Bayern-Besuch Eine Reise in die Vergangenheit


Papst Benedikt XVI. ist in seinen Geburtsort Marktl zurückgekehrt. Herzlich hat er dort das Gespräch mit den Menschen gesucht. Abweichend vom strengen Protokoll ging er nach seiner Ankunft direkt und offen auf die Wartenden zu.

Begeisterter Empfang für den Papst in Altötting und seinem Geburtsort Marktl: Zehntausend Gläubige säumten Plätze und Straßen, das Kirchenoberhaupt selbst genoss das Bad in der Menge sichtlich und wich mehrfach von Protokoll ab, um Hände zu schütteln und mit den Menschen zu sprechen.

Papst mit Nachwuchssorge

In den Predigten standen am dritten Tag seines Besuches in Deutschland die Themen Marienverehrung und die Nachwuchssorgen der geistlichen Berufe im Mittelpunkt. Bei einer Messe vor 60.000 Menschen auf dem Kapellplatz des oberbayerischen Marienwallfahrtsortes Altötting sagte der Papst, von der Jungfrau Maria könne man "das rechte Beten" lernen. Er betonte, die Güte, Fürsorge und Hilfsbereitschaft Marias. Zugleich überlasse sie aber auch alles dem Herrn. "So lehrt sie uns beten: Nicht unseren Willen und unsere Wünsche Gott gegenüber durchsetzen wollen, sondern ihm überlassen, was er tun wird."

Aufruf zum Beten

Zugleich rief das Kirchenoberhaupt dazu auf, Gott Raum in der Welt zu geben und im eigenen Leben. Dies geschehe durch das "rechte Beten". Auf die Anschläge vom 11. September ging der Papst an deren fünften Jahrestag nicht selbst ein. Allerdings wurde in den Fürbitten der Opfer gedacht und um Frieden in der Welt gebeten.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, bescheinigte dem Papst eine "erstaunliche Leichtigkeit". Im Bayerischen Rundfunk sagte Lehmann: "Ich denke, es ist für die Menschen gut, wenn sie mal einen ganz menschlichen Papst erleben." "Wir sind alle tief beeindruckt und sehr glücklich", sagte Altöttings Bürgermeister Herbert Hofauer.

Unter den zehntausenden Menschen auf dem Platz habe man "eine Mischung aus Spiritualität, Kontemplation und unbändiger Freude" gespürt. Zwtl: "Impulse bis tief in die Intimsphäre" Bei einem Vesper-Gottesdienst mit Seminaristen, Priestern und Ordensleuten am Nachmittag, sagte Benedikt, es fehle an Menschen, die bereit seien, sich in den Dienst Gottes zu stellen. "Wir wissen, der Herr sucht Arbeiter für seine Ernte", sagte er. Zugleich mahnte er Priester und Ordensleute, sich nicht von Gott zu entfernen. Die Praxis zeige: "Wo Priester das Sein beim Herrn wegen der großen Aufgaben immer kürzer und geringer werden lassen, da verlieren sie bei aller vielleicht heroischen Aktivität am Ende die innere Kraft."

Besuch des Geburtshauses

Nach dem Besuch in Altötting fuhr der Papst in seinen nur sieben Kilometer entfernten Geburtsort Marktl am Inn, wo er in der Pfarrkirche St. Oswald kurz an seinem Taufstein betete. Dann trug er sich in das Gästebuch des 2.700-Seelen-Ortes ein. Vor der Kirche empfingen tausende Pilger das Kirchenoberhaupt, darunter der frühere Bundesminister Norbert Blüm. An seinem Geburtshaus stieg er entgegen dem offiziell verkündeten Protokoll noch einmal aus dem Papamobil und betrachtete die vier Meter hohe "Benediktsäule" aus Bronze, die verschiedene Symbole aus der Schöpfungsgeschichte und der Eucharistie zeigt. Die erhoffte kurze Ansprache an die wartenden Menschen blieb aber aus. Auf dem Sportplatz des Ortes wartete bereits ein Hubschrauber, um den Papst nach Regensburg zu fliegen, wo er die Nacht und die folgenden beiden Tage verbringt.

DPA/AP AP DPA

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