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Was macht eigentlich...: Michael Bartels

Der Rennfahrer galt Ende der achtziger Jahre als große Hoffnung des deutschen Motorsports. Bekannt wurde er vor allem als Lebensgefährte von Steffi Graf

Zur Person

Der Rennfahrer galt Ende der achtziger Jahre als große Hoffnung des deutschen Motorsports. Bekannt wurde er vor allem als Lebensgefährte von Steffi Graf. Der 35-Jährige aus dem sauerländischen Plettenberg lebt in Monte Carlo. Seine Karriere als Rennfahrer begann Bartels im Kartsport; er fuhr unter anderem in der Formel 3 und Formel 3000. Ein langfristiges Engagement in der Formel 1 scheiterte. Nach einem recht erfolgreichen Intermezzo bei verschiedenen Tourenwagen-Klassements fährt er jetzt in der V8-Star-Rennserie. Zwischen 1992 und 1999 waren Bartels und Deutschlands Tenniskönigin Steffi Graf ein Paar.

Das Interview mit Michael Bartels führte Ulrike von Bülow

Steffi Graf erwartet ihr zweites Kind von Andre Agassi. Werden Sie gratulieren?

Natürlich. Wir telefonieren hin und wieder, schreiben uns zum Geburtstag und zu Weihnachten. Das ist ja auch ganz normal nach so einer langen Zeit, in der man gemeinsam viel erlebt hat. Steffi hat es sich nach ihrer turbulenten Tenniskarriere redlich verdient, ein ruhiges Familienleben zu führen.

Wäre das auch was für Sie?

Ja, ich bin total verrückt nach Kindern. Aber die Zeit dafür ist noch nicht reif. Und Katrin, meine Freundin, die in der Immobilienbranche tätig ist, hat im Betrieb ihrer Eltern auch sehr viel zu tun.

Warum hatten sich Steffi Graf und Sie damals getrennt?

Das war die Zeit, in der Steffi sich entschied, ihre sportliche Karriere zu beenden. Meine Leidenschaft ist der Motorsport. Sie wollte Richtung Amerika, aber dort gab es für mich keine berufliche Basis.

Hat es Sie genervt, meistens als ihr Freund in den Schlagzeilen zu landen und nicht als Rennfahrer?

Nein. Das ließ sich natürlich nicht verhindern, aber ich habe das einfach ignoriert. Ich bin nie ein Typ gewesen, der die Öffentlichkeit sucht. Und in unserer Beziehung war es auch schwierig, das zu toppen, was an sportlichen Erfolgen schon vorhanden war - da hätte ich wahrscheinlich fünfmal Formel-1-Weltmeister werden müssen. Aber dazu kam es nicht.

Warum nicht? Sie galten Anfang der Neunziger neben Michael Schumacher als das Talent des deutschen Motorsports.

Damals brauchte man Sponsoren, um in die Formel 1 zu kommen. Ich hatte zwar starke Unterstützung der deutschen Industrie, kam aber in einer Phase zu Lotus, in der es mit dem Team nur noch abwärts ging. Michael hatte hingegen mit Jordan einen optimalen Einstieg. Ich ging dann 1992 und 93 mit großem Erfolg zurück in die Formel 3000, fand aber anschließend kein erstklassiges Team für die Formel 1. Mitte der Neunziger wurde Keke Rosberg mein Manager und empfahl mir, Tourenwagen zu fahren. Und dabei blieb ich.

Sie trauern der Formel 1 nicht hinterher?

Nein. Jetzt fahre ich in der V8-Star-Serie, die gibt es seit 2001. Das sind ähnliche Autos wie bei den Deutschen Tourenwagen-Masters. Mit dem Unterschied, dass bei uns nicht die Hersteller, sondern die Fahrer und Teams im Vordergrund stehen. Und die Chancengleichheit: Die Autos sehen zwar unterschiedlich aus, haben aber alle den gleichen Fahrzeugrahmen und Motor. Ich bin in meiner ersten Saison auf Anhieb Gesamt-Zweiter geworden. Ich will mir für die nächsten Jahre eine Basis schaffen, mit der ich erfolgreich Rennsport betreiben kann.

Sind Sie das Leben aus dem Koffer denn nie leid?

Kofferpacken ist das Schlimmste. Aber wenn ich dann mal zehn Tage an einem Ort bin, vermisse ich was. Ich kann schwierig ruhen, ich muss immer was Neues auf die Beine stellen. Ich engagiere mich schon lange in der Nachwuchsförderung, und in der Formel 3 gibt es einen jungen Griechen, den ich unterstütze.

Woher rührt eigentlich Ihre Rennleidenschaft?

Von meinem Vater. Der war 30 Jahre aktiv und ist erfolgreich Bergrennen gefahren. Ich bin sozusagen auf der Kühlerhaube gewickelt worden. Sport ist sicher das, was bisher mein Leben bestimmt hat; ich gehe auch gern ins Stadion zu Schalke oder überquere die Alpen mit dem Mountainbike. Ich schätze, ich habe jetzt die Hälfte meiner Laufbahn hinter mir. Es gibt zwar ein Buch, das heißt: "Wie komme ich bloß vom Motorsport los?" Aber ich habe noch lange nicht die Absicht, es zu lesen.

Ulrike von Bülow / print