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Franz Wunderlich: Händlmaier will Senf-Multis weiter Anteile abtrotzen

Wer Weißwürste mag, kennt meist auch die Beilage mit dem roten Deckel. Der Hausmachersenf aus dem Regensburger Familienbetrieb Händlmaier ist der beliebteste "Süße" in Bayern.

Wer Weißwürste mag, kennt meist auch die Beilage mit dem roten Deckel. Der Hausmachersenf aus dem Regensburger Familienbetrieb Händlmaier ist nicht nur der beliebteste "Süße" in Bayern, sondern mittlerweile auch außerhalb des Freistaates fast in aller Munde. Mit einem bundesweiten Marktanteil von mehr als 60 Prozent bei den süßen Sorten hat die Senfspezialität aus der Oberpfalz die anderen Hersteller mit weitem Abstand auf die Plätze verwiesen.

Rasantes Wachstum

Im vergangenen Jahrzehnt ist das Regensburger Unternehmen rasant gewachsen: Der Jahresumsatz konnte auf jetzt 13 Millionen Euro verfünffacht werden, die Mitarbeiterzahl hat sich auf knapp 40 verdoppelt. Auch in den kommenden Jahren will Händlmaier-Chef Franz Wunderlich mit neuen Senfkreationen und der Expansion ins Ausland weiter zulegen.

Dabei war die Luise Händlmaier GmbH & Co KG quasi als Freizeitbeschäftigung gegründet worden. Zuvor hatten die Händlmaiers in Regensburg eine Metzgerei mit sechs Filialen. Anfang der 60er Jahre verkaufte Luise, nachdem ihr Mann gestorben war, die Fleischereigeschäfte an einen Konkurrenten. Der neue Besitzer bat die Witwe, den seit 1914 in den Läden angebotenen Senf für ihn weiterhin anzurühren. "Früher hat man für die eigene Metzgerei Senf gemacht, das war nichts Ungewöhnliches", erklärt Wunderlich, der Enkel von Luise.

Anfangs nur ein Zeitvertreib

Die Senfproduktion war zunächst nicht mehr als ein Zeitvertreib, gerade mal ein bis zwei Stunden pro Woche hat Luise damals die Wurstbeilage hergestellt. Bis Anfang der 90er Jahre wuchs der Betrieb kontinuierlich, allerdings gab es Händlmaier hauptsächlich nur regional in ostbayerischen Metzgereien und Lebensmittelmärkten. Der Boom folgte von 1992 an, als das Unternehmen den Stammsitz in der Regensburger Altstadt verließ und in einem Gewerbegebiet vor den Toren der Stadt eine neue Senffabrik errichtete.

Heute beliefert Händlmaier alle Lebensmittelketten in Deutschland, ist in Österreich, Südtirol sowie der Schweiz vertreten und will in Kürze auch den EU-Neubürgern in Tschechien den lieblichen Senf schmackhaft machen. Zudem gibt es "Händlmaiers Sweet Mustard" in den USA und Japan - "aber das ist eher exotisch", meint Geschäftsführer Wunderlich. Diese Märkte brächten weniger als ein Prozent des Umsatzes. Insgesamt verlassen täglich etwa 37 Tonnen Senf abgefüllt in 90 000 Gläser die Fabrik.

"In die Nischen gehen"

Die Regensburger haben es im Senf-Wettbewerb zumeist mit viel größeren Konkurrenten zu tun, so mischt auch der Weltkonzern Nestlé mit seiner Marke Thomy mit. Um sich trotzdem zu behaupten, will Händlmaier sehr spezielle Produkte anbieten, die mangels Masse für die Multis uninteressant sind. "Wir müssen in die Nischen gehen", sagt Wunderlich. Dies sei auch wichtig, um in den Supermarktregalen einen Herstellerblock bilden zu können. "Wenn sie da allein mit einem Produkt im Regal stehen, gehen sie unter."

Neben dem schon länger angebotenen mittelscharfen Senf sollen Gourmetsaucen mit Honig-, Dill-, Orangen- und Pfeffergeschmack von diesem Jahr an das Sortiment ergänzen. Angeboten werden diese Senfmischungen in Kopfstand-Flaschen. Wunderlich selbst ist zwar kein Fan dieser Verpackung, sieht aber einen deutlichen Trend zu den Kunststoffflaschen. "Wenn wir es nicht machen, dann bringt es jemand anderes", meint der 38-Jährige.

Ulf Vogler, dpa / DPA