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Bundesliga: Ende der Goldgräberzeit

Einst gaben sie das Geld mit vollen Händen aus, jetzt predigen sie Sparsamkeit. Nach Jahren fast unbegrenzten Wachstums hat die Wirtschaftskrise auch die Proficlubs erreicht.

Vor allem die rückläufigen Zahlen auf dem Transfermarkt dokumentieren den Trend: Von der Goldgräberstimmung im vorigen Winterschlussverkauf, als sich die 18 Proficlubs für immerhin 25,9 Millionen Euro verstärkten, ist wenig geblieben. Mit Beginn der zweiten Transferperiode am 1. Januar bemühen sich die meisten Clubchefs mehr um den Ver- als den Zukauf von Stars. «Wo weniger Geld in die Kassen kommt, gibt es auch weniger zu verteilen», sagte Uli Hoeneß, Manager von Branchenprimus Bayern München.

Finanznot sorgt für Flaute auf Transfermarkt

Schlagzeilen über die Verpflichtung teurer Profis wie Bernado Romeo (Hamburger SV), Fernando Meira (VfB Stuttgart) und Sebastian Kehl (Borussia Dortmund), die noch vor 12 Monaten für eine kurzweilige Winterpause gesorgt hatten, blieben bisher aus. Daran wird sich nach Einschätzung von Karl-Heinz Wildmoser bis zum Ende der Transferperiode am 31. Januar nichts ändern. «Wir müssen sparen, wo es nur geht. Die Trainer müssen lernen mit jungen Spielern zu arbeiten», kündigte der Präsident des TSV München 1860 den Beginn einer neuen Zeitrechnung an, die den heimischen Nachwuchsspielern den Sprung in die Eliteklasse erleichtern könnte.

Sinkende TV-Einnahmen

In Zeiten sinkender TV-Einnahmen und einer geschätzten Schuldenlast der 36 deutschen Proficlubs in Höhe von 600 Millionen Euro tut der Sinneswandel Not. Nur der ambitionierte VfL Wolfsburg leistete sich in den vergangenen Wochen den Luxus, mit Pablo Thiam (FC Bayern München) und Pablo Quatrocchi (Estudiantes de la Plata) zwei namhafte Profis zu verpflichten. Für das meiste Aufsehen sorgte jedoch der Hamburger SV - wenn auch nur im fernen Japan. Das Bundesligadebüt von Stürmer Naohiro Takahara wird am 25. Januar live im japanischen Fernsehen übertragen.

Seltsame Personalrochaden

Angesichts des brach liegenden Transfermarktes fällt der angestrebte Abbau von Personalkosten jedoch schwer. Selbst zum Schnäppchenpreis angebotene ehemalige Nationalspieler werden zu Ladenhütern. Nur deshalb ließ sich Borussia Dortmund auf einen ungewöhnlichen Deal ein: Zwar leiht der deutsche Meister den ausgemusterten Nigerianer Sunday Oliseh bis 2004 an Nachbar VfL Bochum aus, bezahlt aber weiter einen Teil des Gehalts.

Kommt Gehaltsverzicht für die Liga?

Der wachsende Kostendruck beflügelt auch andernorts die Fantasie der Verantwortlichen. Der in arge Finanznöte geratene 1. FC Kaiserslautern denkt über den Verkauf des vereinseigenen Fritz-Walter-Stadions nach. Eine Etatunterdeckung von zwei Millionen Euro zwang Schlusslicht Energie Cottbus zu einer Ausmusterungsaktion, der in den vergangenen Wochen sechs Spieler zum Opfer fielen. Selbst bei den mitunter als geldgierig verschrienen Profis wächst das Problembewusstsein: Nur 25,8 Prozent der vom Fachmagazin «Kicker» befragten Bundesligaspieler lehnen es ab, auf Teile des Gehalts zu verzichten.

Nachwuchsarbeit wird wichtiger

Urplötzlich gewinnt die noch vor Jahren oftmals vernachlässigte Nachwuchsarbeit an Bedeutung. «In dieser Saison haben wir 1,5 Millionen Euro in den eigenen Nachwuchs investiert. In der nächsten werden es auf keinen Fall weniger sein», kündigte Hansa Rostocks Vorstandschef Manfred Wimmer an. Der Aufstieg der Youngster Benjamin Lauth bei den Münchner «Löwen» und Kevin Kuranyi beim VfB Stuttgart inspiriert auch andere. So hofft der Bielefelder Trainer Benno Möhlmann auf ähnliche Entdeckungen: «Wir haben einen Pool aus Amateur- und Jugendspielern gebildet. Davon wollen wir in Zukunft verstärkt profitieren.»