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Was macht eigentlich...: Stephanie Gräfin von Pfuel

Die sechsfache Mutter wurde als blaublütige Kaffeegeniesserin durch eine Werbekampagne des Hamburger Kaffeerösters Eduscho, die zwischen 2001 und 2003 im Fernsehen lief und in diversen Illustrierten abgedruckt wurde, bekannt

Zur Person

Die Diplom-Forstingenieurin und sechsfache Mutter Stephanie Gräfin Bruges von Pfuel lebt im Schloss Tüßling in der Nähe von Altötting zusammen mit ihren Kindern und Ehemann Christian Graf Bruges von Pfuel, der in München als Anwalt arbeitet. Die 42-Jährige sitzt für die CSU im Rat der Marktgemeinde Tüßling. Bekannt wurde die Gräfin durch eine Werbekampagne des Hamburger Kaffeerösters Eduscho, die zwischen 2001 und 2003 im Fernsehen lief und in diversen Illustrierten abgedruckt wurde.

Das Interview mit Stephanie Gräfin von Pfuel führte Tobias Schmitz

Ganz spontan: fünf gute Gründe, Tee zu trinken...

...Tee ist gemütlich, macht wach, schmeckt gut, grüner Tee soll gesund sein - reicht das?

Das ging ja richtig fix für eine Kaffeetante.

Ach, die Kaffeetante. Das wird wahrscheinlich noch auf meinem Grabstein stehen. Ich trinke nur morgens eine Tasse, und dann ist Schluss. Für mehr ist keine Zeit.

Wieso nicht?

Ich erziehe sechs Kinder, regel die Forstwirtschaft, engagiere mich für SOS-Kinderdörfer und kümmere mich um die Renovierung unseres Schlosses. So ein Sechstel fehlt immer noch. Da gibt es bisher weder Strom noch Heizung.

Ein Albtraum.

Nein, gar nicht. Ich habe höchstens Verarmungsalbträume und denke: Gott, jetzt kann ich mir gar nichts mehr leisten. Das Gebäude verschlingt sehr viel Geld.

Wovon leben Sie denn?

Zum einen von der Forstbewirtschaftung und von der Vermietung eines Schlossflügels für Veranstaltungen.

Ex-Fußballer Oliver Bierhoff hat bei Ihnen seine Hochzeit gefeiert.

Ja, im großen Ballsaal mit 350 Personen. So etwas bringt natürlich ganz gut Geld.

Wie kamen die Kaffeewerber eigentlich gerade auf Sie?

Sicherlich nicht, weil ich irgendwie so toll bin. Das lief über eine Freundin und eine Castingagentur. Die hatten schon in Norddeutschland nach einer Gräfin gesucht, aber keine passende gefunden.

Der Fernsehspot war ja so idyllisch, dass es schon fast weh tat: Sie im roten Ballkleid, umtanzt von Ihren Kindern - was genau war eigentlich die Botschaft?

Gehobenes Niveau, edel, aber nicht zu teuer - irgendwie so was. Und übrigens: Das waren nicht meine eigenen Kinder. Die kamen von der Agentur.

Ach was.

Ich wollte nicht, dass man meine Kinder in Nahaufnahme sehen und erkennen konnte. Wegen der Privatsphäre.

Waren Ihre Kinder erleichtert?

Im Gegenteil, die waren stocksauer und haben mit mir geschimpft, dass sie nicht mitmachen durften.

Und wie liefen dann die Dreharbeiten?

Beim Dreh war ich schwanger, wusste das damals aber nicht. Weil es eine Panne mit der Kamera gab, musste der ganze Dreh wiederholt werden. Ich hab mich gedreht und gedreht und grausige Schwindelanfälle bekommen. Die versuchte ich mit Sekt zu bekämpfen. War lustig.

Und Ihr Kind hat keine bleibenden Schäden erlitten?

Nein. Es schaut nicht aus wie ein Kreisel.

Wie haben Freunde und Bekannte auf den Spot reagiert?

Menschen, die mich erst nach der Werbung kennen lernten, waren immer ganz erstaunt und sagten: Du schaust ja viel jünger aus! Und du trägst ja Jeans! Du bist ja gar nicht so spießig! Ich bin im Fernsehen ganz anders rübergekommen, als ich wirklich bin.

Inwiefern?

Ich laufe natürlich nicht den ganzen Tag im roten Kleid durch den Ballsaal, die Kinder tanzen nicht um mich rum, und ich mag keinen Kaffeeklatsch. Ich kann nicht lange stillsitzen.

Waren Sie berühmt?

Ich wollte keine Aristo-Naddel sein, überall hinlaufen und jeden Mist mitmachen, um berühmt zu sein. Immerhin wurde ich von Johannes B. Kerner und Harald Schmidt eingeladen. Aber ich bin da nirgends hingegangen. Das mit Harald Schmidt habe ich bereut.

Und was hielt der deutsche Adel von Ihrem Ausflug in die Werbung?

Hinter vorgehaltener Hand raunte man: "So was tut man nicht!" Mein Vater hätte sich sicher im Grab herumgedreht. Aber ich sage dazu: Man kann auch an Vornehmheit Pleite gehen.

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