was-macht-eigentlich Gordon Lightfoot


Der kanadische Sänger hatte 1970 einen ersten großen Hit mit »If You Could Read My Mind« und wurde als sensibler Troubadour weltweit gefeiert, ehe ihm in den späten 80er Jahren Alkoholprobleme immer mehr zu schaffen machten

Der kanadische Sänger hatte 1970 einen ersten großen Hit mit »If You Could Read My Mind« und wurde als sensibler Troubadour weltweit gefeiert, ehe ihm in den späten 80er Jahren Alkoholprobleme immer mehr zu schaffen machtenZur Person :

Gordon Lightfoot, 61, lebt heute in Toronto. Nachdem er seine Suchtprobleme überwunden hatte, versuchte er in den 90ern, an seine alten Erfolge anzuknüpfen

stern: Lange keinen Hit mehr gehabt. Ist der Dampf raus?

Lightfoot: Nein. Ich befinde mich in der Phase des Perfektionierens.

stern: Ihre Lieder sind im Laufe der Jahre häufig recycelt worden. Stört Sie das?

Lightfoot: Im Gegenteil! Ist doch toll, wenn du von Elvis Presley gesungen wirst, von Jerry Lee Lewis, Harry Belafonte oder von Cat Stevens. Von Bob Dylan oder gar von Barbra Streisand! Und dann Peter, Paul & Mary! Großartig!

stern: Und was macht Ihre Karriere als Naturschützer?

Lightfoot: Meine Freunde und ich haben bei der Rettung der Regenwälder in British Columbia viel erreicht. Unsere Arbeit setzen jetzt andere fort, so der bekannte Umweltjournalist Dr. David Suzuki.

stern: Sie engagieren sich nun für die kanadischen Prärie-Farmer. Warum?

Lightfoot: Den Bauern geht es miserabel. Die Subventionspolitik stinkt zum Himmel. Den Leuten muss geholfen werden. Schließlich will ich auch morgen noch Fleisch und Kartoffeln essen können.

stern: Sie tragen fast immer eine Lederweste. Wann hat man Sie zum letzten Mal in Anzug und Krawatte gesehen?

Lightfoot: Heiligabend in der »United Church of Toronto«. Da habe ich, wie schon in den vergangenen 18 Jahren, zwei Weihnachtslieder gesungen.

stern: Was machen Sie, wenn Sie nicht schreiben oder auf Tournee sind?

Lightfoot: Pool-Billard spielen und viel nachdenken. Ich bin ein Grübler.

stern: Worüber?

Lightfoot: Das geht keinen etwas an. Über Dinge, die in meinem Leben schief gelaufen sind. Meiner Mutter hätte ich zum Beispiel gern das Gefühl gegeben, stolz auf mich sein zu können.

stern: Nach fünf »Goldenen« und drei Platin-Alben? Soll das ein Witz sein?

Lightfoot: Was ist so witzig daran, wenn man es seiner Mutter recht machen möchte? Mom hat viel Ärger mit mir gehabt: Drogen, Suff und die verschiedenen Ehen.

stern: Ist wenigstens Ihr Nachbar, Kardinal Carter, stolz auf Sie?

Lightfoot: Er mag meine Musik. Wir sehen uns einmal im Jahr, an Halloween. Da hole ich mit meinen Kindern Miles und Meredith Süßigkeiten bei ihm ab.

stern: Während der Olympiade in München wurden Ihre Songs rauf- und runtergespielt. Planen Sie wieder eine Deutschland-Tournee?

Lightfoot: Ich denke gern an Deutschland zurück. In Frankfurt hat man mir und meiner Band mal aus der Patsche geholfen, als unsere Instrumente nicht rechtzeitig eingetroffen waren. Ein Musikalien-Laden in der City hat uns spontan neu eingedeckt. Die Instrumente waren vom Feinsten.

stern: Wie fühlt man sich als Vorreiter der kanadischen Pop-Szene? Sie waren lange vor Bryan Adams, Celine Dion, Shania Twain oder Sarah McLachlan da.

Lightfoot: Ich wünschte mir, ich hätte das Talent eines Bryan Adams. Ein großartiger Künstler und ein liebenswerter Kerl.

stern: Kommen Sie noch ab und zu mit Ihrem Landsmann Leonard Cohen zusammen?

Lightfoot: Zu selten. Meine Bewunderung für ihn ist grenzenlos.

stern: Noch so ein Grübler. Brothers in pain?

Lightfoot: Mir ist nie zuvor ein Mann begegnet, der eine Barfrau so charmant anmachen konnte wie Leonard. Wenn ich an diese Nacht in Montreux denke

stern: Was war da?

Lightfoot: Leonard spricht ein wunderbares Französisch. Mehr will ich nicht sagen.

stern: Sie gehen mit 61 Jahren noch auf eine 50-Städte-Tournee durch die USA. Wo nehmen Sie nur die Energie dafür her?

Lightfoot: Meine Frau Liz hält mir den Rücken frei, ich brauche mich um nichts zu kümmern. Außerdem gehe ich seit 22 Jahren regelmäßig ins FitnessStudio.

stern: Was ist mit der Trinkerei?

Lightfoot: Mit der Sauferei aufzuhören war die beste Entscheidung meines Lebens.

Interview: Herbert Bopp


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