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"Das Scheißleben meines Vaters, das Scheißleben meiner Mutter und meine eigene Scheißjugend": Altmanns gnadenlose Abrechnung mit der Kirche

Andreas Altmann - preisgekrönter Reise-Schriftsteller - hat jetzt ein Buch über seinen Geburtsort geschrieben, den oberbayerischen Wallfahrtsort Altötting. Darin rechnet er mit seinem brutalen Vater ab - und zelebriert seinen Hass auf die katholische Kirche.

Altötting - malerisch gelegen im Alpenvorland - ist so etwas wie das katholische Herz Bayerns. Und da Bayern insgesamt schon sehr katholisch ist, will das was heißen. Hunderttausende Gläubige pilgern jährlich dorthin, um vor der Schwarzen Madonna zu knien - eine große Ikone der Marienverehrung. Der Reise-Reporter und gebürtige Altöttinger Andreas Altmann will dem katholischen Idyll nun die Maske vom Gesicht reißen. Er hat ein Buch geschrieben über seinen Geburtsort, den er nicht mehr so nennen möchte.

"Altötting ist keine Heimat für mich, Altötting ist eher ein Geburtsfehler, den man verheimlichen will", sagt er im Interview der Nachrichtenagentur dpa in München. Und so lautet der Titel: "Das Scheißleben meines Vaters, das Scheißleben meiner Mutter und meine eigene Scheißjugend".

Eine wortgewaltige Hass-Schrift

Altmann hat eine 250-seitige, wortgewaltige Hass-Schrift verfasst - aus Hass vor allem auf seinen Vater und auf die katholische Kirche. "In Bayern stinkt es ganz besonders nach Katholizismus und am heftigsten stinkt es in Altötting", sagt Altmann, der am liebsten "Stinkbomben werfen" würde auf den Ort, in dem er auf die Welt kam.

In seinem Buch blickt er zurück auf eine unglückliche Jugend, die ihn - so sagt er heute - tief traumatisiert hat. Von frühester Kindheit an wurde er von seinem Vater verprügelt, auch sein Religionslehrer schlug zu, seine Mitschülerin wurde vom Pfarrer missbraucht. "Ich habe Beweise und eidesstattliche Erklärungen. In meinem Buch ist nichts erfunden, es geht um Tatsachen", betont Altmann. "Die Pfarrer, die uns missbraucht beziehungsweise misshandelt haben, sind alle mit Glanz und Gloria beerdigt worden."

Altötting sei schon immer geprägt gewesen von "Bigotterie und Weihrauch-Gesäusel". Und so beschreibt er Religionsstunden, in denen Sex verteufelt wird - und berichtet von schwulen Sexpartys bei den Kapuzinern. "Die schier unauslotbare Diskrepanz zwischen Moralpredigt und sexuellen Schweinereien ist zum Schreien komisch."

Nicht böse geboren

Altmanns Geschichte beginnt in den späten 1940er Jahren in einer von Krieg und Nazi-Ideologie zerfressenen Gesellschaft "im Gnadenort Altötting", in der die Eltern mit ihren Kriegserlebnissen alleingelassen werden und die Kinder nie so etwas wie ein warmes Elternhaus und Geborgenheit erfahren dürfen. In Schilderungen, die eine solche sprachliche Wucht entfalten, dass sie schon beim Lesen fast physischen Schmerz verursachen, lässt Altmann seine Kindheit und Jugend wieder aufleben - mit der Überzeugung, dass er mit seinen Erfahrungen nicht allein ist. Viele hätten ihm erzählt, dass sie in ihrer Jugend misshandelt und sogar missbraucht worden seien - und ihm gleichzeitig verboten, das zu schreiben. "Man will verdrängen, man will das nicht wissen."

Sein Vater, das wisse er heute, sei nicht als böser Mensch geboren. Er sei schwach gewesen und an seinem Leben zerbrochen. "Er ist für mich ein krankes Arschloch - aber daran trägt er, das mag sonderbar klingen, nicht wirklich Schuld. Er hatte nicht die innere Kraft, den nötigen Charakter, um seinen Wahnwitz zu bändigen."

Mit 18 Jahren floh Altmann aus seinem Elternhaus. Nach abgebrochenem Psychologie- und Jurastudium und Verträgen am Bayerischen Staatsschauspiel und am Schauspielhaus in Wien arbeitet er heute als Reise-Autor und lebt in Paris. Für seine Reportage "Äthiopien ganz nah: Leben am Rande der Welt" wurde er mit dem Egon-Erwin-Kisch-Preis 1991 ausgezeichnet.

Das Schreiben sei für ihn der Weg, sein Leben zu bewältigen, sagt Altmann heute. "Wenn ich das Schreiben nicht entdeckt hätte, wäre ich abgesoffen, läge heute als Loser vor dem Sozialamt." Von seinem Buch erhofft er sich vor allem eins: "Ich will die Leute anspornen, dass sie nicht gehorchen. Gehorchen ist die Ursünde."

Britta Schultejans/DPA / DPA
Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo