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Prädikat München: Weißwurst-Streit entzweit Bayern

Der Münchner Weißwurst-Streit entzweit die Metzgermeister im Freistaat: Denn nach Ansicht des Patentamtes dürfen nur Fleischer aus dem Raum München die bleiche Wurst mit dem Titel "München" verkaufen.

München und Neustadt an der Donau trennt eine Distanz von 80 Kilometern. Doch bislang lagen beide Städte auf dem "Münchner Weißwurstäquator". Dieser droht nun durch eine Entscheidung des Deutschen Patent- und Markenamtes zu schrumpfen: Nur noch Metzger aus dem Raum München sollen in Zukunft "Münchner Weißwürste" produzieren dürfen. Dies könnte für den Neustädter Fleischfabrikanten Peter Kraus drastische Folgen haben. Etwa 30 seiner 50 Beschäftigten werde er wohl entlassen müssen, befürchtet er.

Eigentlich wollte Kraus mit dem Neubau einer 2200 Quadratmeter großen Fabrik beginnen. Einen Musterbetrieb wollte er bauen - den modernsten Konservenbetrieb Bayerns. Dadurch wären auch zusätzliche Arbeitsplätze entstanden, sagt der Metzgermeister. Seine Pläne musste er jedoch wegen des Weißwurst-Streits aufgeben. "Ich werde sie nicht umsetzen, wenn in Deutschland so mit Mittelständlern umgegangen wird."

"München" auf dem Etikett

Nach Ansicht des Patentamtes erfüllt die Bezeichnung "Münchner Weißwurst" die Voraussetzungen für die Eintragung einer geschützten geografischen Angabe. Demnach dürfen nur noch Fleischer aus Stadt und Landkreis München die bleiche Wurst mit dem Titel "Münchner" verkaufen. Bis Juni können der Niederbayer Kraus und andere Betroffene Einspruch gegen die Pläne einlegen. Erst nach Ablauf dieser Frist geht es dann in Brüssel um die Wurst. Die EU-Kommission muss dann prüfen, ob die Bezeichnung "Münchner Weißwurst" geschützt wird.

Kraus würde die Neuregelung besonders hart treffen. Er hat sich auf die Produktion von haltbaren Weißwürsten spezialisiert. "Im Raum München gibt es bisher keinen Konservenhersteller, der Weißwürste schmackhaft in Dosen bringt", erklärt Kraus. Deshalb gehen seine Würste nicht nur in exklusiven Feinkostläden über die Theke, sondern werden auch nach Australien oder in die USA exportiert. Genau darin besteht für Kraus die Krux: Die Amerikaner und Australier wollten nun einmal «München» auf dem Etikett lesen. "Wenn der Name nicht draufsteht, kaufen sie meine Würste nicht." Die Folge wäre, dass sein bisher größter Geschäftsbereich wegfiele.

Der Schutz hätte eine teure Prüfung zur Folge

Auch Josef Fendt vom Fleischerverband Bayern bedauert die Entscheidung des Patentamtes. Die Zukunft der Münchner Weißwurst sei alles andere als rosig, sagt er. Falls die EU die Münchner Weißwurst schützt, werde sie aus dem Wettbewerb herausgenommen und müsse sich nicht mehr bewähren. Darunter würde auch die Qualität leiden. "Langfristig geht die Münchner Weißwurst unter", prognostiziert Fendt.

Wenn die Münchner Weißwurst tatsächlich geschützt werde, müssten die Metzgereien ihr Produkt einer kostenintensiven Prüfung unterziehen, erklärt der Geschäftsführer des Landesinnungsverbandes. "Deshalb wird es in Zukunft nur noch einige wenige Großbetriebe geben, die Münchner Weißwürste herstellen", schätzt Fendt. "Die kleinen Metzgereien können sich die Prüfungen nicht leisten."

Die "Schutzgemeinschaft Münchner Weißwurst" hat die Nase vorn

Der Fleischerverband hatte erfolglos beim Patentamt beantragt, dass alle Metzger aus Altbayern und Schwaben ihre Würste mit dem Prädikat "Münchner" versehen dürfen. Nun hat jedoch die "Schutzgemeinschaft Münchner Weißwurst" die Nase vorn. Vor zwei Jahren hatten sich rund 60 Metzger und Gaststätten aus der Region verbündet, um für die lokale Weißwurst zu kämpfen. Bald schlossen sich sogar Stadt und Landkreis München der Schutzgemeinschaft an.

Markus Brandl von der Schutzgemeinschaft hat für die Befürchtungen seines Rivalen Fendt nur ein Wort übrig: "Blödsinn!" Er argumentiert andersherum: Der Parmaschinken werde schließlich auch nur in der italienischen Stadt Parma produziert, bemerkt Brandl. "Er hätte nie eine so gute Qualität erreichen können, wenn er nicht geschützt wäre."

Nicole Grün/DPA