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Was macht eigentlich...: Michèle Mouton

Die Französin gewann 1981 als erste Frau eine Rallye-WM. Mit fünf EM-Titeln und einer Vizeweltmeisterschaft gilt sie als erfolgreichste Motorsportlerin aller Zeiten.

Zur Person

Michèle Mouton lebt mit ihrem Lebensgefährten, dem schwedischen Sportjournalisten Frederik Johnson, und der gemeinsamen Tochter Jessica, 16, in Grasse. Die heute 51-Jährige kam 1973 über einen Freund zum Rallyesport und wurde in den beiden folgenden Jahren gleich französische Meisterin. 1977 errang sie den ersten ihrer fünf EM-Titel, vier Jahre später gewann sie in San Remo ihren ersten WM-Lauf. 1986 beendete Mouton ihre Karriere, blieb aber ihrem Sport mit der Organisation von Rennen weiterhin verbunden.

Welches Auto fahren Sie zurzeit?

Einen Audi, früher einen TT, jetzt einen geländegängigen Allroad. Der hat einen großen Kofferraum, und ich habe einen großen afrikanischen Hirtenhund.

Sind Sie noch im Rennsport?

Ich organisiere das Michelin Race of Champions, das seit zwölf Jahren jeden Dezember auf Gran Canaria stattfindet. In der restlichen Zeit genieße ich das Leben in Monaco und in meinem Heimatort Grasse.

Rallyes fahren Sie überhaupt nicht mehr?

Doch, aber nur noch zum Vergnügen. 2001 bin ich London- Sydney gefahren, mit einem Porsche. Dieses Jahr nehme ich am Safari-Rennen in Kenia teil, mit einem alten Ford Escort. Ich freue mich schon riesig auf den Start.

Sie haben als erste Frau in der Geschichte des Rallye-Sports ein Weltmeisterschaftsrennen gewonnen, 1981 in San Remo. Ihr damaliger Hauptkonkurrent, der Finne Ari Vatanen, hatte zuvor verkündet, niemals könne und werde er gegen eine Frau verlieren. Ist Ihnen heute ein Sieg am Steuer noch wichtig?

Also, als Letzte will ich nicht gerade durchs Ziel brausen; bei der London-SydneyRallye war ich immerhin Zweitschnellste. Aber eigentlich geht es mir bei den Rennen nur um das Reisen - in fremden Ländern lernt man immer so viel.

Und zu Hause, was tun Sie da?

Ich kümmere mich um meine 16-jährige Tochter, spiele Tennis und habe ein neues Hobby entdeckt - alte Möbel aufarbeiten. Damit beschäftige ich mich manchmal eine ganze Woche. Schauen Sie sich Autorennen im Fernsehen an?Die Formel 1 kaum, das ist mir zu langweilig.

Warum?

Weil man schon nach zwei Runden weiß, wer gewinnt. Doch für die Resultate interessiere ich mich schon. Natürlich freue ich mich über jeden Sieg von Ferrari und Jean Todt, meinem früheren Team-Manager, der mich Ende der 80er Jahre betreute, als ich für Peugeot fuhr.

Wen halten Sie für den besten Rennfahrer aller Zeiten?

In der Formel 1 ist Michael Schumacher der Beste.

Trotz seiner Auftaktpleiten?

Aber ja doch. Im Fußball stellt man einen Torschützenkönig doch auch nicht infrage, wenn er mal zwei Spiele ohne Treffer bleibt. Der Motorsport ist eine diffizile Angelegenheit, bei dem viele Faktoren eine Rolle spielen - neben dem individuellen Können vor allem auch das Fahrzeug und das Team.

Geht es im Rallye-Sport heute anders zu als früher?

Auf jeden Fall. In meiner Zeit fuhr man mehr als 3000 Kilometer; die Rennen dauerten vier bis fünf Tage und Nächte. Heute sind die Strecken viel kürzer, um die 1000 Kilometer. Sprints spielen da eine viel größere Rolle.

Sie haben einmal gesagt, Männer seien die besseren Sprinter, Frauen die besseren Langstreckenläufer.

Ja, das ist wahr. Wir Frauen sind konstanter und haben mehr Ausdauer. Ein Mann kommt leicht zum Höhepunkt und fällt dann schnell ab.

Haben Sie eine Erklärung dafür, warum Frauen derzeit bei Rallyes kaum in Erscheinung treten?

Nein. Ich weiß nur: Da so wenige Frauen in diesem Sport aktiv sind, muss bei uns alles besonders gut klappen. Wie bei meinem WM-Sieg. Ich hatte das richtige Auto, das beste Training, ein Super-Team und ich hatte auch das notwendige Glück.

Interview: Tilman Müller

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