Und viele Freunde sind ja auch geblieben, haben Faxe oder Briefe geschickt. Am meisten habe ich mich gefreut, dass ich zehn Tage nach meiner Entlassung aus der U-Haft ein Schreiben bekommen habe, wonach ich weiter ehrenamtlicher Richter bleibe am Landesarbeitsgericht. Das hat mir wirklich gut getan. Später sind dann wieder die üblichen Bettelbriefe gekommen. Da wurde nicht gefragt, wie es mir geht, sondern nur gesagt, dass Geld gebraucht wird. Ich habe mir vorgenommen, dass es jetzt aus ist damit.

Was erwarten Sie vom neuen Jahr?

Ich bin ein optimistischer Mensch, kann aber auch wie ein Stier sein, im Sinne des Wortes. Wenn ich gereizt werde, mache ich mich mit Volldampf daran, die Dinge ins Lot zu bringen. Ich werde mich weiter um die Familie kümmern und mein Gasthaus "Hinterbrühl". Wie ich da nach meiner Entlassung durch den Biergarten ging, das war mit das Schlimmste. Da braucht man eine innere Überwindung, weil man sich doch schämt. Doch dann kamen immer mehr Leute und sagten, Herr Wildmoser, ich stehe zu Ihnen.

Nun steht Ihr Sohn vor Gericht. Was sagen Sie ihm?

Ich will mich zum laufenden Verfahren nicht äußern. Aber natürlich bin ich betroffen. Ich fühle mich getäuscht. Aber er ist und bleibt mein Sohn.

Hannelore Schütz print

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