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Weißwurst mit Grünteepulver: Bayerische Blasphemie

Werner Gropp ist ein mutiger Bayer. Denn er färbt die Weißwurst grün - mit Matcha, einem Grünteepulver aus Japan. "Pfui Deibel", schreien die Traditionalisten. Trendsetter hingegen sind begeistert.

Von Denise Wachter

Die Grünwurst ist zwar grün, hört aber auf den Vornamen Matcha und den Familiennamen Weißwurst. Zur Familie der Weißwürste zählt auch deren Ur-Großvater, die weiße Weißwurst, die inzwischen auch die Neutrale genannt wird, obschon diese auch traditionell mit grün, eben der Petersilie durchsetzt ist". Mit diesen Worten leitet Werner Gropp, der Erfinder der grünen Weißwurst, das Interview mit stern.de ein. Die Traditionalisten werfen ihm Gotteslästerung vor, die Trendbewussten sind begeistert. Wir denken, dass Werner Gropp aus Altötting ziemlich schlau und ein Vermarktungsgenie ist. Denn mit einer fixen Idee könnte er einen richtig großen Coup landen. Das Patent für die Matcha Weißwurst hat er sich schon gesichert.

Herr Gropp, wie können Sie es wagen, die bayerische Weißwurst grün zu färben? (sehr ernst) Ich vereine zwei Lebensmittel, die eine lange Historie haben. Sie kommen aus unterschiedlichen Welten. Es ist typisch bayerisch, kreativ zu sein und auch mal etwas völlig Neues auszuprobieren. Mit der Matcha Weißwurst ist ein Produkt entstanden, dass ohne Umschweife gesünder ist als das Ursprungsprodukt. Matcha enthält viele Antioxidantien und Aminosäuren.

Grenzt das, was Sie tun, nicht an Landesverrat in Bayern?

(empört) Ganz im Gegenteil. Ich würde das nicht ganz so sehr polarisieren wollen. Ich bin selbst bajuwarisch geprägt. Ich möchte nicht Landesverrat betreiben, sondern die bayerische Esskultur bereichern.

Was sagen die Traditionalisten zu Ihrer grünen Weißwurst? Auf religiöser Ebene wurde schon der Weltuntergang prophezeit. Viele halten die grüne Weißwurst für eine Revolution und die weiße Weißwurst für heilig. Die Weißwurscht ist aber nicht heilig, wir glauben an einen Herrgott und nicht an eine Weißwurscht (lacht).

Was haben Sie mit der Weißwurst überhaupt am Hut? Wer sind Sie eigentlich?

Ich war jahrelang Manager in der Industrie und war weltweit in der Verantwortung im Vertrieb und Marketing. Ich bin oft Gast im Restaurant und liebe gutes Essen. Ich interessiere mich für Kulturen. So kam das auch mit dem Matcha. Im Ausland suche ich immer landestypische Restaurants und Kneipen auf, die nicht von Touristen frequentiert werden. Was Sie da probieren können, da kommen Sie im Leben nicht darauf.

Also, sind Sie nicht in der Wurstbranche tätig? (lacht) Nein. Auch wenn es da momentan ein bestimmtes Vakuum gibt, wegen eines Gerichturteils. Die Idee der Matcha Weißwurst kam mir spontan. Ich fragte einen befreundeten Metzger, ob wir nicht mal Matcha ins Brät mischen könnten. Der antwortete: "Was ist Matcha?" Wir probierten es aus und stellten fest: Das schmeckt!

Wollen Sie den süßen Senf etwa auch noch grün einfärben?

Mit Sicherheit nicht. Es geht auch nicht um die Farbe. Aber wenn Sie darauf bestehen, könnte ich das vielleicht mal ausprobieren (lacht).

Wieso eigentlich Matcha? Ist das nicht ein Hype der Veganer?

In der Tat ist das so. Aber dieser Trend wurde schon vor 600 Jahren in China losgetreten. Die Japaner haben Matcha entdeckt und seit dem 21. Jahrhundert gibt es jetzt einen Matcha-Trend in Europa. Veganer und Vegetarier trinken Matcha, weil sie gesünder leben wollen. Aber auch ich als Fleischesser trinke gerne Matcha und das durchaus mit Genuss. Mit 55 Jahren bin ich noch sehr energiegeladen. Wer weiß, ob das am Matcha liegt.

Wie geht es jetzt weiter mit der Grünwurst? Bis jetzt kamen sehr viele Leute auf uns zu, die die Idee unglaublich pfiffig finden. Und alle Kritiker, ob positiv oder negativ, vereint die Neugier. Jetzt suche ich nach einem Produzenten, der es professionell herstellt und vertreibt. Das war auch von Anfang an die Absicht: Das neu geschaffene Produkt gehört in professionelle Hände. Und ich habe das Glück, dass ich schon eine Auswahl an potenziellen Herstellern treffen kann. Es ist natürlich auch eine wirtschaftliche Überlegung, ob ich das Patent der Matcha Weißwurst aus der Hand geben soll.

Lieber Werner Gropp, vielen Dank für das Gespräch!

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