was-macht-eigentlich Manfred Sexauer


Videoclips gab's damals noch nicht - aber den Musikladen. 13 Jahre lang moderierte der gelernte Schauspieler die Kultsendung der ARD - bis sie 1985 eingestellt wurde

Videoclips gab's damals noch nicht - aber den MUSIKLADEN. 13 Jahre lang moderierte der gelernte Schauspieler die Kultsendung der ARD - bis sie 1985 eingestellt wurdeZur Person :

Sexauer begann seine Karriere als Moderator beim Saarländischen Rundfunk, wo er ab 1965 acht Jahre lang durch die Radiosendung »Hallo Twen!« führte. Von 1972 bis 1985 präsentierte er 99-mal den »Musikladen« live in der ARD. Bis 1991 moderierte Sexauer auch die Verleihung des Fernsehpreises »Goldene Europa«. Heute stellt er einmal pro Woche im SWR Oldies vor

Mal ehrlich: Wenn man an Manfred Sexauer denkt, fällt einem als Erstes Ihre Dauerwelle ein.

Sehen Sie, gut, dass ich das mal klarstellen kann: Ich hatte nie eine Dauerwelle, sondern immer eine Naturwelle. Und selbst die hat der Maskenbildner versucht glatt zu kriegen. Ist wohl nie richtig gelungen.

Als Zweites fällt einem der »Musikladen« von Radio Bremen ein.

Natürlich, das war ja eine sehr erfolgreiche Sendung mit guter Musik und guten Quoten.

Was möglichweise auch an den berühmten Go-go-Girls lag.

Wegen der leicht bekleideten Tänzerinnen haben wir manchmal böse Briefe von Zuschauern bekommen.

Wegen dem bisschen nackter Haut?

Heute kaum vorstellbar, oder? Wenn die Mädels allerdings zu wenig Haut zeigten, dann bekam ich anschließend immer Ärger mit meinem Postboten. Der sagte dann: »Nee, nee, Herr Sexauer, die letzte Sendung war aber nix. Die Mädels waren ja richtig angezogen...«

Warum hat man die Sendung 1985 eingestellt?

Man wollte wohl was Neues nach 13 Jahren. Vielleicht war ich der ARD auch zu alt für eine Popsendung.

Kaum vorstellbar, dass Sie damals in einer Livesendung Weltstars wie Diana Ross, Stevie Wonder, Rod Stewart oder Abba präsentieren konnten.

Für uns gab es praktisch keine Konkurrenz. Musiksender wie MTV oder Viva existierten nicht. Die Weltstars brauchten uns. Heute gingen die höchstens zu »Wetten, dass...?«

Und was machen Sie heute?

Ich bin mit meiner Frau und unserem Hund oft an der Costa Brava. Wir haben da ein Häuschen und ein Boot.

Ein Leben ohne Fernsehen?

Aber nein! Einmal pro Woche stelle ich im SWR-Fernsehen Oldies vor. Ich engagiere mich für SOS-Kinderdörfer, lese viel und sollte mal wieder Tennis spielen. Ansonsten versuche ich seit Jahren verzweifelt, meine Plattensammlung zu sortieren.

Wie viel Scheiben haben Sie denn?

Das ist das Problem: Ich weiß es nicht! Irgendwann hatte ich mir vorgenommen, alle Platten per Computer zu erfassen. Aber das ist so eine langweilige Aufgabe, dass ich immer wieder daran scheitere.

Gefällt Ihnen, was derzeit in den Charts ist?

HipHop ist nicht unbedingt meine Musik. Aber zum Beispiel Anastacia oder Lara Fabian mag ich sehr. In den siebziger Jahren war ja auch nicht alles das Gelbe vom Ei. Vieles wurde damals nur kopiert.

Na hören Sie mal! Abba soll kopiert haben?

Abba natürlich nicht. Die waren einzigartig.

Wen mochten Sie lieber: die blonde Agnetha oder die brünette Frida?

Rein optisch? Agnetha, ganz klar! Obwohl Frida vielleicht die bessere Stimme hatte. Ansonsten hörte ich lieber die Musik der sechziger Jahre. Ich war Stones-Fan. Das einzige Poster, das ich heute im Büro hängen habe, ist eine Zeichnung von Keith Richards und Mick Jagger.

Wenn Sie nur drei Platten auf die berühmte einsame Insel mitnehmen dürften, dann wären das...

...wahrscheinlich »Walk on the wild side« von Lou Reed, eine »Best of« von Freddie Mercury und »Let it bleed« von den Stones.

Klingt nach der guten alten Schule des Rock. Klassische Musik ist also nicht so Ihr Fall?

Doch, ich liebe Mozart, Grieg und Brahms. Schließlich habe ich als kleiner Junge Geige gespielt. Interview: Tobias Schmitz


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