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was-macht-eigentlich: Klaus Schlappner

Der frühere Fußballtrainer - bei Waldhof Mannheim, Darmstadt und Saar-brücken - ging 1992 nach China und arbeitete dort bis 1995 als Coach der Nationalelf. Anschließend verkaufte er den Chnesen deutsches Bier

Der frühere Fußballtrainer - bei Waldhof Mannheim, Darmstadt und Saar-brücken - ging 1992 nach China und arbeitete dort bis 1995 als Coach der Nationalelf. Anschließend verkaufte er den Chnesen deutsches BierZur Person :

Klaus Schlappner, 60, mit Bier, das sein Konterfei trägt, vor seinem Haus in Biblis. Hier lebt der gelernte Elektromeister mit seiner Frau Irene. Die beiden haben drei Kinder. 1983 führte »Schlappi« Waldhof Mannheim in die Bundesliga

stern: In Pekings Supermärkten kostet Bier mit Ihrem Konterfei umgerechnet zwei Mark die Dose. Ist das nicht ein bisschen teuer?

Schlappner: Der Preis war nie das Problem. Der Chinese will Qualität. Wenn Freunde aus Peking mich in Biblis besuchen, fragen sie zuerst: Wo kann ich Boss-Anzüge kaufen.

stern: Wie laufen die Geschäfte?

Schlappner: Von 1997 bis heute haben meine Söhne und ich rund sechs Millionen Dosen verkauft.

stern: Zurzeit sind Sie mit Ihrem Spediteur und dem deutschen Lieferanten über Kreuz, der Eichbaum-Brauerei.

Schlappner: Frachtpapiere wurden falsch ausgefüllt, dann handschriftlich korrigiert. Eine wahnsinnige Schlamperei. Der Zoll in Shanghai hat das Bier sechs Monate festgehalten, dann waren wir zu nahe am Verfallsdatum. Unsere chinesischen Partner fordern Schadensersatz. Jetzt lassen wir direkt in China produzieren.

stern: Haben Sie Geld verloren?

Schlappner: Beim Bier ist es plus minus null ausgegangen. Aber mein jüngerer Sohn Uwe importiert chinesischen Schmuck nach Europa, mein älterer, Volker, verkauft deutsche Elektronik nach China - beide erfolgreich.

stern: Würden Sie den Job als National-trainer noch einmal annehmen?

Schlappner: Auf jeden Fall. Das war tolle Knochenarbeit. Die Mannschaft formen, eine vernünftige Jugendarbeit und eine Profiliga aufbauen. Bis Ende vergangenen Jahres war ich noch Berater des Chinesischen Fußballverbandes.

stern: Wann schaffen es die fußballbegeisterten Chinesen mal zur WM?

Schlappner: Die WM 2002 ist Pflicht. Es wäre eine gute Sache, wenn China bald die Olympiade oder WM ausrichten könnte. Das würde auch die Öffnung des Landes vorantreiben.

stern: Sie schimpfen Spieler schon mal Knallerbse oder Mickeymaus. Die Chinesen müssen ihr Gesicht verloren haben.

Schlappner: Die meisten haben mitgezogen. Der ein oder andere hat mich wohl gehasst. Einer hat vor einem wichtigen Turnier den Zapfenstreich fünf Stunden überzogen, spielte Karten. Den habe ich nach Hause geschickt. Disziplin ist wichtig.

stern: Was haben Sie noch anders gemacht als Ihre Vorgänger?

Schlappner: Früher haben die Spieler drei Stunden vor dem Anpfiff noch schärfste Sichuan-Gerichte verspeist. Zehn Minuten nach Spielbeginn hing ihnen dann vor Durst die Zunge am Boden. Damit war Schluss. Und ich habe junge Talente gebracht und nach Leistung aufgestellt - und nicht, weil ein Provinzfürst einen Spieler im Team haben wollte.

stern: Haben Sie mal den Präsidenten Jiang Zemin getroffen?

Schlappner: Ja, das ist ein sangesfroher Genosse. Eines Abends fragte er mich, ob die Nationalmannschaft und ich beim Karaoke mitmachen. Wir singen nur, wenn wir gewinnen, habe ich gesagt.

stern: Wie reagierte der Präsident?

Schlappner: Richtig so, meinte er. Seien Sie bloß streng zu den Spielern, aber nicht zu Ihrer Frau.

stern: Die chinesische Mentalität in wenigen Worten?

Schlappner: Bequem, wenig Eigeninitiative, aber lernbegierig.

stern: Die deutsche?

Schlappner: Fleißig, pünktlich, leistungsbereit. Obwohl, seit ich aus China zurück bin, geht mir das ewige Gejammere hier auf die Nerven. In der Schule, in der Wirtschaft, im Sport. Als wären wir ein Entwicklungsland.

stern: Wie sehen Sie die deutsche Nationalelf?

Schlappner: Da ist keiner mehr, der sich für Deutschland zerreißt, so wie früher der Jürgen Kohler.

stern: War Erich Ribbeck der richtige Mann?

Schlappner: Zu viel Durcheinander im Team, keine Strategie, das lag auch an Ribbeck. Jetzt muss es einen Neuanfang geben. Ein Typ wie Otto Rehagel wäre gut.

stern: Haben Sie Lust auf Bundesliga?

Schlappner: Ich will meine Trainerkarriere in Europa beenden.

INTERVIEW: MATTHIAS SCHEPP