Stadion-Affäre Freilassung von Wildmoser senior gefordert


Im Korruptionsskandal um den Bau des neuen Münchner Fußballstadions fordern die Anwälte nach dem weitgehenden Geständnis von Karl-Heinz Wildmoser jun. die rasche Freilassung von "Löwen"-Präsident Wildmoser sen.

Im Korruptionsskandal um den Bau des neuen Münchner Fußballstadions fordern die Anwälte nach dem weitgehenden Geständnis von Karl-Heinz Wildmoser jun. die rasche Freilassung von "Löwen"-Präsident Wildmoser sen. "Es sieht so aus, als würde bis Freitag darüber entschieden", sagte Rechtsanwalt Florian Ufer der dpa am Donnerstag. Im Laufe des Tages sollte es Gespräche mit der Staatsanwaltschaft geben.

Der Präsident beim TSV 1860 München, sein Sohn und zwei andere Beschuldigte sollen beim Bau der "Allianz-Arena" 2,8 Millionen Euro Schmiergelder kassiert haben, die Wildmosers und ein weiterer Beschuldigter sitzen in Untersuchungshaft. In dem Stadion wird 2006 das Eröffnungsspiel der Fußball-Weltmeisterschaft angepfiffen.

Geständnis von Wildmoser jr

Nach den Aussagen von Wildmoser jun. hat sein 64-jähriger Vater nichts von den Zahlungen gewusst. "Der Vater ist entlastet, nicht nur durch die Aussage seines Sohnes, sondern auch durch einen anderen Beschuldigten", unterstrich Ufer. Der Sohn habe mit dem Geld finanzielle Engpässe bei der Immobilienfirma der Wildmosers Weißer Hirsch Immobilien GmbH in Dresden ausgleichen wollen.

Der Leiter der Staatsanwaltschaft München I, Christian Schmidt- Sommerfeld, hatte am Mittwoch nach der mehrstündigen Vernehmung von Wildmoser jun. gesagt, die Vorwürfe fokussierten sich zunehmend auf den Sohn. Er wolle aber nicht unbedingt sagen, dass der TSV München 1860-Präsident Karl-Heinz Wildmoser damit entlastet worden sei.

Auch bei Wildmoser jun. (40) werde sich die Haftfrage stellen, sagte Ufer. "Wenn die Ermittlungen weiter fortgeschritten sind, gibt es keine Verdunkelungsgefahr mehr, und eine Fluchtgefahr sehe ich auch nicht." Wildmoser jun. habe seine soziale Bindung an München und keinen Grund, sich dem Verfahren zu entziehen.

Die Ermittler wollen nun auch die Beteiligung von Verantwortlichen bei der Baugesellschaft Alpine Bau Deutschland GmbH näher unter die Lupe nehmen. Namen von Tatbeteiligten sind der Staatsanwaltschaft bereits bekannt, Einzelheiten würden jedoch aus ermittlungstaktischen Gründen vorerst nicht genannt.

Ude fordert Neuanfang von 1860

Der Münchner Oberbürgermeister Christian Ude (SPD), gleichzeitig Mitglied im Aufsichtsrat beim TSV 1860 München, verlangte einen Neuanfang beim Verein. Vater und Sohn Wildmoser rief er zu Konsequenzen auf. "Ich glaube, dass der Skandal ein solches Ausmaß hat, dass sie nicht weitermachen können, als wäre nichts geschehen", sagte Ude in einem Interview der n-tv-Sendung "Maischberger". Es müsse deutlich werden, dass 1860 nicht wie Familienunternehmen weitergeführt werden könne.

FC bayern will Wirtschaftsprüfung einleiten

Unterdessen kündigte der FC Bayern München an, er werde eine unabhängige Wirtschaftsprüfung sämtlicher Geschäftsvorgänge rund um die Münchner "Allianz Arena" einleiten. "Jede Rechnung wird umgedreht. Das Vertrauen muss zu 100 Prozent wieder hergestellt werden", sagte Pressesprecher Markus Hörwick.

Zudem wurde für diesen Freitag eine außerordentliche Gesellschafterversammlung der Allianz Arena München Stadion GmbH anberaumt, an der zu 50 Prozent die FC Bayern München AG und die TSV München von 1860 GmbH&Co.KG.a.A. beteiligt sind. "Dort wird der FC Bayern Flagge zeigen, dass die Dinge seriös und in Ordnung weitergehen", hatte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge in der Nacht zuvor beim Bankett des Vereins im Anschluss an die 0:1-Niederlage in der Champions League gegen Real Madrid erklärt.

DPA, AP AP DPA

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